Neue Leitung in Asendorf Automuseum startet in die neue Saison

Asendorf. Die dunklen Wolken, die sich im vergangenen Jahr über der Gemeinde zusammengebraut hatten, als bekannt wurde, dass Joachim Pett seinen alten Schätzchen Adieu sagt, sind vorübergezogen. Zwei Oldtimer-Freunde führen das Museum weiter.
26.04.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Asendorf. Hell ist es geworden. Hell und freundlich. "Im Asendorfer Automuseum hat die Weisheit Einzug gehalten", freut sich Bärbel Rädisch über die frisch verputzten, entrosteten und gestrichenen Räumlichkeiten. Die dunklen Wolken, die sich im vergangenen Jahr über der Gemeinde zusammengebraut hatten, als bekannt wurde, dass Joachim Pett seinen alten Schätzchen nach drei Jahrzehnten Adieu sagt, sind vorübergezogen. Uwe Hoss und Eberhard Rädisch sei Dank. Die beiden Oldtimer-Freunde führen das Automuseum als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) weiter.

Gemeinsam mit ihren Beifahrern, der Muselbahn sowie Gabriele Beutner-Kijewski von der Kunstschiene, steuern sie mit offenem Verdeck in die neue Saison. Die startet am Sonntag, 1. Mai. Pünktlich zum 125. Geburtstag des Automobils.

"Die Besucher erwartet eine Mischung aus Alt und Neu", wirbt GbR-Sprecherin Bärbel Rädisch für das einzige Automuseum vor Osnabrück. Rund 20 Automobile und um die zehn Motorräder würden dort in der neuen Saison ausgestellt. Damit die "Veteranen der Landstraße" auch im richtigen Licht erstrahlen, haben Uwe Hoss und Eberhard Rädisch extra zusätzliche Lampen in den ehemals dunklen Räumlichkeiten installiert. "Der rechte Bereich ist überwiegend Motorrädern vorbehalten. Es gibt eine Bodmann mit Seitenwagen zu bestaunen, ein Prototyp, der nie in Serie ging, dazu Harley-Davidson, BMW-Maschinen und viele italienische Motorräder", zählt Bärbel Rädisch auf. In der Scheune würde neben Lloyd, Renault und Borgward auch eine Tin-Lizzy, das legendäre Ford-T-Modell, sowie die Nash-Limousine Light Six darauf warten, bestaunt zu werden.

Asendorf sei mehr als eine Reise wert, finden Bärbel Rädisch, Gabriele Beutner-Kijewski und Elmar Böcker vom Deutschen Eisenbahn-Verein (DEV). Um noch mehr Gäste dorthin zu locken, möchte das Asendorfer Trio künftig seine Kräfte bündeln. Dann hätten die Besucher gleich drei Anlaufpunkte in unmittelbarer Nachbarschaft. Warum also immer nur mit der Muselbahn von Bruchhausen-Vilsen nach Asendorf tuckern? "Man kann ja auch mal von A nach B fahren und bei uns in Asendorf einsteigen", regt Bärbel Rädisch an. "Oder am besten gleich hin und zurück, also ABBA,", wirft Gabriele Beutner-Kijewski ein. Wer sich für alte Autos interessiere, interessiere sich automatisch auch für alte Züge, ist Elmar Böcker überzeugt. Zumal sich die Technik sehr ähnele. "Im Prinzip ist eine Lok ein Ford A", geht der Technikfuchs gleich ins Detail. Weitere Synergien, die sich aus der Zusammenarbeit zwischen Automuseum und DEV ergeben: Bei Altersbeschwerden könnten die alten Schätzchen gleich wieder in der Werkstatt der Muselbahn geflickt werden.

Beim Anblick alter Schätzchen geht auch Bärbel Rädisch das Herz auf. 1995 hat sich die Freundin flotter Flitzer gemeinsam mit Gatte Eberhard den ersten Oldtimer zugelegt, einen BMV 502, auch unter dem Spitznamen Barockengel bekannt. Inzwischen zieren zwei weitere nostalgische Gefährte der Bayerischen Motorenwerke die Rädische Privatsammlung, darunter auch ein Cabrio. Als Mitglieder im V8- sowie Nienburger Oldtimer-Club sind Rädischs und Uwe Hoss doch geradezu prädestiniert, das Asendorfer Automuseum weiterzuführen, oder?. Am 1. Mai erlebt auch ihr Barockengel eine Renaissance. "Wir verlosen damit eine Fahrt zum Mittelpunkt Niedersachsens in Hoyerhagen", kündigt Bärbel Rädisch an. Zum vormerken: Der Gewinner wird um 17 Uhr gezogen.

