Bioabfallvergärungsanlage

Biogasanlage nimmt erste Hürden

Der Weg zum Bau einer kommunalen Biogasanlage in Heilshorn ist abgesteckt. Die Fachausschüsse der Landkreise Verden und Osterholz haben bereits grünes Licht gegeben. In Cuxhaven steht die Entscheidung noch aus.
29.08.2019, 17:31
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Von Bernhard Komesker und Elina Hoepken
Biogasanlage nimmt erste Hürden

Angelieferter Bioabfall aus Osterholz wird zurzeit in Pennigbüttel umgeschlagen und dann nach Sandstedt gebracht. Dort landet auch der Bioabfall aus dem Landkreis Verden.

Christian Kosak

Landkreis Verden/Landkreis Osterholz. Der Vortrag war lang, die Informationen umfangreich. Doch am Ende der Sitzung des Ausschusses für Wasser-, Energie und Abfallwirtschaft des Landkreises Verden am Mittwochabend steht nun ein positives Signal für ein zukunftsweisendes Projekt der Müllverwertung. Wie berichtet, wollen der Landkreis Osterholz, die Stadt Cuxhaven sowie die Landkreise Verden und Cuxhaven gemeinsam eine Vergärungsanlage für den gesammelten Biomüll aus den Privathaushalten der vier Beteiligten errichten. Entstehen soll diese Anlage nach den derzeitigen Plänen im Gewerbepark A 27 in Heilshorn.

Die Ausschussmitglieder haben sich nun mehrheitlich dafür ausgesprochen, das gemeinsame Projekt weiter zu verfolgen und damit in die zweite Projektphase einzutreten. „Insgesamt wurden die Pläne von allen Mitgliedern recht positiv aufgenommen. Schließlich sparen wir damit eine Menge CO2 ein“, sagte der Ausschussvorsitzende Carsten Puvogel (CDU) nach der Sitzung. Laut Landkreis Verden kann mit Einsparung von rund 2000 bis 3000 Megagramm pro Jahr gerechnet werden. „Daher haben wir uns auch mehrheitlich dafür entschieden, dass wir weitermachen und die Planungen vorantreiben wollen“, erklärte Puvogel.

„Ökonomisch und ökologisch sinnvoll“

Und nicht nur in Verden, sondern auch beim Landkreis Osterholz, dem eigentlichen Initiator der interkommunalen Anlage, steht man dem Projekt weiterhin sehr positiv gegenüber. Einstimmig empfahl der Osterholzer Kreistagsausschuss für Abfallwirtschaft jüngst in seiner Sitzung, für das Projekt die Landkreise Verden und Cuxhaven sowie die Stadt Cuxhaven mit ins Boot zu holen. Mit dem dort gesammelten Bio- und Grüngut sei die Biogasproduktion am Standort Heilshorn ökonomisch und ökologisch sinnvoll zu betreiben, sagte Kreisdezernent Werner Schauer.

Die vier Beteiligten wollen noch vor dem Sommer 2020 eine gemeinsame kommunale Anstalt öffentlichen Rechts (gkAöR) gründen; bis dahin können die Politiker die nötigen Rats- und Kreistagsbeschlüsse fassen und die Verwaltungen und Planer das 19-Millionen-Euro-Vorhaben weiter vorantreiben. Noch ist also nichts in trockenen Tüchern – auch im Landkreis Verden nicht. „Zunächst hat jetzt erst einmal der Fachausschuss entschieden. Wir können aber noch nicht sagen, wie der Kreisausschuss und der Kreistag abstimmen werden“, gibt Silke Brünn, Leiterin des Fachdienstes Wasser, Abfall und Naturschutz des Landkreises, zu bedenken. Wenn es auch in diesen Gremien das Okay gibt, laufen voraussichtlich bis zum Ende des ersten Quartals 2020 die nächsten Projektschritte, in denen die Anlage weiter auf Wirtschaftlichkeit und technische Machbarkeit geprüft wird. „Bis dahin könnte bei der Entscheidung noch eine Rolle rückwärts gemacht werden“, sagt Brünn. Voraussetzung sei in jedem Fall, dass alle vier Beteiligten wirklich mitmachen. Eine Entscheidung in Cuxhaven steht derzeit allerdings noch aus.

Doch auch wenn Vertragsunterzeichnung und Baubeginn (voraussichtlich Herbst 2021) damit noch nicht beschlossen sind, gibt es bereits einige Festlegungen, etwa zum technischen Verfahren, das auch eine spätere Ausbaustufe zur Wasserstoffgewinnung ermöglicht. So soll die Anlage das gewonnene Biomethan ins Erdgasnetz einspeisen und vom Erlös ihren Betrieb mitfinanzieren. In einem ersten Anlauf ist der Landkreis Osterholz mit der Akquise von Fördermitteln bereits gescheitert, wie Werner Schauer bekannt gab. Der Bund habe größeren Vorhaben den Vorzug gegeben, er habe aber noch andere Töpfe in Sicht, so Schauer. „Wir sind da guter Dinge, damit das Ganze noch wirtschaftlicher wird.“

Partner auf Augenhöhe

Obwohl die Projektpartner sehr unterschiedliche Abfallmengen zu entsorgen haben, sollen sie in der kommunalen Anstalt auf Augenhöhe mit gleichen Geschäftsanteilen agieren. „Es ist wichtig, dass wir alle Partner auf Augenhöhe sind und mit gleichem Stimmrecht entscheiden können“, sagt Brünn. Der Landkreis Osterholz steuert nach derzeitigem Stand jährlich 11 500 Tonnen Bioabfall bei. Im Cuxland, wo bisher kein Biomüll gesammelt wird, werden 12 700 bis 13 800 Tonnen erwartet; vom Landkreis Verden kommen 4500 und aus der Stadt Cuxhaven 4000 Tonnen. Die Investition indes tragen alle vier zu gleichen Teilen.

Als geeignetste Rechtsform wird derzeit die gkAöR gesehen. Sie biete laut Schauer die meisten Vorteile. Das Kommunen-Quartett will sie mit einer Eigenkapitalquote von 15 Prozent ausstatten; das bedeutet, bis zum voraussichtlichen Betriebsbeginn im zweiten Quartal 2023 hätte jeder Partner 712 514 Euro auf- und einzubringen. Die neue Anstalt soll sich symbolisch auch an dem Betriebszweig der Abfall-Service-Osterholz GmbH (Aso) beteiligen, der die Heilshorner Gärreste zu hochwertigem Kompost aufbereitet. Ohne diesen Ein-Prozent-Kunstgriff müsste die neue Kommunalanstalt die Aufgabe ausschreiben, so jedoch handelt es sich um ein In-house-Geschäft. Die Aso kann dazu ihre ungenutzte Nachrotte in Pennigbüttel reaktivieren und den Kompost an die Biobauern vermarkten; die Aso bekommt ihren Aufwand von der gkAöR erstattet, die den Verkaufserlös einstreicht.

Im Landkreis Verden steht das Thema am 16. September nochmals im Kreisausschuss und anschließend am 28. Oktober dann im Kreistag auf der Agenda. Dort entscheiden die Politiker dann endgültig, ob es mit dem Projekt weitergeht.

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