Geschäftsbericht: Tanzhafen Begeisterung für Bewegung

Der Tanzhafen ist ein Beispiel für junge Unternehmen, die ihre Nische finden. Nach drei Jahren gehören dem Team bereits sieben Personen an und 140 Mitglieder nehmen an den Kursen teil.
03.09.2018, 15:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniela Schilling

Vegesack. Hip-Hop, Breakdance und Ballett, Körperarbeit, Karate und Selbstverteidigung: So sieht der aktuelle Kursplan des Tanzhafens in Vegesack aus. Möchte man das Angebot der Tanzschule in der alten Hafenstraße komprimierter zusammenfassen, lautet es „Tanz und Bewegung für alle Altersstufen und Leistungslevel“.

Dahinter verbirgt sich jedoch noch viel mehr, denn in den drei Jahren ihres Bestehens ist der Tanzhafen zu einem Ort der Begegnung und der persönlichen Entwicklung geworden. Das betrifft nicht nur die Schüler, die in den zahlreichen Kursen ihre Grenzen testen, neue Fähigkeiten entwickeln und Talente ausbauen können. Auch die Inhaber haben seit Eröffnung ihres Studios viel über sich und ihr Geschäft gelernt.

Im Juli 2015 übernahmen Ute Mai und Matthias Radtke das Tanzstudio Anne Wegner, das über Jahrzehnte eine feste Größe in der Bremen Norder Tanzlandschaft darstellte. Dessen Schwerpunkte Ballett und Karate motivierte die Tanz-, Gymnastik- und Bewegungspädagogen dazu, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Beide hatten sich während ihrer Ausbildung kennengelernt und schnell festgestellt, dass sie nicht nur auf freundschaftlicher Ebene harmonieren – auch ihre geschäftlichen Ideen zeigten Parallelen.

Relativ schnell nach der Eröffnung ihres Tanzhafens stellten die Jungunternehmer jedoch fest, dass Vorstellung und Realität auseinanderdriften. So waren sie davon ausgegangen, dass sie die laufenden Karate- und Ballettgruppen übernehmen können und dadurch mit einer stabilen Mitgliederbasis starten. Die Karateka des ehemaligen Tanzstudios wechselten jedoch gemeinsam mit ihrem Trainer fast vollständig zu einer anderen Schule. Und auch in den Ballettkursen wanderten Mitglieder ab.

Zeitgleich kamen jedoch neue Tanzwillige hinzu, nicht zuletzt aufgrund des Kursangebots, das es in dieser Form in Vegesack und Umgebung sonst nicht gibt. „Wir sind mit 40 Mitgliedern gestartet, heute sind es 140“, sagt Matthias Radtke. Nach drei Jahren schreibe man schwarze Zahlen, auch wenn es noch einiges an Investitionen gäbe, die abgetragen werden müssten.

Dass die Tanzschule erfolgreich ist, liegt vor allem daran, dass Mai und Radtke gelernt haben, auf die Bedürfnisse ihrer Schüler zu hören und eigene Erwartung anzupassen. „Wir wollten, dass unsere Begeisterung für das Interdisziplinäre überschwappt, und hatten damit gerechnet, dass einzelne Teilnehmer mehrere Kurse die Woche besuchen“, beschreibt Matthias Radtke. Es habe sich aber bald gezeigt, dass das nicht klappt. „Dafür sind die Tage der Kinder und Jugendlichen einfach zu vollgepackt mit Schule und anderen Aktivitäten“.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Tanzhafens sind die Einsteigerkurse im Bereich Ballett und Körperarbeit für die Altersgruppe über 50. Insgesamt drei gibt es davon inzwischen, wobei sich einer zu einem sogenannten Mütterkurs entwickelt hat. Dort trainieren Frauen im Alter zwischen 30 bis 45 Jahren. „Dabei handelt es sich zumeist um Mütter von bei uns tanzenden Kindern. Diese haben ehrgeizigere Ziele, beispielsweise Spitze zu tanzen. Sie fühlten sich in dem Ü-50-Kurs nicht genug herausgefordert“, erklärt Ute Mai die Zielrichtung der Gruppe.

Eine weitere Besonderheit sind die Hip-Hop-Competition-Crews deren Schüler auf Wettkämpfen antreten und regelmäßig vordere Plätze belegen. „Das Ganze ist eine Art großes tanzpädagogisches Projekt“, erklärt Matthias Radtke. „Die Tänzer organisieren sich selbst, erarbeiten eigene Choeografien und trainieren miteinander. Ich bin eigentlich nur da, um sie zu betreuen und Hilfestellung zu geben“. Generell seien Turniere und geplante Auftritte ein gutes Mittel, um zu motivieren. „Zielsetzungen sind wichtig, in allen Kursen“.

Als sehr familiär und wohltuend beschreiben die beiden Tanzpädagogen die Stimmung im Tanzhafen. Der entspannte Umgang miteinander sei zwar nicht jedermanns Sache, auch nicht, dass es nach außen hin oft den Anschein habe, dass es in den Kursen chaotisch zuginge. Man habe aber gelernt, damit entspannt umzugehen. „Wichtig ist, dass am Ende im künstlerischen Sinne etwas passiert ist“, so Radtke. Sie hätten außerdem gelernt, Kritik nicht mehr so sehr an sich heranzulassen oder persönlich zu nehmen. Dies gehörte ebenso zu ihrem Lernprozess, wie die Einsicht, dass man auch delegieren und mit spontanen Veränderungen umgehen müsse. „Wir mussten in unseren Rollen als Chefs und in die Aufgaben des Managements erst hineinwachsen“. Auch habe man seinen Platz auf dem Markt finden müssen. „Wer sind wir und was machen wir eigentlich?“, sei dabei die zentrale Frage gewesen.

Dass dieser Prozess erfolgreich gemeistert wurde, zeigt sich unter anderem daran, dass nach drei Jahren voller beruflicher und privaten Turbulenzen langsam alles in geregelten Bahnen verläuft. Neben dem stetigen Mitgliederwachstum ist auch die Zahl der Mitarbeiter angestiegen. So sind zurzeit vier Honorarkräfte und eine Angestellte im Unternehmen beschäftigt. Außerdem werden für die Vormittage Interessenten gesucht, die Kurse im Bereich Körperarbeit, Gesundheit oder Gymnastik geben möchten und sich dafür in die Räume einmieten wollen.

Darüber hinaus denken die beiden Unternehmer über eine Vergrößerung nach. Vor Kurzem wurden ihnen die Räume neben der Tanzschule zur Miete angeboten. Dies wäre eine Möglichkeit, die Kampfsportabteilung des Tanzhafens zu erweitern. „Wir diskutieren darüber zurzeit und loten das Für und Wieder dieser Chance aus“, erklärt Ute Mai. Diese Diskussionen gehörten zu ihrem unternehmerischen Miteinander fest dazu, denn am Ende würde sich trotz unterschiedlicher Ansichten stets zeigen, dass sie immer an einem Strang ziehen.

Info

Zur Sache

Das Unternehmen

Der Tanzhafen Bremen ist in der Alten Hafenstraße 58 ansässig und unter 04 21/65 11 66 zu erreichen. Die Internetadresse lautet: tanzhafen-bremen.de. Die Betriebsübernahme des früheren Tanzstudios an dieser Stelle erfolgte zum 1. Juli 2015. Das Team besteht zusammen mit den beiden Inhabern aus sieben Personen. Der Tanzhafen hat nach eigenen Angaben zurzeit 140 Mitglieder.

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