Denkmalpflege Beständig, aber nicht unverwüstlich

Zum Volkstrauertag wird der Toten und Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Orte der Erinnerung sind dabei die zahlreichen Kriegerdenkmäler. Steinmetz Dietmar Franz hat sie dafür herausgeputzt.
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Von Sarah Essing

Syke/Weyhe. „Was man an jeder Hauswand findet, findet man auch auf jedem Denkmal.“ Grünspan, Moos, Flechten oder schlichtweg Dreck. Dietmar Franz hat schon so einiges auf Steinen gesehen. Der Steinmetz aus Syke befreit Steine aber auch wieder davon. In Syke und Weyhe war er jetzt unterwegs, um die Kriegerdenkmäler zu säubern. Pünktlich zum Volkstrauertag am Sonntag, 17. November, an dem nicht nur in Syke und Weyhe den Toten und Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht wird, sollten sie wieder in voller Pracht erstrahlen.

Vielerorts werden dazu Kränze mit Blumen an den Denkmälern niedergelegt. „Da rate ich immer dazu, diese mit rostfreiem Draht binden zu lassen“, sagt der Fachmann. Schließlich bleiben die Kränze ein Weilchen liegen und dann kann es zu Rostflecken kommen. Mit denen hat der Steinmetz so seine Erfahrungen. Wie auch beim Denkmal in Lahausen, das er erst diese Woche gereinigt hat. Dort haben die Halterungen, mit der die Gedenktafel angebracht wurde, Rost angesetzt. „Die Rostflecken kann man entfernen“, weiß der Fachmann. „Doch das ist nur oberflächlich. Der Rost bleibt drin.“ Dass es überhaupt zu Rostbildung kommen kann, liegt am Aufbau der Denkmäler, von denen die meisten nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. „Sie sind oft hohl aufgebaut und wurden mit Bauschutt aufgefüllt“, erläutert der Steinmetz. Durch Risse und Sprünge kann mit der Zeit Feuchtigkeit in diesen Hohlkörper eindringen. „Wenn es dann friert, bricht diese Feuchtigkeit das Denkmal quasi von innen auf.“

Risse in den Steinen und den Fugen sind die Folgen. Dort wiederum wächst nicht nur das Moos üppig. Es nisten sich auch gern Insekten ein, die mit ihrem Treiben zum Verfall beitragen. Langsam allerdings, denn Stein verwittert nicht so schnell wie andere Materialien. Franz blickt auf eine Platte am Lahauser Denkmal. Am unteren rechten Ende hat sich die oberste Schicht gelöst. Er zieht an einem Eckchen. Wie ein Stückchen Haut lässt es sich abpellen. „Das sind Schichten, die sich bei Sandstein lösen“, sagt er. „Das dauert noch 200 bis 300 Jahre, bis die Platte verwittert ist.“

Problematischer sind da schon eher die Samen von Bäumen und anderen Pflanzen, die in den Ritzen und auf dem Moos perfekte Bedingungen für ihr Wachstum finden. „Vor allem Birken wachsen sehr schnell“, sagt Dietmar Franz. Schon so manches Bäumchen im Werden musste er von Denkmälern entfernen. „Ihre Wurzeln sprengen die Steine sonst irgendwann.“

Stein ist zwar witterungsbeständiger als andere Materialien, aber unverwüstlich ist auch er nicht. Beim Reinigen ist daher Vorsicht geboten. „Vor allem bei Denkmälern, die aus Natursteinkombinationen errichtet wurden“, sagt er. Das Denkmal in Lahausen mit seiner Schale aus zusammen geschichteten Rundlingen ist ein gutes Beispiel dafür. Da findet sich Granit neben Sandstein neben Quarz. „Granit lässt sich zum Beispiel nur mit Salzsäure richtig sauber kriegen. Die würde den daneben liegenden Sandstein jedoch auflösen“, erläutert er. Aus dem gleichen Grund sind auch andere scharfe Reiniger nicht geeignet. Dietmar Franz nimmt daher meistens den Hochdruckreiniger. „Dabei lässt sich die Stärke einstellen.“ Vorab wird das Denkmal lediglich mit einer einprozentigen Chlorlösung eingesprüht, damit der Dreck, die Flechten und das Moos leichter zu entfernen sind.

Rund zehn Arbeitsstunden dauert es, bis der Steinmetz, der 2002 die Firma Grabowski Stein- und Bildhauerei in Syke übernahm, ein Denkmal von der Größe wie das in Lahausen gereinigt hat. Doch die Reinigung ist nur ein Teil seiner Aufgabe. Noch wichtiger ist die Schadensaufnahme, die er gleichzeitig betreibt. Größere Schäden wie lose Steine, Löcher, fehlende Buchstaben, verblasste Inschriften und herausgebrochene Fugen werden von Dietmar Franz sorgsam dokumentiert. In Absprache mit Angelika Hanel von der Stadt Syke und Hermann Greve, der für Weyhe die Denkmäler betreut, wird dann überlegt, wie und wann welches Denkmal restauriert wird.

„Die Zusammenarbeit hier mit den Behörden, das muss wirklich mal gesagt werden, ist sehr gut“, hebt er hervor. Doch bei der Restaurierung macht er keine Kompromisse. Die muss fachmännisch erfolgen. „Fugen gehören mit Natursteinfugenmörtel neu gezogen“, unterstreicht Hanel und löst Silikonmasse aus dem Denkmal in Lahausen. Dort hat offenbar jemand versucht, eine herausgebrochene Fuge neu zu verschließen. Das sei sicherlich gut gemeint gewesen, sagt Franz, aber: „Mit Silikon wird das nichts.“

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