Hambergen Barrieren an Bahnhöfen im Kreisgebiet für Elektro-Rollstuhlfahrer zu hoch

Hambergen. Die Bahn AG wirbt damit, dass bundesweit gut 70 Prozent ihrer Bahnhöfe barrierefrei sind. Doch im Landkreis Osterholz gibt es keinen einzigen Bahnhof mit barrierefreiem Zugang zu den Zügen.
16.01.2010, 07:00
Lesedauer: 2 Min
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Barrieren an Bahnhöfen im Kreisgebiet für Elektro-Rollstuhlfahrer zu hoch
Von Brigitte Lange

Hambergen. Die Bahn AG wirbt damit, dass bundesweit gut 70 Prozent ihrer Bahnhöfe barrierefrei sind. Der elfjährige Fabian Rüdebusch merkt davon nichts. Der Schüler aus der Samtgemeinde besucht seit dem Sommer die KGS in Hambergen. Er ist von Geburt an behindert und meistert den Alltag mit dem Elektro-Rollstuhl. Das gut 150 Kilo schwere Vehikel schenkt ihm eine gewisse Unabhängigkeit. Doch diese Selbstständigkeit endet an den Bahnhöfen im Landkreis Osterholz. Mit dem Elektro-Rolli kommt er dort in keinen Zug - und kann nicht an den Ausflügen seiner Klasse teilnehmen.

'So lange Fabian in die Grundschule ging, hieß es in solchen Fällen, seine Mutter fährt ihn', erzählt Birgit Rüdebusch. Aber je älter ihr Sohn werde, desto wichtiger sei es, dass er selbstständig wird, findet sie. Sie möchte ihn nicht überall hin begleiten und ihn im mechanischen Rollstuhl schieben. Sie möchte verhindern, dass seine Klassenkameraden sagen, Fabian habe ja immer seine Mutter dabei. Sie möchte, dass er ohne sie auf Klassenfahrt gehen kann - auch wenn diese mit der Bahn angetreten wird. Ihrem Wissen nach sind allein die Bahnsteige das Problem. Waggons mit elektrischen Rampen würden auf Anfrage von der Bahn an die Züge angehängt. Aber weder in Osterholz-Scharmbeck noch in Oldenbüttel oder Lübberstedt sind die Steige barrierefrei zu erreichen. Das müsse sich ändern, plädiert Birgit Rüdebusch: 'Dass ist ein wichtiges Thema, dass nicht nur meinen Sohn betrifft.'

'Wir bemühen uns, unseren Fahrgästen mit Behinderungen eine selbstständige Mobilität zu ermöglichen', versichert Sabine Brunkhorst, Pressesprecherin der Bahn, Regionalbüro Hamburg, der Redaktion. Die Bahn habe dafür eine Mobilitätszentrale eingerichtet. Über sie können Betroffene erfahren, welche Bahnhöfe barrierefrei sind, wo es Fahrstühle zu den Bahnsteigen gibt, wo spezielle Lifte den Einstieg in die Züge ermöglichen und auf welchen Verbindungen die Waggons mit den E-Rampen eingesetzt werden können.

All das hilft Fabian Rüdebusch und anderen Behinderten, die auf einen schweren Elektro-Rollstuhl angewiesen sind, nicht. Tatsächlich gibt es für sie im Landkreis Osterholz keine Möglichkeit von der Straße auf die Schienen zu wechseln. Brunkhorst räumt das nach kurzer Recherche ein. Dazu müssten die Anlagen umgebaut werden. Das mache die Bahn AG auch, allerdings nur im Zusammenhang mit weitergehenden Baumaßnahmen.

Genau die hat die Bahn vor längerer Zeit avisiert. So sollen die Bahnhöfe in Oldenbüttel und Lübberstedt mit Geldern aus dem Sofortmaßnahmenpaket 'Seehafenhinterlandanbindung' umgebaut werden. Die Barrieren werden der Vergangenheit angehören, so die Bahnsprecherin. In 2011 werden die Bauarbeiter voraussichtlich anrücken. Ob Fabian Rüdebusch und andere Elektro-Rollstuhlfahrer davon profitieren, konnte Brunkhorst nicht sagen. Laut Fahrplan halten nämlich nur niedrige Flächenwaggons in Oldenbüttel und Lübbertedt. An sie können die Waggons mit elektrischer Rampe nicht angehängt werden. Diese Waggons gehören zur Doppeldecker-Klasse und halten als Regional-Express-Verbindung im Landkreis nur in der Kreisstadt. Über die technische Ausstattung der Wagen, die ab Dezember 2010 in Oldenbüttel und Lübberstedt halten, konnte Brunkhorst wiederum nichts sagen.

Bleibt noch der Bahnhof in der Kreisstadt: Auch da will die Bahn investieren. Ein Fahrstuhl soll künftig die Barrieren zum Bahnsteig überbrücken. Da dort die Doppeldecker-Züge halten, könnte der Schüler dann tatsächlich dort zusteigen. Bis es so weit ist, müssen er und andere Behinderte sich allerdings gedulden: Vor 2013, so teilt Brunkorst mit, werde der Umbau wohl nicht mehr in Angriff genommen.

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