Geschäftsbericht

Bio-Hundefutter: Vom Nischenprodukt zum Trend

Bei Carnes Doggi in Nienhaus gibt es für Hund und Katze biologisch artgerechtes Futter.
04.01.2019, 18:31
Lesedauer: 3 Min
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Bio-Hundefutter: Vom Nischenprodukt zum Trend
Von Micha Bustian
Bio-Hundefutter: Vom Nischenprodukt zum Trend

Simone Bliefernich und ihre Hunde sind überzeugt vom gebarften Fleisch.

Jonas Kako

Kurz hinter dem Bassumer Ortsausgangsschild geht es links ab nach Nienhaus. Bevor das flache Land endgültig beginnt, biegen drei Autos links in eine Hofeinfahrt ein. Große Autos. Zu einer Zeit, in der normale Bundesbürger arbeiten. Kaum schwingt die Fahrertür auf, begrüßt Hund „Bolle“ die Besucher. Bellend und schwanzwedelnd, denn man kennt sich. Die Besucher sind allesamt Hundebesitzer und kaufen hier, auf dem Hof Nienhaus 1, ein. Bei Carnes Doggi.

Viel gibt es hier. Vornehmlich Futter. Ochsenmaul, Rinderpansen, Rinderkopfhaut, Kalbsnasen, Kalbshufe, Schweineohren und gewolften Entenrücken. Lecker. Klar gibt es auch Leinen, Spielzeug und Schüsseln für den vierbeinigen Liebling, aber der Fokus liegt auf der Nahrung. Da hat Junior-Chefin Simone Bliefernich auch Frozen Joghurt für Hunde und Gemüse-Mix-Packungen mit Apfel, Birne und Himbeere oder Steckrüben, Pastinaken und Möhren im Angebot. Aber in erster Linie geht es um Fleisch. Um biologisch artgerechtes rohes Futter. Kurz: Barf.

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Simone Bliefernichs Vater Heinz-Otto kommt aus dem Schlachtgewerbe. Ob seiner Beziehungen wurde er von Hundebesitzern immer wieder nach Pansen gefragt. Den gab es als Rohfleisch frisch gewolft im Folienblock. Gewolft heißt: durch den Fleischwolf gedreht. Heinz-Otto Bliefernich wollte das ändern. Seine Kunden sollten sehen können, dass sie für ihre Hunde Muskelfleisch kaufen. Und sie sollten das Fleisch besser portionieren können. Denn frisch geschnittenes Fleisch einzufrieren bedeutet: Am Ende ist es eine feste Masse. Und da die meisten guten Ideen einfach sind, begann Carnes Doggi, das Fleisch erst einzufrieren und dann zu würfeln.

Erster Anbieter in ganz Deutschland

Als erster Anbieter in ganz Deutschland, wie Simone Bliefernich mitteilt. Seit 17 Jahren agiert Carnes Doggi so. „Damals hatten wir ein Nischenprodukt“, weiß Bliefernich. In dieser Zeit sprang die Bassumer Firma auch auf den Barf-Zug auf – biologisch artgerechtes rohes Futter. Für viele Hundebesitzer eine Wissenschaft. Laut Simone Bliefernich gar nicht so schwierig. 80 Prozent der Hundeernährung besteht aus tierischen, 20 Prozent aus pflanzlichen Erzeugnissen. Der tierische Anteil besteht zur Hälfte aus Muskelfleisch, zu 20 Prozent aus Pansen sowie zu je 15 Prozent aus Innereien und Knochen. Vom pflanzlichen Anteil sind drei Viertel Gemüse und ein Viertel Obst. Oben drauf kommt ein Spritzer Lachsöl – wegen der Omega-3-Fettsäuren.

Die Beratung sei beim Barfen ein „wichtiger Faktor“, meint Simone Bliefernich. Denn: „Viele Tierärzte sind mit dem Barfen nicht glücklich.“ Sicherlich könne der Hundebesitzer dabei auch etwas falsch machen, denn gewisse „Grundregeln sind einzuhalten“. Auch die Industrie mache Stimmung gegen das Barfen. „Ich bin teilweise erschrocken, was beispielsweise in Zeitschriften darüber steht“, staunt die Junior-Chefin. Sie hält das Barfen von Hunden und natürlich auch Katzen für eine „artgerechte Alternative“.

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„Immer mehr Hunde- und Katzenbesitzer barfen inzwischen“, weiß Simone Bliefernich. Entsprechend kam Schwung in die Geschäftsidee. So viel Schwung, dass Carnes Doggi 2012 mit Ulrich Schowe einen Geschäftsführer anstellte. Das Material erhält Carnes Doggi von Schlachthöfen.

Auch Fleisch für Katzen im Angebot

„Dort bleibt so viel Fleisch übrig, das kann alles in einen Hunde- oder Katzennapf“, findet Simone Bliefernich, denn die Bassumer Firma vertreibt auch Fleisch für Katzen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen nun seinen Produkten einen neuen Namen gegeben, damit auch Katzenhalter besser angesprochen werden: Unter „Barfgold“ gibt es nun Fleisch für die beliebten Haustiere. Simpel formuliert würde Carnes Doggi menschliche Essensreste verwerten, „nur optimiert für Fleischfresser“.

Der Hofladen in Nienhaus ist für Familie Bliefernich nur der Ort des Werksverkaufs. Hierher kommen Kunden aus Oldenburg, Verden und Bremen. Um diese langen Anfahrten zu vermeiden, gibt es inzwischen viele Händler für die Produkte von Carnes Doggi. Der erste war Volker Sonnemann aus Syke. Inzwischen sind zahlreiche Händler aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und den Niederlanden dazugekommen. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite www.barfgold.de.

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