Waldgebiete in Brundorf und Garlstedt Naturschützer warnen vor Abbau

Die Firma Nord-KS will rund 1,2 Millionen Kubikmeter Sand auf einer gut zwölf Hektar großen Waldfläche in Garlstedt und Brundorf abbauen. Umwelt- und Naturschutzverbände sind nicht grundsätzlich dagegen.
04.02.2021, 13:00
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Von Klaus Grunewald

Landkreis Osterholz. Rund 1,2 Millionen Kubikmeter Sand sollen in den nächsten 25 Jahren auf einer gut zwölf Hektar großen Waldfläche in Garlstedt und Brundorf abgebaut werden, die zum Teil unter Landschaftsschutz steht. Dagegen haben Umwelt- und Naturschutzverbände erhebliche Bedenken, wie aus einer gemeinsamen Stellungnahme hervorgeht. Ihrer Meinung nach sind die Auswirkungen des massiven Eingriffs in den Naturhaushalt in den Planungsunterlagen nicht genügend berücksichtigt worden.

Bei dem Vorhaben der Firma Nord-KS handelt es sich um eine Verlängerung der bestehenden Genehmigung sowie um eine Erweiterung des Sandabbaus. Beides, so heißt es in der Stellungnahme der „Koordinationsstelle für Naturschutzfachliche Verbandsbeteiligung (KVN)“ sei erstmalig bereits 2005 beantragt worden. Umso mehr erstaune es, dass die damaligen Bedenken nun erneut nicht berücksichtigt worden seien.

12,3 Hektar große Fläche

Die dem KNV angeschlossenen neun Umwelt- und Naturschutzverbände sprechen sich nicht grundsätzlich gegen einen Sandabbau auf der 12,3 Hektar großen Waldfläche der Gemeinde Schwanewede und der Stadt Osterholz-Scharmbeck aus. Allerdings verlangen sie eine „sachgerechten Darstellung“ des derzeitigen Zustands sowie eine „realistischen Prognose“ der Auswirkungen und der notwendigen Kompensationsmaßnahmen. Das alles sei im vorgelegten Bericht über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nicht ausreichend sichergestellt, heißt es in der KNV-Stellungnahme, der auch die Gemeinde Schwanewede zugestimmt habe, wie Bürgermeisterin Christina Jantz-Hermann auf Anfrage bestätigte.

In dem Schreiben an den Landkreis Osterholz wird davor gewarnt, dass es gut zwei Jahrzehnte lang für Tiere und Pflanzen zu einem Verlust von Waldlebensräumen komme. Im Gegensatz zu der Einschätzung der Sandabbaufirma, so die KNV, liege nämlich sehr wohl eine erhebliche Beeinträchtigung der Arten und Biotope vor. Außerdem würden sich die für ältere Wälder typischen Biozönosen (Gemeinschaft von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen) oft erst Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte nach einer Aufforstung einstellen. Und schließlich könne beim Sandabbau eine Entwässerung der angrenzenden Waldflächen nicht ausgeschlossen werden.

Unterschiedliche Einschätzungen

Wenig Verständnis haben die Umweltverbände denn auch für den Plan, den Waldboden bis zu einem Meter über dem Grundwasser auszubaggern. Das sei unter Vorsorgegesichtspunkten grundsätzlich problematisch. Und die Einschätzung der Firma Nord-KS, die Auswirkungen des Sandabbaus auf das Grundwasser seien „eher positiv“, entbehre fachlichem Hintergrund. Denn beim Sandabbau bis zu einer Tiefe von 16 Metern könnten Schadstoffe ins Grundwasser eindringen. Das lasse sich auch nicht durch die Aufforstung eines Mischwaldes kompensieren.

Hinsichtlich der notwendigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen kommt die KNV zu einer anderen Beurteilung als Nord-KS. Während die Sandabbau-Firma keine Kompensationsmaßnahmen für höherwertige Biotope für erforderlich hält, bezeichnet die KNV das als falsch. In dem vom Sandabbau betroffenen Gebiet seien nicht gefährdete und streng geschützte Arten in den vergangenen Jahren nachgewiesen worden. Fazit der KNV: Eine Wiederherstellung beziehungsweise Neuschaffung der Lebensraumqualität der zerstörten älteren Waldbestände sei mittelfristig (15 bis 25 Jahre) nicht möglich; zudem werde der durch Bodenabbau bedingte erhebliche Verlust wesentlicher Puffer- und Filterfunktionen des Bodens nicht gleichwertig wieder hergestellt.

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