Fahrräder im Fernverkehr Beschränkte Mitnahme von Fahrrädern

Bahn will bis 2025 zwei Drittel ihrer Fernflotte mit Stellplätzen ausrüsten. Die Grünen halten das Angebot für viel zu gering: Bei einem besseren Angebot würde auch die Nachfrage ansteigen.
05.10.2021, 05:00
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Beschränkte Mitnahme von Fahrrädern
Von Peter Mlodoch

Reisende aus Niedersachsen und Bremen, die ihr Fahrrad in Fernzügen mitnehmen wollen, brauchen viel Zeit und Geduld. Insgesamt stehen auf allen Fernverbindungen maximal reservierungspflichtige 220 Abstellplätze zur Verfügung – allerdings auch nur zu bestimmten Tageszeiten. Das ergibt sich aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf Anfrage des Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler (Grüne) aus Hannover. Durch die „laufende Flottenmodernisierung und die Angebotsausweitung im Kontext des Deutschlandtakts“ werde die Bahn AG ihre Bike-Kapazitäten ausbauen, kündigt das Ministerium an. „Die Fernverkehrsflotte wird bis zum Jahr 2025 damit zu rund 65 Prozent über Fahrradstellplätze verfügen“, heißt es in der Antwort, die dem WESER-KURIER vorliegt.

Schon heute sei in allen Intercity-Zügen die Fahrradmitnahme auf bis zu 32 Stellplätzen möglich. Auf der zweistündlichen Verbindung Hannover-Norddeich über Verden, Bremen und Delmenhorst kämen IC-2 mit jeweils neun Plätzen zum Einsatz, schreibt das Ministerium. Mit dem Ersatz der Expresszüge ICE 1 und ICE 2 ohne Fahrradplätze durch die moderneren ICE 4 mit ihren acht Stellplätzen würden auch im schnellen Fernverkehr die Mitnahmemöglichkeiten schrittweise erweitert. Laut Antwort sind im aktuellen Fahrplan auf der Achse Hamburg-Frankfurt mit Halten in Hannover und Göttingen täglich sechs ICE-4-Zugpaare mit jeweils 16 Radplätzen im Einsatz. Auf der Ost-West-Verbindung Berlin-Ruhrgebiet fahren täglich vier ICE-4-Zugpaare ebenfalls mit 16 Radplätzen.

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Für Parlamentarier Kindler geht das alles nicht weit und schnell genug. „Das Angebot ist viel zu gering. Bahnreisende mit Rad müssen sich in Niedersachsen um sehr wenige Plätze zur Fahrradmitnahme streiten“, kritisiert der Abgeordnete. „Wer nicht früh genug reserviert, der kann sein Rad nicht mitnehmen.“ Gerade in den Ferienzeiten und aufgrund des boomenden Radtourismus müsse die Bahn die Kapazitäten zur Fahrradmitnahme in den Fernzügen deutlich aufstocken. Acht Plätze wie auf vielen Relationen in Niedersachsen reichten gerade mal für zwei Familien. „Bei einem besseren Angebot an Stellplätzen würde auch die Nachfrage und die Auslastung anziehen. Die Fahrradmitnahme muss unkompliziert und verlässlich sein“, fordert Kindler.

Wie beschwerlich das Reisen werden kann, zeigt das Beispiel Verden: Ohne Radmitnahme kann man es bis München derzeit mit einmaligem Umsteigen in unter sechs Stunden schaffen. Mit Rad müssen Bahnfahrer tagsüber zwischen sechseinhalb und fast neun Stunden einkalkulieren. Nur in den Morgen- und Abendstunden geht es schneller. Das Ticket fürs Rad kostet acht Euro, mit Bahncard sind es 5,40 Euro.

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