Kirchlintler Kinder spielen die Geschichte vom „Dicken fetten Pannkoken“ / Sprach-Projekt seit zehn Jahren „Besser Plattdeutsch als Englisch“

Die plattdeutsche Sprache verschwindet im Norden immer mehr. Junge Menschen sprechen sie kaum noch. Die Kindertagesstätte in Kirchlinteln jedoch hat ein plattdeutsches Fest organisiert und allen Kindern die Sprache näher gebracht. Am vergangenen Freitag konnten Eltern und Großeltern sich das Ergebnis angucken.
17.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jenifer Wohlers

Die plattdeutsche Sprache verschwindet im Norden immer mehr. Junge Menschen sprechen sie kaum noch. Die Kindertagesstätte in Kirchlinteln jedoch hat ein plattdeutsches Fest organisiert und allen Kindern die Sprache näher gebracht. Am vergangenen Freitag konnten Eltern und Großeltern sich das Ergebnis angucken.

Mit kleinen Schritten kommen die Kinder auf die Bühne. Die Augen sind auf das Publikum gerichtet, in dem Mama, Papa und auch Oma und Opa sitzen. Stolz winken die Kleinen ihren Eltern zu, bevor Heike Harbort das Wort ergreift und das Theaterstück eingeläutet wird. Das Besondere an diesem Kindergartenauftritt ist nicht nur die Geschichte, die sie aufführen, sondern vor allem die Sprache, in der die Kinder sprechen: Plattdeutsch. In der Kindertagesstätte (Kiga) Ünnern Hollerbusch ist die norddeutsche Sprache wieder zum Leben erwacht. Hier sprechen nicht nur die Erzieher Plattdeutsch, sondern auch die Kinder.

Vier Wochen lang hat sich die gesamte Kindertagesstätte auf das plattdeutsche Fest vorbereitet. Die Kinder konnten selbst entscheiden, wobei sie mitwirken wollten. Egal ob Bühnenbauer, Kinderchor oder Schauspieler: Für jedes Kind gab es etwas zu tun. Gespielt wurde das Stück „De dicke fette Pannkoken“. Der Pannkoken, auf hochdeutsch „Pfannkuchen“, wurde von Greta gespielt, die während des Stücks stolz zu ihren Eltern sah. Mit dem Mikrofon in der Hand sagte sie: „Ick bün dree ole Wiever utknepen, un sull di, Haas Wippsteert, nich utkniepen?“, was so viel heißt wie: „Ich bin den drei alten Frauen weg gelaufen und jetzt soll ich dir, Hase, nicht davon laufen?“

Lieder auf Plattdeutsch

Der Pfannkuchen traf auf seiner Reise auf viele Tiere. So wollten ihn die zwei Hasen Lena und Luis, aber auch die Wölfe Maja und Fabian gerne essen. Zu allen Tieren sagte der Pfannkuchen jedoch: nein. Erst als die zwei Kinder, gespielt von Tim und Mika, auf den Pannkoken trafen, sprang dieser in den Korb und ließ sich von den heimatlosen Kleinen aufessen.

Das Theaterstück sorgte für gute Laune und stolze Eltern und Kinder. Doch nicht nur das Stück vom dicken fetten Pannkoken war auf Plattdeutsch. Auch der Kinderchor sang seine Lieder alle in dieser Sprache. Und auch die Erwachsenen ließen es sich nicht nehmen, ihre plattdeutschen Kenntnisse zum Besten zu geben. „So sehen die Kinder, dass diese Sprache auch von den Großen gesprochen wird“, sagt die Leiterin der Kindertagesstätte Heike Harbort.

„Seit etwa zehn Jahren wird in einer unserer Gruppen nur Plattdeutsch mit den Kindern gesprochen. Durch unser plattdeutsches Fest wollen wir den Eltern zeigen, wie wichtig diese Sprache ist“, so die Erzieherin. Für sie sei es von besonderer Bedeutung, eine Sprache zu lehren, die die Kinder auch zu Hause hören können. „Ich finde es unsinnig, bereits in solch jungem Alter Englisch zu lernen, wenn die Kinder dazu keinen Bezug haben. Plattdeutsch hingegen ist noch in einigen Häusern aktuell und die Kinder hören es bei Oma und Opa“, sagt Harbort. Das Projekt liege ihr sehr am Herzen. Aber was sie vor allem fasziniere hat, sei der Einsatz der Kinder. Neben den Proben für das Theaterstück, den Chor und dem Aufbau der Bühne gestalteten die Kinder auch noch Postkarten mit plattdeutschen Sprüchen drauf.

Zwar sei es am Anfang etwas schwierig für die Kleinen gewesen, die neue Sprache zu verstehen und vor allem selbst zu sprechen, doch sie hätten sich so auf das Projekt konzentriert, dass sie schnell Freude daran gefunden hätten. „Es ist unglaublich zu beobachten, mit wie viel Eifer die Kinder dabei sind“, so Harbort. Doch nicht nur die Kinder hat das Plattdeutschfieber erwischt. Auch die Eltern finden die Idee der Kindertagesstätte toll. „Das Feedback, das wir bekommen, ist sehr positiv. Einige neue Mütter und Väter kamen sogar auf mich zu und wollten, dass ihr Kind speziell in die Gruppe kommt, in der nur Plattdeutsch gesprochen wird“, sagt Harbort. Sie möchte mit diesem Projekt ein Zeichen setzen. Plattdeutsch sei wichtig für den Norden und dürfe nicht verloren gehen. „Ich denke, dass es in den Schulen weitergeführt werden sollte“, sagt sie. Ihr nächstes Ziel ist es, dass in allen Kindergartengruppen Plattdeutsch gesprochen wird.

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