Geburtsvorbereitung Bestens vorbereitet

Die Geburt eines Kindes ist eine schöne Sache. Damit alles rund läuft, auch wenn die Mutter kein oder kaum Deutsch spricht, bieten Syke und Bassum jetzt einen Geburtsvorbereitungskurs mit Dolmetscherin an.
20.01.2020, 17:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Sarah Essing

Bassum/Syke. Es ist die natürlichste Sache der Welt und gleichzeitig immer wieder ein Abenteuer: Schwangerschaft und Geburt. „Frauen haben dazu viele Fragen“, sagt Hyacinthe Mokom Fomboh. Das gilt natürlich für alle Schwangeren. Doch der Flüchtlingsbeauftragte von Bassum bezieht diese Aussage vor allem auf Frauen, die nicht in Deutschland geboren sind und deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, um sich im deutschen Gesundheitssystem durchfragen zu können. Aus diesem Grund hat er jetzt einen Geburtsvorbereitungskurs für Frauen mit keinen oder geringen Sprachkenntnissen, mit oder ohne Fluchthintergrund ins Leben gerufen, der dabei helfen soll diese Hürden zu meistern.

„Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Stuhr, Nicole Feldmann, und die Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde, Fathma Atenhahn, hatten diese Idee und haben einen derartigen Kurs in Stuhr bereits umgesetzt“, berichtet Mokom Fomboh. Und da auch er bei seiner Arbeit immer wieder auf schwangere Flüchtlingsfrauen traf, die zahlreiche Fragen zum Thema Schwangerschaft und Geburt in Deutschland hatten, ließ er sich dazu inspirieren, einen ähnlichen Kurs in Bassum und Syke anzuregen. Damit stieß er bei der Leiterin des Familienzentrums Bassum, Elsbeth Ruholl, sowie bei den Gleichstellungsbeauftragten der Städte Bassum und Syke, Christine Gaumann und Kathrin Stern, auf offene Ohren. In Nisrin Alalo, die neben Deutsch Arabisch und Kurdisch spricht, fand man eine Übersetzerin, dazu bei Hebamme Andrea Wolff und Ortrud Kaluza von der Schwangeren- und Schwangeren-Konfliktberatung des Diakonischen Werks Hoya-Syke-Diepholz, geballtes Fachwissen für einen derartigen Kurs. „Es sollten Leute dabei sein, die tagtäglich damit zu tun haben“, macht Mokom Fomboh deutlich. Das Konzept aus Stuhr wurde übernommen, auf die Verhältnisse in Syke und Bassum angepasst und wird nun erstmals durchgeführt.

„Der Kurs richtet sich in erster Linie an Frauen, die noch wenig Deutsch sprechen“, sagt Ortrud Kaluza. „Für diejenigen, die sich aus diesem Grund schwer damit tun, zu erfassen, wie das in Deutschland mit dem Kinderkriegen funktioniert.“ Ihr Teil des Kurses wird sich daher mit den organisatorischen Fragen rund um die Geburt befassen: Kliniksuche, Transport, Arzttermine, Mutterpass. Aber auch Fragen für die Zeit nach der Geburt werden geklärt, etwa was für Hilfen beantragt werden können, wo diese Hilfe zu bekommen ist, wie ältere Kinder, die bereits vorhanden sind, in dieser Zeit betreut werden können und auch Familienplanung. „Wir können nicht davon ausgehen, dass alle Frauen so aufgeklärt über die Vorgänge im eigenen Körper werden, wie das hierzulande der Fall ist“, macht sie deutlich.

Als Hebamme obliegt Andrea Wolff alles, was während der Schwangerschaft und der Geburt mit der Mutter passiert. Sie informiert die Teilnehmerinnen etwa über den Geburtsablauf, Wehenatmung, was in die Tasche für das Krankenhaus gehört und das Stillen. Auch das Vorstellen von Vorgängen wie dem Kaiserschnitt oder der Einsatz der Saugglocke werden kurz angerissen. „Einfach, damit das zumindest schon mal gehört wurde, denn während einer Geburt muss schnell entschieden werden und dann ist keine Zeit mehr dafür.“ Zudem werden Körper- und Entspannungsübungen absolviert.

