Mastbetrieb in Bergedorf Bauer Logemann plant Besucherraum

Bergedorf. Die Massentierhaltung steht immer wieder in der Kritik. Auch Landwirt Gerd Logemann weiß um das schlechte Image der Mastbetriebe. Dagegen will er jetzt etwas tun: Er plant einen Besucherraum im Hähnchenstall.
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Bauer Logemann plant Besucherraum
Von Mareike Meyer

Die Massentierhaltung steht immer wieder in der Kritik. Auch Landwirt Gerd Logemann weiß um das schlechte Image der Mastbetriebe. Dagegen will er jetzt etwas tun: Der Landwirt setzt auf die Aufklärung direkt am Ort des Geschehens und plant einen Besucherraum im Hähnchenstall.

Das Oktoberfest ist gerade vorbei. Auch in diesem Jahr wurden wieder tausende Hähnchen von den Besuchern der Bierzelte verspeist. Während der Ruf der Tierschützer nach Abschaffung der Massentierhaltung immer lauter wird, gab es wie in jedem Jahr Kritik an den Preisen für das Geflügel. „Da fragt keiner nach der Aufzucht der Tiere. Das ist ein Widerspruch in der Gesellschaft“, sagt Landwirt Gerd Logemann. Seit 1630 gibt es seinen familienbetriebenen Hof in Bergedorf. Nun steht eine Neustrukturierung ins Haus.

„Wir stellen von Puten- auf Hähnchenmast um. Das ist zum einen wirtschaftlicher und sorgt für 20 Prozent weniger Emissionen“, sagt er. Außerdem werden in der Aufzucht von Hähnchen deutlicher weniger Medikamente eingesetzt. Logemann: „Puten leben etwa 5 Monate, bis sie ein Gewicht von 20 Kilogramm erreicht haben. Hähnchen werden dagegen maximal zwei Kilogramm schwer und leben nur 35 Tage. Dadurch sind sie weniger anfällig für Krankheiten.“

Immer wieder sorgen geplante Mastanlagen für Diskussionen. Zuletzt im September 2012 in Elmeloh. Neben den Bedenken von Anwohnern steht immer wieder die Frage nach einer angemessenen Tierhaltung im Vordergrund. Um darüber aufzuklären, will Logemann einen Besucherraum im neuen Hähnchenstall einrichten. „Es ist ja kein Skandal umsonst. Durch die Sorgen, die uns die verschiedenen Diskussionen bereitet haben, ist uns bewusst geworden, dass wir die Ställe öffnen müssen. Den Leuten zu zeigen, wie die Aufzucht der Tiere funktioniert, hilft mehr, als nur darüber zu reden“, weiß der 63-Jährige.

Neben einer Scheibe, durch die Interessierte einen Blick ins Innere des Stalls werfen können, wird es auch Infomaterial und Aufklärung durch den Landwirt selbst geben. „Es ist wichtig, dass wir auf die Menschen zugehen und ihnen die Gesamtzusammenhänge erklären. Man kann nicht verlangen, dass es keine Massentierhaltung gibt und gleichzeitig wollen, dass die Preise für das produzierte Fleisch sinken“, sagt Logemann.

Momentan leben auf dem gut 20 Hektar großen Hof der Familie etwa 3300 Puten. Nach der Umstellung sollen es dann knapp 25000 Hähnchen sein. Der Mist der Tiere wird in der Biogasanlage des Schwiegersohnes in Strom und Wärme umgewandelt. „Wenn wir den Mist benutzen, muss weniger Mais angebaut werden“, erläutert Logemann, „das wird ja auch von den Kritikern gewünscht.“

Ab Juli nächsten Jahres soll der Besucherraum für jeden geöffnet sein, der interessiert ist. „Das größte Problem bei der Aufklärung ist die Voreingenommenheit der Menschen. Natürlich gibt es schwarze Schafe, wie wahrscheinlich in jedem Berufsstand, aber ich zumindest kenne keine“, behauptet Logemann. Die Übernahme des Hofes durch seine Tochter und seinen Schwiegersohn gibt ihm die Möglichkeit, Aufklärungsarbeit zu leisten. Eine Aufgabe, die ihm am Herzen liegt. „Dann habe ich mehr Zeit und kann den Besuchern erklären, wie ein Mastbetrieb funktioniert, und dass es zum Beispiel viele Auflagen gibt, die man erfüllen muss“, so Logemann. Welche das sind, erklärt er zukünftig gerne im hofeigenen Besucherraum.

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