Doch nicht nur das. Wenn das Asendorfer Automuseum Sonntag um 10 Uhr unter neuer Regie wiedereröffnet, weht auch ein Hauch Havanna durch die Räume. Unter dem Titel "Cars and Stories - Cuba Libre" stellt Josef Korf, Asendorfer Maler, Bilder kubanischer Oldtimer aus. Keine rosafarbenen Straßenkreuzer, aber andere schöne Schlitten, präsentieren die Mitglieder des Oldtimer-Clubs Nienburg am 1. Mai auf dem neu gestalteten Außengelände des Asendorfer Automuseums. Ganz besonders freut sich Bärbel Rädisch, dass sich zur Eröffnung auch einige Bürgermeister der Samtgemeinde gemeinsam mit ihren Kochfreunden angesagt haben. Ab 11.30 Uhr bereiten die Politiker mediterrane Gaumenfreuden für das hungrige Publikum zu. Damit Sonntag beim "Kommen, Schauen, Staunen", wie es Bärbel Rädisch nennt, auch die richtige Stimmung aufkommt, heizt Die kleine Dorfkapelle den Gästen ab 16 Uhr mit Live-Musik ein. Kaffee und Kuchen, flotte Rhythmen, glänzender Chrom und Lack - so könnte für viele Ausflügler der erste Sonntagnachmittag im Wonnemonat Mai aussehen. Frei nach dem Motto "Veronika, der Borgward ist da".

Vom 1. Mai bis 3. Oktober öffnet das Asendorfer Automuseum, Essener Straße 5, jeweils sonnabends von 14 bis 18 sowie sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr seine Pforten für Besucher. Gruppen können sich unter der Telefonnummer 04253/714 für eine Führung anmelden. Auch mit einer anderen liebgewonnenen Tradition möchte die GbR nicht brechen: "Das Oldtimertreffen mit Teilemarkt steigt dieses Jahr am Sonntag, 29. Mai, von 9 bis 18 Uhr. Der Kult geht also weiter", kündigt Bärbel Rädisch an.

Wer den Wagen am 1. Mai stehen lassen, einen autofreien Sonntag genießen möchte, reist ganz bequem mit der Muselbahn nach Asendorf an. Auch die startet traditionell am Tag der Arbeit in die neue Saison. Bereits um 9 Uhr bringt eine Diesellok Besucher von Bruchhausen-Vilsen nach Asendorf. Vom Bahnhof Asendorf fährt den ganzen Tag über - zwischen der Ankunft der einzelnen Züge - eine Draisine zum Automuseum. Ab Museumsbahnhof Bruchhausen-Vilsen fahren weitere Züge um 11.15, 13, 14.10, 15.20 sowie 16.15 Uhr nach Asendorf. Von Asendorf geht es laut Sonderfahrplan um 12.15, 14.13, 15.05, 16.50 und schließlich um 17.05 Uhr retour nach Bruchhausen-Vilsen.

Da der Kunstschuppen von Gabriele Beutner-Kijewski nur eine Minute zu Fuß vom Automuseum entfernt liegt, wird am Sonntag auch dort künstlerisch der Lenz eingeläutet. Von 11 bis 19 Uhr lädt die Composerin zur Mai-Kunstschau. Sieben Künstler verschiedener Stilrichtungen, Wolfgang Steidele, Monika Neveling, Ingeborg Müller, Günther Weking, Ursula Wessels, Olaf Dettmer und Gabriele Beutner-Kijewski, stellen dort ihre Werke aus. Eigentlich wird das Asendorfer Trio Sonntag sogar zum Quartett, denn auch Skypipe Performance ist mit von der Partie und präsentiert seine Harley Davidsons vor dem Kunstschuppen.

Übrigens: 30 Jahre muss ein nostalgisches Gefährt auf dem Buckel haben, bis es die Bezeichnung Oldtimer und damit auch das Kennzeichen "H" für Historische Fahrzeuge führen darf. Genauso viele Jahre stand Joachim Pett an der Spitze des Automuseums Asendorf. Verglichen damit sind die jetzigen Betreiber noch Neuwagen, auch wenn sie gern im Barockengel durch die Region düsen.

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