Sanierung im historischen Ortskern hat begonnen / Fertigstellung für April 2012 geplant Bötjersche Scheune auf eigenen Beinen

Worpswede. Lediglich das Fachwerk und der Dachstuhl sind stehen geblieben. Im alten Ortskern Worpswedes, direkt gegenüber dem Rathaus, steht die letzte historische Scheune des Landkreises. Die Stiftung Worpswede hatte die baufällige Scheune erworben, um sie zu restaurieren und für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Jetzt sind für den ersten Bauabschnitt die finanziellen Mittel vorhanden und die Sanierung hat begonnen. Die Arbeiten an der Erhaltung der historischen Gebäudesubstanz sollen voraussichtlich im April nächsten Jahres abgeschlossen sein.
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Von Cornelai Hagenah

Worpswede. Lediglich das Fachwerk und der Dachstuhl sind stehen geblieben. Im alten Ortskern Worpswedes, direkt gegenüber dem Rathaus, steht die letzte historische Scheune des Landkreises. Die Stiftung Worpswede hatte die baufällige Scheune erworben, um sie zu restaurieren und für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Jetzt sind für den ersten Bauabschnitt die finanziellen Mittel vorhanden und die Sanierung hat begonnen. Die Arbeiten an der Erhaltung der historischen Gebäudesubstanz sollen voraussichtlich im April nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Die Handwerker sind seit gut zwei Wochen bei der Arbeit. Zunächst wurden die Dachziegel abgetragen, dann folgte das Gefache, so dass sich den Passanten auf der Straße ein ganz besonderes Bild bietet. Erstmals kann die Dimension dieser großen und besonders hohen Scheune, die einst zum benachbarten Bötjer Hof gehörte und aus dem Jahr 1841 stammt, von Außen eingesehen werden. "Für eine Scheune ist das Dach recht steil und hoch", meint Hartmut Kreikenbaum, der für die Stiftung Worpswede immer wieder auf der Baustelle vor Ort ist und die Sanierungsarbeiten begleitet. Er ist begeistert von der "flexiblen Stabilität", die sei gerade das Spannende an Fachwerkgebäuden. Er verfolgt die Arbeiten akribisch.

Das Dach wurde abgetragen und die Backsteine heraus genommen. Nach dem Entkernen hat sich eine Fachfirma für Fachwerkbauten zunächst um das marode Ständerwerk gekümmert. Der Bau wurde abgestützt und einige Ständer der Scheune bis zum gesunden Holz abgesägt, so dass sie in der Luft zu hängen schien. Das Schwellholz musste fast ringsherum erneuert werden und die Ständer mit neuem Holz angeschuht werden, berichtet Kreikenbaum, der lange als Landschaftsarchitekt und Stadtplaner tätig war. Auch der gemauerte Sockel ist jetzt erneuert und der untere, tragende Teil der Scheunenkonstruktion ist nun "kraftschlüssig verbunden", wie Kreikenbaum erläutert. Zurzeit sind die vier vor Ort tätigen Handwerker dabei, das Rähm, den oberen tragenden Abschluss der Wandkonstruktion, zu erneuern. Dafür haben sie zwei siebzehn Meter lange und 18 mal 36 Zentimeter dicke Balken per Radlader in die Höhe gewuchtet. Während der Radlader in der großzügigen Scheune recht klein wirkt, kann man dem gewaltigen Balken

sein geschätztes Gewicht von rund 500 Kilo deutlich ansehen. Noch sind die Handwerker dabei die Balken an die richtige Stelle zu bringen und sie mit dem Ständerwerk und dem vorhandenen Rähm zu verbinden.

Vergeblich sucht man allerdings nach den drei Ständern. War die Scheune zunächst als letzte Dreiständerscheune des gesamten Landkreises bezeichnet worden, so hat sich die Bezeichnung gewandelt. Kreikenbaum erläutert: "Sie wird heute als ,Durchfahrtsscheune' bezeichnet." Zwar gebe es noch einen außermittigen Ständer, die anderen seien jedoch durch große Träger ersetzt worden.

Der Name Durchfahrtsscheune bezieht sich auf die Funktion. Damals, so der Architekt, seien die Leiterwagen voll beladen mit Heu in eines der beiden knapp vier Meter hohen Scheunentore an der Längsseite gefahren. Im Innern wurde das Heu auf dem Heuboden entladen. Da Pferde schlecht wenden können, ist auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls ein Scheunentor, allerdings mit weitaus geringerer Höhe eingebaut. Der leere Leiterwagen brauchte nicht die extreme Höhe des gegenüberliegenden Tores.

Auch jetzt schon kann sich Kreikenbaum, der schon viele Jahre im Kuratorium der Stiftung ehrenamtlich tätig ist, den "wunderschönen Raum" vorstellen. "Wir wollen, dass die Scheune eine Scheune bleibt und keine Wohnzimmer-Atmosphäre hat", resümiert er das Konzept der Stiftung. Die 1841 erbaute Scheune soll ein Stück Worpsweder Identität bleiben, kein "Bauzombie", vielmehr solle sie mit Leben gefüllt werden. Von innen soll möglichst viel vom Ständerwerk und der Dachkonstruktion sichtbar bleiben. Für Helligkeit sorgen Stahl- und Glaskonstruktionen, die vor die Tür- und Toröffnungen gesetzt werden. Die alten restaurierten Elemente werden davor gesetzt, so dass der Gesamteindruck der historischen Scheune nicht verändert wird. Um später ausreichend Tageslicht in den als großen Saal geplanten Veranstaltungsraum zu bekommen, werden zusätzlich Firstoberlichter im Dach eingebaut.

Hans Ganten, Vorsitzender der Stiftung Worpswede, ist optimistisch den geplanten Zeitrahmen einzuhalten. Für April 2012 ist der Abschluss geplant und es gibt auch schon konkrete Anfragen für die Nutzung des 199 Personen fassenden Veranstaltungsraumes. Die Halle könne möglicherweise für Kunstgewerbeausstellungen oder auch als Markthalle genutzt werden, berichtet Ganten. Aber auch für Vorträge, Versammlungen, Veranstaltungen für Jugendgruppen, kleinere Konzerte oder gar Familienfeiern stehe die Scheune zur Verfügung. Wichtig ist Ganten, neben dem vorrangigen Ziel der Erhaltung des historischen Bauensembles in der Bauernreihe, allerdings auch die sinnvolle Nutzung.

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt konnte die Stiftung einerseits aus der Aktion 333 Bürgerspenden, die, wie Ganten betont, sehr gut angelaufen sei, beziehen, anderseits aus Fördermitteln bestreiten. Für den zweiten Bauabschnitt, für Beleuchtung und eine Strahlungsheizung, stehen die Mittel noch nicht komplett zur Verfügung. Bürger, die sich an der noch laufenden Spendenaktion 333 Bürgerspenden beteiligen möchten, haben auch jetzt noch die Möglichkeit, sich an der Sanierung der Bötjerschen Scheune finanziell auch mit kleinen Beträgen zu beteiligen. Wer sich für die Bötjersche Scheune einsetzen möchte, kann sich telefonisch an Volkert Augustiny unter der Nummer 04792/7140 wenden oder nähere Informationen über das Internet unter www.stiftung-worpswede.de erhalten.

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