Aktionstag bei Cordes & Graefe Baugewerbe fährt groß auf

Groß aufgefahren hatte die Firma HTI Cordes & Graefe am Freitag. Erstmals richtete sie einen Aktionstag zum Thema Baugewerbe aus. Schüler konnten sich dabei Fahrzeuge und Technik vor Ort ansehen.
03.05.2019, 18:09
Lesedauer: 3 Min
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Baugewerbe fährt groß auf
Von Alexandra Penth

Stuhr-Seckenhausen. Die Wiese gegenüber der Firma Cordes & Graefe in Seckenhausen gleicht am Freitag einer Großbaustelle. Aus einer Richtung hallt helles Hämmern, eine Baggerschaufel gräbt sich in den Boden, Baken verstellen Wege und dutzende Menschen in grellen Warnwesten bewegen sich über das Gelände. Dort ist aber nicht wirklich etwas im Entstehen. Die Firma HTI Cordes & Graefe hat zum Aktionstag eingeladen, um Schüler und junge Menschen auf Jobsuche für das Baugewerbe zu begeistern. Das mit Bezug zur Praxis. Die neun Firmen, die sich präsentieren, sind Kunden des Seckenhauser Handelshauses für Tiefbau und Industrietechnik. Darüber hinaus eint sie eines: der Fachkräftemangel.

Eine aktive Werbung, insbesondere für den Bereich Tiefbau, ist dringend nötig, sagt Timo Exner, Assistenz der Geschäftsleitung der HTI Cordes & Graefe, denn: "Aktuell ist die Auftragslage sehr gut." Wasser-, Abwasser- und Gasleitungsnetz müssen instand gehalten werden, hinzu kommt der Glasfaserausbau. "Da haben die Kolonnen schon einen deutlichen Mangel", fasst Exner zusammen. In einem Zelt informieren sich Schüler aus Oberschulen, Berufsschulen und Integrationsklassen in Ruhe über diverse Ausbildungsberufe. Draußen auf dem Gelände führen Profis die Arbeit mit Maschinen und Technik vor. "Oft ist so ein Berufsbild abschreckend. Viele denken, es ist bloß im Graben mit dem Spaten stehen. Dabei geht es um viel mehr", erklärt Timo Exner.

Besonders deutlich wird die Verschmelzung von Mensch und Maschine im Simulator-Container des Bildungs- und Tagungszentrums der Bauwirtschaft aus Bad Zwischenahn. Adelbert-Michael Coman sitzt auf einem Stuhl, neben sich bedient er einen Computer. Auf einem großen Bildschirm ist die fiktive Baustelle zu sehen: ein Ferienhaus direkt am See. Der Lehrwerkmeister erklärt einer Gruppe Schülerinnen der Oberschule Bookholzberg das Szenario: „Stellt euch vor, ihr seid in einem Ferienhaus und habt kein W-Lan, um Fotos auf Instagram zu posten.“ Ein Raunen geht sofort durch den Container. Das Kabel muss also unterirdisch zum Ferienhaus gelegt, der Bohrer unter dem See entlang manövriert werden. Adelbert-Michael Coman zeigt, wie das geht. Auf dem Computer gibt er der Maschine Befehle, damit sie dem ausgerechneten Bohrverlauf treu bleibt. Der Bohrkopf ist dabei mit einer Sonde ausgestattet. Auf einer richtigen Baustelle haben sogenannte Baugeräteführer ein Ortungsgerät zur Verfügung. „Der Beruf ist natürlich auch was für Mädchen. Im ersten Lehrjahr haben wir gerade drei Frauen“, will Adelbert-Michael Coman sein Publikum motivieren. Die 15-jährige Melissa jedenfalls kann sich den Beruf als Baugeräteführerin gut vorstellen. Als erste Wahl schwebt der Schülerin aber eine Ausbildung zur OP-Assistentin vor. „Geschicklichkeit ist meine Stärke“, sagt die Achtklässlerin.

380 Anmeldungen von Schulen aus dem Landkreis Diepholz und darüber hinaus sind für den Aktionstag eingegangen. Die Schüler sind in Zehnergruppen eingeteilt, Scouts führen sie über das Gelände. Die sind selbst Azubis der teilnehmenden Unternehmen, dementsprechend nahe an der Zielgruppe dran. Mathis Hanneg ist einer der Scouts. Der 19-Jährige befindet sich im ersten Lehrjahr der Ausbildung zum Rohrleitungsbauer bei der Firma RTH aus Hoya. Warum er sich für den Beruf entschieden hat? Mathis Hanneg fasst zusammen: „Draußen bei jeder Wetterlage im Dreck spielen.“

Auch David Labahn schwärmt für seinen Beruf. „Wenn ich um die Ecke komme, freuen sich die Leute. Ich bin der Typ, der das schnelle Internet bringt“, erklärt er einer Gruppe junger erwachsener Schüler, die sich dicht an den Stand der Unternehmensgruppe Ludwig Freytag mit Sitz in Oldenburg drängen. Ein Berg Kabel und ein Einblasgerät liegen auf dem Tisch. Labahn, gelernter Tiefbauer mit Zusatzlehrgang zum Glasfaser-Monteur, knapst mit einer Zange ein Stück von der Hülle eines Kabels ab, unter der die feine Glasfaser, kaum dicker als ein Haar, steckt. David Labahn verlegt die schnelles Internet versprechenden Kabel vom Verteiler zum Haus. Fachkräfte wie er sind gesucht auf dem Markt. In seiner Firma gebe es derzeit fünf Glasfaser-Monteure. Vielleicht werden es in Folge des Aktionstags in Seckenhausen ja noch einige mehr.

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