Borgfeld ohne Bürgerhaus Focke-Museum nur für den Übergang

Borgfelder Vereine und Initiativen, die auf dem Kulturcampus des Focke-Museums mitmischen, das klingt spannend, so der Tenor im Beirat. Als Ersatz für ein Borgfelder Bürgerhaus tauge das Konzept aber nicht.
21.04.2021, 13:30
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Focke-Museum nur für den Übergang
Von Antje Stürmann

Borgfeld. Professorin Anna Greve, die Leiterin des Focke-Museums in Schwachhausen, breitete am Dienstagabend im Beirat die unterschiedlichsten Optionen aus. Sie erläuterte in der Videokonferenz geduldig, warb um das Vertrauen der Borgfelder Vereine und bat darum, dem neuen, offeneren Konzept des Museums eine Chance zu geben. Es half nichts. Die Vertreter der Borgfelder Vereine und Institutionen bleiben bei ihrer Einschätzung: „Das Focke-Museum ist kein Ersatz für ein Bürgerhaus in Borgfeld“ (Heiko Wagener, Bürgerverein).

Das aber hatte die Bremische Bürgerschaft vorgeschlagen. Anstatt den Bau eines Bürger- oder Gemeinschaftshauses zu unterstützen, boten sie im vergangenen Jahr an, die Borgfelder könnten für ihre Treffen, Ausstellungen und Veranstaltungen die Räume des Focke-Museums nutzen, die bis 2026 zum Teil noch gebaut werden sollen.

Sprecher des Borgfelder Bürgerforums und des Bürgervereins hatten im Vorfeld der Beiratssitzung bereits deutlich gesagt, warum dies für sie keine Option sein kann. Anna Greve ließ sich jedoch die Chance nicht nehmen, die Neuausrichtung des Focke-Museums in der Videokonferenz persönlich vorzustellen. Heiko Wagener, den Vorsitzenden des 350 Mitglieder starken Bürgervereins Borgfeld, überzeugt das Konzept nicht. Der Verein benötige, was das Focke-Museum nicht bieten könne: unter anderem einen festen Platz für das umfangreiche Heimatarchiv, kurze Wege zum einmal monatlich stattfindenden Geschichtsseminar, einen Saal für Dauerausstellungen und die Möglichkeit, spontane Veranstaltungen durchführen zu können. „Das korrespondiert nicht mit dem, was Sie anbieten“, so Wagener.

Hermann Vinke, Sprecher im Borgfelder Forum, bezeichnete die Ausführungen Greves zwar als sehr interessanten Ansatz - für Bremen und auch für Borgfeld. „Möglicherweise gibt es Berührungspunkte.“ Im Grunde aber blieb auch er dabei: „Wir brauchen im Ort selber einen lebendigen Punkt der Begegnung und für Kulturschaffende in Borgfeld.“ Um diesem Bedürfnis nachzukommen, orientierten sich die Borgfelder im Zweifelsfall nach Lilienthal. In Vinkes Augen ist das zusätzliche Angebot des Focke-Museums nicht als Quartierszentrum geeignet, „es ist der Versuch, mehr Bürgerbeteiligung einzuführen“. Kooperationen seien denkbar, „Borgfeld wird auf Sie zukommen“.

Ähnlich sieht es der SPD-Fraktionsvorsitzende im Beirat, Alexander Keil. Die Idee eines Kulturcampus' sei interessant, „aber das Focke-Museum soll nicht das Bürgerhaus in Borgfeld ersetzen.“ Auch die SPD könne sich gut vorstellen, das Angebot des Museums hin und wieder für Tagungen zu nutzen. Jürgen Linke (Grüne) versuchte, die neuen Möglichkeiten gleich auszuschöpfen und fragte für die Textmacher Borgfeld eine Veranstaltung an. Gabriela Piontkowski vom Verein Dorfgemeinschaftshaus indes betonte nochmals: „Die Leute fahren nicht bis zum Focke-Museum, um die dörfliche Gemeinschaft zu pflegen.“ Carsten Böning (Borgfelder Forum) bat darum, an die ältere Bevölkerung im Ort zu denken. Greve darauf: „Eventuell können Sie Fahrgemeinschaften bilden.“

Beiratssprecher Gernot Erik Burghardt (FDP) bedauerte, dass Greves Angebot nicht der Nachfrage in Borgfeld entspricht. Greve reagierte mit einem Augenzwinkern auf die Abfuhr. „Was ich nicht leisten kann, ist, das Focke-Museum nach Borgfeld zu überführen, ich würde mich aber sehr freuen, wenn sie mit einzelnen Projektideen auf uns zukommen.“ Die Veranstaltungskoordinatorin des Museums nehme Anfragen gern entgegen - „auch jetzt in Zeiten von Corona“.

Wenig Sinn würde es jedoch machen, wenn jeder Stadtteil oder Verein einen eigenen Raum bekäme, so Greve. Sie lege Wert auf eine flexible Nutzung. Bis 2023 will das Focke-Museum gemeinsam mit den beteiligten Stadtteilen Schwachhausen, