Jan-Reiners-Eck mit kurzem Schienenstrang zur Erinnerung an alte Kleinbahnzeiten eingeweiht Bitte hier nicht auf einen Zug warten

Tarmstedt ist um eine Erinnerung an die Zeit reicher, als das Dorf noch ein Eisenbahnknotenpunkt war. An der Ecke Bremer Landstraße/Bauernreihe wurde jetzt das Jan-Reiners-Eck eingeweiht. Bis vor 56 Jahren überquerte hier die Kleinbahn Bremen-Tarmstedt , von Tüschendorf kommend, die Bremer Landstraße.
23.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Kessels

Tarmstedt ist um eine Erinnerung an die Zeit reicher, als das Dorf noch ein Eisenbahnknotenpunkt war. An der Ecke Bremer Landstraße/Bauernreihe wurde jetzt das Jan-Reiners-Eck eingeweiht. Bis vor 56 Jahren überquerte hier die Kleinbahn Bremen-Tarmstedt , von Tüschendorf kommend, die Bremer Landstraße.

Tarmstedt. Ein Tisch mit zwei Bänken, ein Bahnhofsschild, ein Wartehäuschen mit zwei Informationstafeln, dazu einige Findlinge und Blumenkübel – die Rasenfläche an der Ecke Bremer Landstraße/Bauernreihe, bisher eher unscheinbar, sieht jetzt richtig einladend aus. Auf einen Zug in Richtung Bremen sollte man dort allerdings nicht warten, die Schienen enden bereits nach knapp zehn Metern.

Die Gemeinde Tarmstedt hat am Wochenende mit vielen an Bau und Planung Beteiligten ihr "Jan-Reiners-Eck" eingeweiht, ein Projekt, das ursprünglich zur Dorferneuerung gehörte, aber aus dem Maßnahmenkatalog wieder herausgenommen wurde. Deshalb, so Bürgermeister Wolf Vogel jetzt bei der kleinen Feierstunde, hat die Gemeinde Geld in ihren Haushalt eingestellt – 13000 Euro. Benötigt wurden 10500 Euro.

"Die Ecken hier sahen vorher etwas merkwürdig aus", meinte Wolf Vogel. Dann haben sich der Gemeindeingenieur Heiner Rosenbrock – zum Teil in seiner Freizeit, wie Gemeindedirektor Frank Holle lobend erwähnte – und Heidrun Böschen als Vorsitzende des Bauausschusses des Projektes angenommen. Obwohl es nicht mehr aus der Dorferneuerung gefördert wurde, wurde auch deren Arbeitskreis eingeschaltet. Friedrich von Blankenhagen zeichnete die Skizze für die Neugestaltung des Geländes.

Wichtigster Bestandteil ist das Gleis mit der Zugachse, die darauf verschraubt ist. Beides stammt nicht von der Jan-Reiners-Bahn, sondern von der Museumsbahn Bruchhausen-Vilsen, hat aber die richtige Spurweite von 1000 Millimeter Schmalspur.

Bahn fuhr durch Garten

"Früher fuhr Jan Reiners hier an dieser Stelle bei meinen Schwiegereltern vorbei", sagte Wolf Vogel – da hatte er den größten Teil seiner anderthalbstündigen Reise vom Bremer Parkbahnhof auf der Bürgerweide schon hinter sich, musste nur noch einmal, wie schon am Ortseingang, die Bremer Landstraße überqueren, nun allerdings nicht von Ost nach West, sondern von West nach Ost, und in die Bahnhofstraße einbiegen. Dort befand sich der letzte Bahnhof der Strecke, heute beherbergt das Gebäude eine Arzt- und eine Tierarztpraxis. Dahinter ging es aber noch ein paar hundert Meter weiter: Nach zwei Minuten Fahrt erreichte der Kleinbahnzug den Bahnhof Tarmstedt-Ost, wo die Fahrgäste in die Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn (WZTE) umsteigen konnten. Da die WZTE Normalspur hatte, war es nicht möglich, Jan Reiners auf deren Gleisen weiterfahren zu lassen.

Am 29. Juni 1956 fuhr Jan Reiners ein letztes Mal in die Bahnhofstraße ein. Damals war die Strecke schon amputiert: Seit dem 23. Mai 1954 fuhr der Zug nur noch als Triebwagen ab Falkenberg, nicht mehr mit den kleinen, gedrungenen Dampfloks, die sich besonders im Bremer Stadtteil Findorff in der Eickedorfer Straße, wo sie sich an einer Stelle zwischen zwei hohen schmalen Straßenbahnwagen hindurchdrängeln mussten, niedlich bis kurios ausmachten.

Ungefähr, aber nicht genau, zeigt die jetzt am Jan-Reiners-Eck verlegte Schiene die Richtung an, die die Kleinbahn damals fuhr – quer über das Gelände des heutigen Autohauses Warncke. Links der jetzigen Tankstellenanlage stand früher ein Bauernhaus. "Jan Reiners fuhr praktisch durch den Garten des Bauernhauses", sagt Wolf Warncke. Heute steht dort die Werkstatt.

Warncke hat zusammen mit der Tarmstedterin Sandra Henne eine Postkarte herausgegeben, die das Jan-Reiners-Eck zeigt. Eigentlich war das gar nicht geplant, erzählt sie. "Ich wollte eine Postkarte mit der Martin-Luther-Kirche, aber die gab es nirgends." Dann hat sie erfahren, dass Wolf Warncke vor einigen Jahren eine Karte mit Kirchtürmen aus der Region herausgegeben hat, und sich an ihn gewandt.

Daraus ist eine Karte mit fünf Motiven entstanden: In Groß das Jan-Reiners-Eck, fotografiert von Sandra Henne, darunter das Rathaus und die Salemskirche, beide von Friedrich von Blankenhagen aufgenommen, sowie die Martin-Luther-Kirche (Foto: Erich Aßmann) und der Spieker an der Bremer Landstraße, fotografiert von seinem Besitzer Johann Thölken.

"Postkarten erleben eine Renaissance", ist sich Wolf Warncke sicher. "Die Leute wollen wieder von Hand schreiben, nicht immer nur per E-Mail." Wer dazu die neue Tarmstedt-Karte benutzen will, kann sie zum Preis von 50 Cent bei Buch & Papier Winter, bei der Touristinformation im Rathaus und an der Aral-Tankstelle erwerben. Die Auflage beträgt 2500 Stück, nach Warnckes Einschätzung genug.

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