Verkauf der Atlas-Terex-Werke Baggerbauer in Sorge um Arbeitsplätze

Ganderkesee. Die US-amerikanische Konzernmutter des Baumaschinen-Herstellers Atlas-Terex will die Niederlassungen Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta verkaufen. Käufer ist Fil Filipov, der den Baggerbauern in den ersten Terex-Jahren nach 2001 einen harten Sparkurs verordnet hatte.
13.03.2010, 06:32
Lesedauer: 4 Min
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Baggerbauer in Sorge um Arbeitsplätze
Von Bernhard Komesker

Ganderkesee. Auch am Tag eins nach Bekanntgabe des Werksverkaufs herrschte gestern bei Atlas-Terex in Ganderkesee sorgenvolle Sprachlosigkeit. Wie berichtet, will sich die US-amerikanische Konzernmutter des Baumaschinen-Herstellers von den Niederlassungen Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta trennen. Der Käufer ist ein alter Bekannter: Fil Filipov, der den Baggerbauern in den ersten Terex-Jahren nach 2001 einen harten Sparkurs verordnet hatte.

Daher sei die Stimmung in den Reihen der Belegschaft auch 'nicht gerade gut', sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Horst Finger gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. 'Wir wissen im Moment auch nicht mehr als die Geschäftsführung.' Die Firmenleitung hatte die Arbeitnehmer-Vertreter am Donnerstag über den Verkauf der drei Atlas-Werke informiert: um 11.30 Uhr in Ganderkesee, wo gut 300 Beschäftigte arbeiten, um 13 Uhr in Delmenhorst, wo 180 Arbeitnehmer betroffen sind, und um 15 Uhr in Vechta, wo der Eigentümer-Wechsel knapp 200 Mitarbeiter betrifft.

Skeptiker hatten es im Vorjahr geahnt, als sich der Terex-Vorstandsvorsitzende Ronald DeFeo mit Blick auf die Absatzkrise bei den Baufahrzeugen mit den Worten zitieren ließ: 'Wenn es einen gibt, der es besser machen kann als wir, dann soll er es doch machen.' Erst zum Jahreswechsel hatte der Baumaschinenhersteller mit Sitz in Westport (Connecticut) dann auch noch angekündigt, die Bergbau-Sparte werde für umgerechnet 950 Millionen-Euro an den Konkurrenten Bucyrus veräußert.

Die Börse reagierte darauf ebenso mit Kursgewinnen wie jetzt auch in abgeschwächter Form auf die Bagger-Transaktion, die bis zum Sommer abgewickelt werden soll und von der neben den drei norddeutschen Terex-Standorten der England-Vertrieb mit Sitz in Bradford betroffen ist.

Dass außerdem der Generalmanager für Großbagger, Achim Alles, im Januar nach 15 Monaten ankündigt hatte, die Ganderkeseer Werksleitung ab Juni 2010 für einen besseren Job aufgeben zu wollen, ließ schon damals weitere Gerüchte ins Kraut schießen. Und die anhaltende Kurzarbeit tat ein Übriges.

Kurzarbeit ausgesetzt

Dabei gab und gibt es immer wieder auch leise Hoffnungsschimmer, wie Horst Finger auf Nachfrage darlegt. So sei beispielsweise die Kurzarbeit in der direkten Produktion für diesen Monat ausgesetzt worden; bei anziehender Konjunktur könnte sich das auch im April fortsetzen.

Und dass die neuen Eigentümer der bis dato völlig unbekannten Investoren GmbH 'Blitz 10-7', wie es heißt, das Image der Traditionsmarke Atlas wieder aufpolieren wollen, sei ebenfalls keine schlechte Sache. Wie berichtet, soll eine Atlas Maschinen GmbH die Standorte Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta in die Zukunft führen. Finger: 'Ich habe schon von mehreren Kunden gehört, die es sehr begrüßen würden, wenn das frühere Loge und das Atlas-Orange wieder verwendet würden.'

Der Arbeitnehmer-Vertreter fügte hinzu, für eine Bewertung der Angelegenheit sei es zu früh; ein gutes Gefühl hätten freilich die wenigsten. Der Betriebsrat lasse sich von Juristen und Ökonomen beraten, um einen Fragenkatalog zu erstellen. Dieser soll dann am kommenden Donnerstag dem Konzern-Geschäftsführer Thomas Riordan vorgelegt werden.

Er wird unter anderem die jüngsten Worte DeFeos erläutern müssen. Der geschäftsführende Terex-Vorstand hatte am Donnerstag die Übernahme für gescheitert erklärt: 'Wir sind, aus unterschiedlichen Gründen, nie in der Lage gewesen, die für einen Erfolg erforderlichen Kostenvorteile zu erzielen.'

Trotz Restrukturierung habe der nun zum Verkauf stehende Zweig im Vorjahr unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen einen operativen Verlust von umgerechnet fast 30 Millionen Euro eingefahren. Daher werde, so hatte Terex mitgeteilt, der Verkauf nun auch durch einen Kapitaltransfer unterstützt.

Während Optimisten nun nach dem Guten in der Übernahme suchen - immerhin kommt ein ausgewiesener Branchenkenner -, können sich die Atlas-Beschäftigten noch gut an den Stellenabbau der Terex-Zeit erinnern. Seither hat Fil Filipov, Jahrgang 1946, den Ruf des knallharten Sanierers weg. In seiner Amtszeit und der von Sohn Steve, der noch heute bei Terex ist, baute allein der Ganderkeseer Standort mehr als 100 Arbeitsplätze ab.

Nach seiner Terex-Zeit (1993 bis 2004) war der Exil-Bulgare unter anderem bei einem Münchner Logistikunternehmen sowie bei einem württembergischen Hersteller von Präzisionsbohrern eingestiegen. Sein Geschäftsgebaren ließ Gewerkschafter regelmäßig auf die Barrikaden gehen. Sein Leitspruch laute ,Leiden für Gewinn?, hämte die IG Metall. Filipov hatte in seiner Autobiografie geschrieben: 'Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Unternehmensstrategie liegt in den einfachen Dingen und in harter Arbeit.'

Anlass zur Sorge

Im Rathaus war Verwaltungsvizechef Rainer Lange von der Nachricht am Donnerstag vollkommen überrascht worden. Seine Einschätzung: Wenn in der derzeitigen Wirtschaftslage ein Betrieb verkauft werde, dann falle es generell schwer, dem etwas Positives abzugewinnen: 'Und wenn Herr Filipov in der Übernahme eine Chance sieht, Atlas nach vorne zu bringen, dann ist das wahrscheinlich eher ein Anlass zu Sorge.' So sähen es auch die Atlas-Beschäftigten in seinem Bekanntenkreis. Durch Investitionsentscheidungen oder neue Wege sei der neue Boss der Baggerbauer bislang jedenfalls nicht aufgefallen.

Als Gemeinde werde man freilich kaum Einfluss nehmen können, so Lange. Der Leiter der Finanzabteilung im Rathaus sagt: Wichtiger als die Frage nach Gewerbesteuer-Einnahmen sei jetzt die nach der Arbeitsplatz-Sicherheit. 'Das strahlt in die Gemeinde aus und darüber hinaus.'

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