Kein signifikanter Mitgliederschwund Sportler halten zu ihren Vereinen

Der coronabedingte Mitgliederschwund gestaltet sich für die Turn- und Sportvereine der Region bislang überschaubar. Mit Online-Angeboten für Training und Freizeit wird Kontakt zu den Mitgliedern gehalten.
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Von Undine Mader

Grasberg/Lilienthal/Worpswede. Trainingsstunden per Video-Stream, Online-Vorstandssitzungen, Bastelsets und Backmischungen für die jüngsten Vereinsmitglieder – die Sportvereine der Region versuchen, nach einem kurzen Sommerhoch auch während des zweiten Lockdowns den Kontakt zu ihren Mitgliedern zu halten. Bislang funktioniert das offenbar ganz gut. Der coronabedingte Mitgliederschwund gestaltet sich überschaubar.

In einem gewöhnlichen Sportjahr halten sich in der Turn- und Sportgemeinschaft Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf (TSG WGE) Ein- und Austritte etwa die Waage, sagt der Vorsitzende Mathias Engelken. Jeweils um die 50 an der Zahl. In diesem Jahr stehen bislang 48 Eintritten 73 Austritte gegenüber, was für den Grasberger Verein einen Verlust von 25 Mitgliedern bedeutet. Ziel des Vereins sei es, die Mitglieder trotz Trainingsausfalls zum Sport zu motivieren. Aus dem traditionellen Kinderturntag in der Halle wurde beispielsweise ein Corona-Turnen zu Hause, die Übungen dazu gibt es auf der Internetseite des Vereins. Der Vereinsvorstand tagte im Oktober bereits online und warb bei den Übungsleitern: „Bleibt in Kontakt mit den Mitgliedern.“ Viel mehr könne gerade nicht getan werden, so Engelken. Er tröstet sich wie seine Vorstandskollegen aus den anderen Gemeinden: Es trifft alle Vereine.

Ungenutzter Neubau

Auch den TSV Worpswede. Der Verein hat wie berichtet in diesem Jahr eine neue Halle gebaut, „um das Sportangebot zu erweitern“, so der Vorsitzende Jan Schnakenberg. Noch nicht einmal eingeweiht, steht der neue Gymnastikraum nun genau wie die beiden anderen Sportstätten des auf Breitensport ausgerichteten Vereins verwaist da. Rehasport und Gesundheitssport für Herz und Lunge müssen warten. Alleine gelassen würden die Sportvereine nicht, sagt Schnakenberg, es komme Unterstützung vom Landessportbund und vom Land. Doch auch die Kosten laufen weiter, wie etwa die Hallengebühren. Im ersten Lockdown sei die Gemeinde Worpswede dem Verein dabei „etwas entgegengekommen“, über den neuerlichen Lockdown müsse noch verhandelt werden, so Schnakenberg.

Inwiefern sich die Pandemie auf die Mitgliederzahl des rund 950 Mitglieder zählenden Vereins auswirke, lasse sich erst 2021 sagen, wenn der Jahresbeitrag abgebucht werde. Eines ahnt der Vorsitzende aber schon jetzt: „Es sind nicht mehr geworden.“ Das mache ihn nicht froh, aber verzweifelt sei die Vereinsspitze nun auch nicht. Alles was im Freien möglich war, hatte der TSV während des Sommers nach draußen verlegt. Online biete der Verein derzeit noch nichts an, man denke aber darüber nach.

Die Lilienthaler DLRG-Ortsgruppe gilt seit Anfang November mit 1205 Mitgliedern als Niedersachsens größte Ortsgruppe in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. „Wir haben nicht mehr Austritte durch Corona“, sagt die Vorsitzende Monika Bähr auf Nachfrage. Aber auch bei der DLRG entfällt der bisherige Ausgleich zwischen Ein- und Austritten. Bislang stünden 100 Austritten 40 Neueintritte gegenüber. Der Rest ist für den Verein schnell auf den Punkt gebracht: „Unser Element ist das Wasser und das ist geschlossen“ – geschwommen wurde nur mit einer kurzen Ausnahme und halbierten Gruppen zwischen Sommer- und Herbstferien. Viele Kinder hätten ihre zu Jahresanfang begonnenen Schwimmkurse nicht abschließen können. Einen positiven Nebeneffekt aber hatten die Kleingruppen. Man habe intensiver mit den Kindern arbeiten können, so lernten diese schneller das Schwimmen.

