Partner-Filiale schließt Ende März

Bald keine Post mehr an der Marktstraße

Osterholz-Scharmbeck. Marktstraße 2: So lautet bisher die Adresse für Postdienstleistungen im Herzen der Stadt. Nachdem die Post AG die eigene Geschäftsstelle aufgab, ist dort eine Partner-Filiale. Doch diese wird bald geschlossen.
18.12.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bald keine Post mehr an der Marktstraße
Von Michael Rabba
Bald keine Post mehr an der Marktstraße

Spätestens ab April 2014 ist die Marktstraße 2 keine Adresse für postalische Dienstleistungen mehr. Die Post-Partner-Filiale im Schreibwarengeschäft Kolibri schließt zum 31. März. Die Betreiberin hat den Vertrag gekündigt. Zu viel Arbeit, zu wenig Vergütung ist einer der Gründe.

Peter von Döllen

Osterholz-Scharmbeck. Marktstraße 2: So lautet bisher die Adresse für Postdienstleistungen im Herzen der Stadt. Nachdem die Post AG die eigene Geschäftsstelle aufgab, ist dort eine Partner-Filiale. Doch diese wird bald geschlossen. Die Betreiberin hat den Vertrag zum 31. März gekündigt. Zu Spekulationen, dass eine neue Partner-Filiale am ehemaligen Standort einer Buchhandlung am Marktplatz eröffnet wird, äußert sich die Post nicht. Derweil hat sich auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens über Zustellprobleme beschwert. Die Post-Zentrale hat ihm geantwortet.

Als die Deutsche Post AG 2009 ihre eigene Geschäftsstelle im Eckgebäude an der Marktstraße 2 dichtmachte, blieben das gelbe Schild mit dem Posthorn am und der Briefkasten vor dem Haus erhalten. Denn schon kurz darauf gab es ja wieder ein postalisches Angebot an diesem Standort: Mitte Mai 2009 eröffnete Birgit Reuter vom Schreibwarengeschäft Kolibri dort eine Post-Partner-Filiale. Ihr fünfjähriges Bestehen wird diese Partner-Filiale nicht mehr erleben. Birgit Reuter hat den Vertrag gekündigt, am 31. März ist Schluss. Dann beginnt an der Marktstraße 2 eine Ära ohne Post.

Die Bezeichnung Partner-Filiale spiegele die Realität nicht wieder, sagt Jörn Reuter, der Mann von Birgit Reuter. „Bei der Post sind Sie alles, aber kein Partner.“ Die Post verlange von den Filialbetreibern „ein bestimmtes Leistungspaket, ist aber nicht bereit, dafür zu bezahlen“. Arbeitsaufwand und Vergütung stünden in einem Missverhältnis. Die postalischen Angebote brächten zwar Frequenz, sprich viele Menschen ins Haus, stimmt Jörn Reuter einer Argumentation der Post zu. Aber bislang könne er nicht bestätigen, dass sich das auch spürbar positiv auf den Umsatz des Schreibwarengeschäftes ausgewirkt hätte.

Und noch einen Grund nennt Jörn Reuter für die Vertragskündigung: „Wir sind es leid, als Scheuersack für die Probleme der Post herhalten zu müssen.“ Früher habe es im Monat vielleicht eine Kundenbeschwerde gegeben, heute „sind es an Spitzentagen 20 Beschwerden über Dinge, die wir gar nicht zu vertreten haben“.

Den Platz, den jetzt der Post-Schalter einnimmt, könne Kolibri gut gebrauchen, um breitere Laufgänge zu schaffen und das Sortiment noch besser zu präsentieren, sagt Jörn Reuter. Eine in der Partner-Filiale beschäftigte Teilzeitkraft werde mit der Schließung Ende März nicht mehr weiterbeschäftigt, zwei Mitarbeiterinnen seien von der Post geliehen und gingen wieder zurück, eine Kollegin bleibe im Kolibri-Geschäft, schildert Reuter die personellen Auswirkungen der Filial-Schließung.

Viele Zustell-Abbrüche gehabt

Post-Sprecherin Maike Wintjen bestätigte auf Nachfrage die Vertragskündigung und dass die Post bereits Gespräche mit neuen Interessenten führe. Im nächsten Jahr werde es eine neue Partner-Filiale in der Stadt geben. Zu der Frage, ob diese in den ehemaligen Räumen der Neuen Buchhandlung am Marktplatz 1 eröffnet wird, äußerte sich Wintjen nicht.

Wenn Jörn Reuter von einer massiven Zunahme von Beschwerden über die Post berichtet, bestätigt das die jüngst von zahlreichen Leserinnen und Lesern auf unseren Aufruf hin geschilderten Probleme – insbesondere mit der Zustellung. Solche Probleme hatte auch der hiesige Bundestagsabgeordnete der Linken, Herbert Behrens. In seinem Wahlkreisbüro am Marktplatz seien „auffallend unterschiedliche Mengen an Post“ zugestellt worden, teilt er mit. Behrens schaltete die Beschwerdestelle der Post ein, bekam zunächst eine Antwort mit, wie er es formuliert, „offenkundigen Textbausteinen“ und dann noch ein Schreiben der „Zentrale Politik und Regulierungsmanagement“ der Post AG in Bonn.

In diesem Schreiben vom 27. November, das unserer Zeitung vorliegt, ist von „erheblichen personellen Engpässen“ beim Zustellstützpunkt in Osterholz-Scharmbeck „vor allem Anfang November“ die Rede. „Der ungewöhnlich hohe Krankenstand konnte nicht durch die von uns umgehend ergriffenen personellen und organisatorischen Maßnahmen aufgefangen werden“, betont die Post. Dadurch sei es „unter Beachtung der Regelungen des Arbeitszeitgesetzes sowie unserer Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit bedauerlicherweise zu einer Reihe von Zustellabbrüchen gekommen“, von denen unter anderem auch Behrens’ Wahlkreisbüro sowie dessen Privatadresse betroffen gewesen seien.

Die Zustellerinnen und Zusteller seien gehalten, „im Falle eines Abbruchs die Zustellung am nächsten Werktag von der Stelle aus zu beginnen, an welcher am Vortag der Abbruch erfolgte“, erläutert die Post in dem Brief. „Somit soll sichergestellt werden, dass die betroffenen Kunden zumindest am nächsten Werktag die für sie bestimmten Sendungen erhalten.“ Die personelle Lage im örtlichen Zustellstützpunkt „ist zwar immer noch angespannt, wir konnten die Zahl der Abbrüche jedoch mittlerweile deutlich reduzieren und gehen von einer baldigen Normalisierung der Situation aus“, so die Post-Zentrale.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+