Fridays for Future „Autos raus aus der Innenstadt“

Erneuerbare Energieversorgung bis 2035, der Kohleausstieg bis 2030 – das fordert Fridays for Future Verden unter anderem von der Politik.
18.07.2019, 15:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Lena Mysegades

Die Verdener Innenstadt soll bis 2025 autofrei werden – so lautete nur eine der vielen Forderungen von Fridays for Future Verden. Für Emily Karius von der Bewegung ist das jedenfalls kein Problem. Sie hat sich sowieso dagegen entschieden, einen Führerschein zu machen. Ihre Devise und auch die ihrer Mitstreiter lautet Fahrrad statt Auto und Bahn statt Flugzeug. Dass sie damit bei der Politik in der Stadt und im Landkreis Verden auf offene Ohren stoßen, zeigt der Bau der Radbrücke über die Aller. Die Aktiven von Friday for Future Verden wollten wissen, ob die Radbrücke auch gebaut worden wäre, wenn es dafür keine Fördermittel gegeben hätte. Die SPD-Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth und Bürgermeister Lutz Brockmann bezweifelten das. „Fördermittel können helfen, um Menschen von Klimaschutzprojekten zu überzeugen und so Erfolge beim Klimaschutz zu beschleunigen", sagte Dörte Liebetruth beim Treffen mit den Jugendlichen am Mittwoch. Durch die, sich derzeit noch im Bau befindliche, Radbrücke über der Aller entsteht ein Weg für Pendler aus der Gemeinde Dörverden. Und genau zu dieser Brücke fuhren Jugendliche und Politiker am Mittwoch gemeinsam.

Die Fahrradtour sollte indes nicht zum netten Geplänkel werden, sondern war mit einer „lebendigen Diskussion“ verbunden. Denn es gab viel zu bereden, schließlich hatte die Fridays-for-Future-Gruppe im Vorhinein klare und deutliche Forderungen an die Stadt sowie den Landkreis Verden gestellt und diese auf zwei DIN-A4-Seiten zu Papier gebracht. Erneuerbare Energieversorgung bis 2035, der Kohleausstieg bis 2030, die Außerbetriebnahme von einem Viertel der Kohlekraftwerke, die Beendigung der Subventionierung von fossilen Energieträgern und eine CO2-Steuer auf Treibhausgase – das soll von der Politik umgesetzt werden.

„Wir wünschen uns radikale Änderungen und zwar zeitnah“, sagte Emily Karius. Der Klimaschutz sei ein Problem der oberen Mittelschicht, das müsse sich ändern. Liebetruth pflichtete ihr darin bei, auch sie befand: „Klimaschutz soll für alle leistbar sein.“ Doch wie macht man das? Indem die Politik Schüler und Auszubildende von hohen Ticketkosten für den öffentlichen Nahverkehr entlastet, fordern Karius und ihre Mitstreiter. Sie schlugen die Schaffung eines Jahrestickets (365-Euro-Ticket) vor sowie eines Bürgertickets für den gesamten Verkehrsverbund Niedersachsen, das nach dem Einfach-Einsteigen-Konzept finanziert werden solle. Zudem sollten Senioren ihren Führerschein abgeben und dafür den ÖPNV kostenlos nutzen. Der Bahnverkehr müsse also günstiger werden, Flüge und Autofahrten hingegen teurer.

„Man fragt sich doch wirklich, warum ein Flug von Hamburg nach Mallorca dasselbe kostet wie die Taxifahrt zum Flughafen“, sagte Karius. Doch auch, wenn das vielen Menschen merkwürdig vorkommt – auf eine günstige Flugreise verzichten die meisten ungern. „Wenn die Erderwärmung sich bis 2100 noch um acht Grad steigert, wie es nach derzeitigem Stand aussieht, sind wir die Leidtragenden“, sagte Emily Karius. Ihrer Ansicht nach werde es dann zwei Milliarden Klimaflüchtlinge aus dem südlichen Afrika, Lateinamerika und Südasien geben.

Doch wo kann jeder Einzelne im Kleinen etwas tun und wo die Politik im Großen durch verpflichtende Klimaschutzgesetze? Auf Plastikstrohhalme zu verzichten und keine Coffee-to-go-Becher zu benutzen, das ist auch für den Einzelnen leicht. Ein größeres Bewusstsein für die Dinge zu schaffen, das sei die Herausforderung. „Ich finde, die Schulen sollten ermutigt werden, eine Nachhaltigkeits-AG anzubieten“, sagte Karius. Denn je früher auch schon Kinder ein Bewusstsein für Klimaschutz bekämen, desto besser sei es.

Liebetruth betonte, dass das Klimaschutzgesetz, das im Oktober vom Bund verabschiedet werden soll, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sei. Auch auf Landesebene strebe sie ein solches Gesetz an. Und auch Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) fand, dass man die Bürger zur Einhaltung von Klimaschutzgesetzen verpflichten sollte. Dass Appelle nicht ausreichen, dafür nannte er ein Beispiel: „Erst die Gurtpflicht hat dazu geführt, sich anzuschnallen.“

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