Damit der Kontakt zum Verein erhalten bleibt, hat die Jugend „tolle Arbeit“ geleistet, so Bähr. Sie erstellten Laternenbastelsätze und lieferten sie den Kindern an die Haustür. Ein weiterer Höhepunkt im Vereinsleben der jungen Mitglieder ist das Keksebacken in der Vorweihnachtszeit. Mehlstaub und Zuckerguss wird es in diesem Jahr jedoch nicht in den Vereinsräumen geben, stattdessen Backmischungen in Gläsern für daheim und ein Video mit der Backanleitung.

Treue Leute

Auch der TV Falkenberg kann auf seine Leute zählen, sagt der Vorsitzende Rolf Grotheer: „Unsere Mitglieder sind sehr treu.“ Rund 1900 zählt der Verein nach seinen Angaben aktuell, und durch Corona habe er keine Einbußen verzeichnet. Schon beim ersten Lockdown hatten Übungsleiter Videos ins Internet gestellt, die per Passwort abgerufen werden konnten. Das werde sehr gut angenommen, so Grotheer. Genau wie das Sommertraining im Freien, einige Gruppe hätten sich so wohl damit gefühlt, dass sie das weiterführen wollen. Auch eine Fortsetzung der Trainingsvideos nach der Pandemie sei derzeit im Gespräch.

Coronabedingte Austritte kann der Vorsitzende des TSV Dannenberg für den Verein mit rund 850 Mitgliedern nicht ausmachen. Er sagt: „Vereinsmitglieder kehren ihrem Verein in der Regel nicht so schnell den Rücken, wenn es zu solchen, vom Verein nicht beeinflussbaren Unterbrechungen kommt.“ 53 Austritte gebe es bis Jahresende, das entspräche der alljährlichen Zahl. Neu eingetreten in den TSV Dannenberg sind in diesem Jahr 64 Mitglieder. Gerade im Sommer habe es einen starken Zulauf bei den Fußballern gegeben. Am Ende könnte es beim TSV sogar ein Plus geben.

Neue Angebote zu entwickeln, mache momentan aber nicht viel Sinn, sagt Lange. Auf Übungsanleitungen für Zuhause per Internet setzten die Dannenberger auch, allerdings biete sich das nur in der Turnsparte an. „Fußball, Tischtennis, Volleyball oder Tennis online geht nicht.“ Vorstandssitzungen hingegen schon und der Verein beobachte sehr genau, wie es die Nachbarvereine halten. Lange nennt den TSV trotz Pandemie „gut aufgestellt“. Trotzdem fragt er sich, „ob alle an Deck sind, wenn es wieder losgeht“.

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Zur Sache

Reha-Sport in der Klemme

Auch beim TV Lilienthal fällt die Mitgliederbilanz zum Jahresende nicht so schlecht aus, wie man das angesichts der Corona-Lage vermuten könnte. Rund 1550 Köpfe zählt der Verein derzeit, sagt Geschäftsführerin Sandra Traub – so läuft es bis Ende Dezember auf ein Minus von 50 Mitgliedern hinaus. In ihre Überlegungen muss Traub aber noch die rund 100 Reha-Sportlerinnen und -Sportler einbeziehen. Und die steckten derzeit in der Klemme.

Denn während sich Leistungs- und Breitensportler mit Onlineangeboten oder eigenen Trainingsplänen fit halten könnten, sind die Angehörigen der Reha-Gruppen auf die Angebote des Vereins angewiesen, um gesund zu werden und den Alltag bewältigen zu können: Menschen mit Erkrankungen des Herzens, der Lunge oder des Bewegungsapparats erhalten die Angebote per ärztlicher Verordnung, erklärt Traub.

Zurzeit sei ein Kursusbetrieb nicht möglich, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer benötigten die regelmäßigen Übungen aber, um ihre gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Mit Onlineangeboten kämen einige in dieser Altersgruppe nicht zurecht, sagt die Geschäftsführerin, daher habe man es mit Bewegungskarten versucht, die Übungen zum Nachmachen enthalten und die der Verein per Post verschickt hat. Ein Dauerzustand könne das aber nicht sein. Im Sinne der Betroffenen hofft Traub daher auf eine baldige Öffnung.

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