Die Frauen werden dazu in zwei Kleingruppen aufgeteilt für die dann das jeweilige Thema übersetzt wird, ins Arabische und Kurdische sowie ins Französische und Englische. „Durch die Aufteilung muss nicht alles viermal übersetzt werden, sondern nur zweimal“, so Ortrud Kaluza. Das erspare Zeit und verhindere so, dass bei der dritten oder vierten Übersetzung Ermüdungserscheinungen auftreten. Darüber hinaus soll Bildmaterial bei der Vermittlung unterstützen. „Die Frauen sollen durch viel Anschauungsmaterial mitgenommen werden“, unterstreicht Ortrud Kaluza. Denn über die reine Vermittlung praktischer und organisatorischer Kenntnisse hinaus, ist den Organisatoren auch eine emanzipatorische und integrative Wirkung wichtig. „Der Kurs soll den Frauen Sicherheit geben, sich im deutschen Gesundheitssystem zurechtzufinden“, sagt Kathrin Stern. Sie sollen zudem erfahren, an wen sie sich in bestimmten Situationen wenden können, wo sie Hilfe und Unterstützung bekommen können und wie das Leben mit Kindern in Deutschland generell funktioniert. „Das ist eine Chance, die Zugänge leichter zu machen“, ist Ortrud Kaluza überzeugt. Dem kann Hyacinthe Mokom Fomboh nur zustimmen. „Die Frauen besuchen zwar auch einen Deutschkurs, aber der muss durch die Schwangerschaft häufig abgebrochen werden.“ Dieser Geburtsvorbereitungskurs kann diese Lücke schließen, hoffen die Organisatoren.

Darüber hinaus spielt für die Organisatoren aber auch die soziale Komponente eine Rolle. Die Frauen sollen miteinander in Kontakt kommen, sich untereinander austauschen – vielleicht auch über den Kurs hinaus. Denn gerade bei Flüchtlingsfrauen fehlt das soziale Netz, das vor allem während einer Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. „In der Heimat war es vielleicht üblich, dass sich die Frauen in der Familie bei einer Schwangerschaft gegenseitig unterstützten“, weiß Hyacinthe Mokom Fomboh. „Eine Frau konnte sich mit ihren Fragen an die Mutter oder die Großmutter wenden.“ Durch die Flucht seien diese Kontakte aber häufig weggebrochen. „Und ohne Familie ist man dann ganz schnell überfordert.“ Darum wird auch über den Umgang mit den Kindern nach der Geburt gesprochen. „Da ist es mir dann auch wichtig, die Erfahrungen der Frauen, etwa aus ihrer Heimat, mit einzubinden“, sagt Ortrud Kaluza. „Da können wir dann nämlich auch von lernen.“

Der erste Kurs beginnt am Mittwoch, 22. Januar, im Mütter-Kinder-Zentrum in der Mittelstraße 2 in Bassum. Er findet an fünf Terminen jeweils mittwochs von 9 bis 12.30 Uhr statt. Der Kurs ist kostenfrei. Finanziert wird er durch die Städte Syke und Bassum sowie das Land Niedersachsen. Bei Bedarf kann ein Fahrdienst organisiert werden, ebenso wie eine Kinderbetreuung. Lediglich eine Anmeldung ist erforderlich. Sie kann beim Flüchtlingssozialarbeiter Hyacinthe Mokom Fomboh erfolgen. Er ist in Syke unter der Rufnummer 0 42 42 / 16 43 09, in Bassum unter der Rufnummer 0 42 41 / 84 41 sowie unter der Mobilnummer 01 51 / 50 31 27 77 erreichbar. Einige Plätze im Kurs sind noch frei. Anmeldungen werden noch angenommen, auch von Frauen, die nicht in Syke oder Bassum wohnen. Der Flyer mit allen Informationen zum Vorbereitungskurs wurde auch in Englisch, Französisch, Arabisch und Kurdisch übersetzt. Dieser kann im Internet auf der Internetseite der Stadt Bassum unter www.bassum.de sowie auf der Facebookseite der Stadt abgerufen werden.

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