Schießsportanlage Waakhausen Bleigehalt im Boden: Grüne fordern sofortige Schließung

Die Grünen fordern die sofortige Schließung und umfangreiche Sanierung der Schießsportanlage im Worpsweder Ortsteil Waakhausen.
07.01.2019, 17:42
Lesedauer: 3 Min
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Bleigehalt im Boden: Grüne fordern sofortige Schließung
Von Silke Looden

Mit jedem Schuss erhöht sich der Bleigehalt des Bodens auf der Schießsportanlage im Worpsweder Ortsteil Waakhausen. Kein Wunder, denn hier trainieren Jäger und Schützen. Der moorige Untergrund aber ist sauer und zersetzt das Bleischrot rascher als anderswo. Mit jedem Regen löst sich das Büchsengift im Moorwasser und fließt womöglich über die Vorfluter in die Hamme. Ein Umweltskandal, meinen die Grünen im Künstlerdorf, und wenden sich in einem offenen Brief an die Verantwortlichen in Land und Landkreis. Darin fordert die Öko-Partei die sofortige Schließung und eine umfangreiche Sanierung. Der Brief liegt der WÜMME-ZEITUNG vor.

Aktuelle Bilder vom Schießplatz belegen, dass der Wurftaubenschießstand mit bleihaltigen Kugeln übersät ist, teils bereits umspült von saurem Moorwasser. Eigens für die Bergung der Munitionsreste in den Boden eingelassene Folien sind überwuchert, Fangnetze durchlöchert. Die Grünen sprechen von einem „katastrophalen Zustand des Platzes“, der bereits 2006 für viel Geld saniert wurde. Damals hatten die Behörden auf die Sicherheitsvorkehrungen bestanden, um eine Gefahr für das Grundwasser auszuschließen.

Grüne fodern öffentliche Aufarbeitung

In dem Brief fordern die Grünen Landrat Bernd Lütjen sowie Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies und Ministerpräsident Stephan Weil (alle SPD) auf, endlich zu handeln. „Die Fortführung des Betriebs mit jährlich mehr als 12.000 Bleischrotschüssen verschärft die Umweltschädigung und erhöht weiter das Sanierungsproblem der jetzigen Anlagen“, begründen die Grünen und fordern eine öffentliche Aufarbeitung: „Da jahrzehntelang auf Biotopflächen geschossen wurde und diese systematisch mit Wissen der Verwaltung zerstört wurden, ist eine dringende Aufarbeitung notwendig“.

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In einer Pressemitteilung nimmt der Kreisverband von Bündnis 90/ Die Grünen Stellung zu den Vorgängen in Waakhausen. Der Vorsitzende Wolfgang Goltsche kritisiert, dass die Kreisverwaltung den Betrieb einer Schießsportanlage auf einer ausgewiesenen Schutzfläche überhaupt erlaubt. Zudem sei der Betreiber den Anforderungen des Sanierungsgutachtens nicht nachgekommen. Goltsche: „Blei ist bereits in kleinen Dosen extrem gesundheitsschädlich. Für uns Grüne ist es unerträglich, dass massenhaft Blei auf saurem Hochmoorgrund liegt und dadurch Tier- und Pflanzenwelt schädigt.“

In Niedersachsen ist die Verwendung von bleihaltiger Munition seit 2014 in den landeseigenen Forsten verboten. Ein generelles Verbot war bislang am Widerstand der Jägerschaft gescheitert. Bleifreie Munition, argumentieren die Jäger, sei nicht so zielsicher wie bleihaltige Munition. Jäger schießen also nach wie vor mit Blei, damit die Tiere nicht lange leiden. Alternativgeschosse töteten nicht so schnell und damit nicht so tierschutzgerecht, hatte der Präsident der Landesjägerschaft und CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke im Landtag erklärt.

Nabu fordert Verbot bleibhaltiger Munition

Der Naturschutzbund Nabu fordert seit Jahren ein Verbot von bleihaltiger Munition, denn Blei ist inzwischen die Haupttodesursache für Seeadler. Diese vergiften sich, wenn sie Geschossfragmente in den Resten ausgeweideter Wildtiere fressen. Für den Nabu-Landesvorsitzenden Holger Buschmann aber geht es nicht nur um Seeadler, sondern auch um den Menschen am Ende der Nahrungskette: „Schießt ein Jäger mit Bleigeschossen, wird mit dem Schuss hochwertiges Wildfleisch mit für den Menschen giftigen Partikeln kontaminiert.“

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) in Berlin warnt vor Bleirückständen im Wildbret. Diese können vor allem für Kleinkinder gefährlich werden. Eine starke Bleibelastung führe zu irreversiblen Nervenschäden – mit lebenslangen Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten. Bei Erwachsenen seien Nierenschäden oder Bluthochdruck in der Folge eines übermäßigen Verzehrs von Wildfleisch möglich. Das BfR empfiehlt daher, möglichst keine Bleimunition zu verwenden.

Die Biologische Station Osterholz hat die Schießsportanlage in Waakhausen bereits 2006 untersucht und kam zu dem Schluss, dass die geplante Oberflächenabdichtung mit Recyclingmaterial und Trennvlies auf Dauer nicht halten wird. „Je nach Art des Recyclingmaterials neigt dieses nach einiger Zeit zu Verdichtung, sodass die Wasserdurchlässigkeit mittel- bis langfristig nicht uneingeschränkt erhalten bleibt“, so die BioS in ihrer damaligen Stellungnahme und forderte, den kontaminierten Boden in einem Erdkasten zu lagern, da das austretende Wasser mit hoher Wahrscheinlichkeit stark bleihaltig sei.

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