Radler des "CaFée mit Herz" machen in Verden Station / Mit dem Rad vom Bodensee an die Elbe nach Hamburg Bald wieder sicher im Hafen

Verden. "Ich dachte, ich sterbe." Mit diesen Worten beschreibt Fred, wie sein Training für die Tour "Von Wasser zu Wasser" begonnen hat. Fred ist zusammen mit anderen Arbeitslosen und Obdachlosen per Rad unterwegs vom Bodensee in seine Heimatstadt Hamburg. Auch in Verden machten sie Halt. Organisiert hat die Tour der Verein "CaFée mit Herz". Geschäftsführerin Margot Glunz: "Die Radler wollen mit ihrer Aktion ,Armut und Obdachlosigkeit fließt durchs ganze Land' auf die sozialen Missstände aufmerksam machen und zeigen: "Wir können auch was."
19.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von stephan holste

Verden. "Ich dachte, ich sterbe." Mit diesen Worten beschreibt Fred, wie sein Training für die Tour "Von Wasser zu Wasser" begonnen hat. Fred ist zusammen mit anderen Arbeitslosen und Obdachlosen per Rad unterwegs vom Bodensee in seine Heimatstadt Hamburg. Auch in Verden machten sie Halt. Organisiert hat die Tour der Verein "CaFée mit Herz". Geschäftsführerin Margot Glunz: "Die Radler wollen mit ihrer Aktion ,Armut und Obdachlosigkeit fließt durchs ganze Land' auf die sozialen Missstände aufmerksam machen und zeigen: "Wir können auch was."

"Verden hat uns herzlich aufgenommen. Der Bürgermeister hat mit uns auf Augenhöhe gesprochen - das haben wir sofort bemerkt", berichtet Margot Glunz. Das CaFée mit Herz ist eine Einrichtung, die in der Elbmetropole viele Menschen unterstützt, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden. So seien 37 Prozent der Gäste der Hamburger Institution, die auch "der soziale Hafen" genannt wird, ohne Krankenversicherung und überlebten durch Flaschensammeln. "Leistung und Ausdauer sind keine Kennzeichen, die nur auf Menschen mit regelmäßiger Beschäftigung zutreffen", erklärte die Geschäftsführerin.

Das beweisen die Radler auf ihrer Tour eindrucksvoll. Denn immerhin liegt ein halbes Jahr Training und Vorbereitungszeit hinter ihnen - einer Gruppe von freiwilligen Arbeits- und teilweise Obdachlosen, die sich der Aktion angeschlossen haben. Sie radeln mit ihrem Fahrrad vom 5. bis zum 19. August quer durch Deutschland und legen dabei eine Strecke von 1300 Kilometern zurück. Im Vorfeld seien von der Organisatorin Städte entlang der Route angeschrieben worden - mit der Bitte um eine Übernachtungsmöglichkeit und eine warme Mahlzeit. "Wir haben eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, bis auf Städte wie Rothenburg /Tauber und Buchholz, die uns nicht empfangen wollten", berichtete Margot Glunz.

Die Reiterstadt Verden sei die erste der 14 Städte gewesen, die umgehend auf das Anfrageschreiben der Geschäftsführerin reagiert habe. "Verden hat sofort eingewilligt, die Gruppe zu empfangen. Ein eindeutiges Zeichen der Gastfreundlichkeit dieser Stadt", stellte Glunz fest. Andere Städte hätten sich dagegen viel Zeit gelassen, und die Absprachen seien wesentlich schwieriger gewesen.

Bürgermeister Lutz Brockmann hieß die Hamburger Fahrradgruppe im Bürgertreff am Hoppenkamp herzlich willkommen, nahm sich über zwei Stunden Zeit für einen Dialog mit den Gästen und begleitete sie im Anschluss mit dem Rad zur Schlafstätte. Am Bürgertreff war alles für einen entspannten Abend vorbereitet. Für die Aktiven, die täglich bis zu 130 Kilometer zurücklegen, lag Gegrilltes parat. Übernachtet wurde im Gebäude des Rennvereins, bevor es am nächsten Morgen auf die nächste Etappe gehen sollte.

Ein Plakat in Hamburg machte auf die Tour aufmerksam - eine Chance, die der arbeitslose Fred mit Wohnsitz im Stadtteil Sasel für sich nutzen wollte. Fred: "Für mich ist es der Reiz an der Herausforderung, und außerdem fahr' ich gerne mit dem Rad - in Hamburg brauch' man ja eh nix anderes", sagte der gelernte Werkzeugmacher. Einzig die Wegstrecke von über 1000 Kilometern bereitete dem Mann vor Beginn der Reise Sorgen.

Auf die ersten Trainingskilometer angesprochen meinte Fred: "Anfangs hatte ich Null Kondition. Aber bei der zweiten Trainingseinheit habe ich dann schon 76 Kilometer geschafft - für mich bis dahin unvorstellbar." Täglich tritt der Hanseat mit seinen Teamkameraden seitdem in die Pedalen und lernt Deutschland dabei vom Sattel aus kennen. Der weitere Streckenverlauf führt die Radfahrer entlang des Aller-Radweges. Über Stock und Stein fuhren sie über Bad Fallingbostel und Buchholz zurück in ihre Heimatstadt, in der sie heute ankommen wollen.

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