Aufarbeitung von Missbrauch

Bistum Osnabrück setzt auf externe Experten

Das katholische Bistum Osnabrück setzt bei der Aufarbeitung von Missbrauch auf externe Experten. Durch eine Arbeitsgruppe sollen falsche Rücksichtnahmen oder Abhängigkeiten bei der Aufklärung verhindert werden.
27.02.2019, 22:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Elmar Stephan und Pascal Faltermann
Bistum Osnabrück setzt auf externe Experten

Sprach auf einer Pressekonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche auch über einen Fall in Bremen: Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück.

Kirchner/dpa

Bei der Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt will das katholische Bistum Osnabrück noch stärker als in der Vergangenheit externe Fachleute einbinden. Dadurch sollten falsche Rücksichtnahmen oder Abhängigkeiten bei der Aufklärung verhindert werden, sagte Bischof Franz-Josef Bode am Mittwoch. So soll an einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Sanktionierung von Tätern und Beschuldigten beschäftigt, neben dem Generalvikar auch eine Staatsanwältin, ein ehemaliger Rechtsanwalt, ein Bewährungshelfer sowie ein früherer Personalchef teilnehmen, kündigte Bode an. Dabei rückt ein acht Jahre alter Fall aus dem Emsland in den Fokus, bei dem ein mittlerweile in Bremen wohnhafter Priester wegen des Anschauens von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Die vom Bistum eingesetzte Gruppe sei laut Bode bei dem Vorfall aus dem Jahr 2010 ­bereits tätig geworden. Festgelegt worden sei, was dem Priester, der nun in Bremen lebt und ­derzeit nicht im Gemeindedienst oder in der Seelsorge tätig sei, künftig noch erlaubt sei und was er nicht mehr tun dürfe, sagte ­Bistumspressesprecher Hermann Haarmann auf Nachfrage. Der Fall sei strafrechtlich abgeschlossen, so Haarmann. Es gehe darum, dass ein externes Gremium beurteile, wie mit Tätern oder Beschuldigten umgegangen werde. „Das möchte ich nicht als Bischof ­allein entscheiden“, sagte dazu auch Bischof Bode.

Der verurteilte Priester soll dem Vernehmen nach um die 50 Jahre alt sein. In welchem ­Bereich er nun in Bremen eingesetzt werde, sei noch nicht entschieden. Zu Fällen in ­Bremen selbst habe das Bistum derzeit keine Informationen, was aber nicht bedeute, dass in der Hansestadt nichts passiert sei. Es gebe eine Dunkelziffer, sagte Sprecher Haarmann.

Einschränkungen für weitere Tätigkeit

Insgesamt fünf Arbeitsgruppen sollen sich mit den Themen Prävention, Intervention, Verantwortung mit Betroffenen, der Sanktionierung von Tätern und mit theologischen Grundsatzfragen befassen. Flankiert wird dies von einer kontrollierenden Monitoring-­Gruppe und einer Gruppe, die sich mit „systemischen“, also theologischen Grundsatzfragen beschäftigt.

Papst Franziskus hatte am Sonntag zum Abschluss eines Spitzentreffen im Vatikan zum Thema Missbrauch zwar klare Worte gesprochen sowie konsequentes Durchgreifen gegen Täter und ein Ende der Vertuschung zugesagt. Konkrete Schritte, wie er das in Zukunft erreichen will, nannte er aber nicht.

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Auf gutem Weg sieht Bode sein Bistum bei der Umsetzung einer „Kirche der Beteiligung“, bei der der Klerus Macht und Positionen mit Laien teilt. So hat vor Weihnachten ein nicht geweihter Pastoralreferent die Leitung zweier Kirchengemeinden übernommen ‒ ein Beispiel dafür, dass Priester nicht in einer Leitungsfunktion sind. Auch müssten die Sichtweisen von Frauen eine größere Rolle in der Kirche spielen, sagte der Bischof.

Bode betonte, dass es nicht nur um sexuellen Missbrauch, sondern auch um geistlichen Missbrauch gehe, bei denen Kleriker ihre Machtposition ausgenutzt hätten. „In einer seelsorgerischen Beziehung gibt es auch immer die Versuchung, jemanden abhängig zu machen.“ Diese Dinge seien aber „schwer justiziabel“.

Bischöfe tagen in Lingen

Auch die in anderthalb Wochen startende Frühjahrstagung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen werde sich mit dem Thema Missbrauch befassen und dabei auch theo­logische Systemfragen diskutieren müssen, sagte Bode, der stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz ist. Dazu zählte er neben der Sexualmoral auch Fragen des ­priesterlichen Lebens. Es gebe zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den Missbrauchsfällen, aber doch ein Klima, in dem sich etwas Negatives entwickeln könne, sagte der Bischof.

Dabei müsse auch die Sündentheologie der Kirche auf den Prüfstand. Die Kirche müsse auch homosexuelle Menschen begleiten, die zu einer verantwortungsvollen Beziehung bereit seien. „Kann man das wie jetzt als schwere Sünde ansehen?“, fragte Bode. Er wisse, dass diese Fragen auch in Bischofskonferenzen in anderen europäischen Ländern und in Nordamerika diskutiert würden. Bischofskonferenzen sollten dabei auch ein Signal nach außen setzen und nicht auf Rom warten.

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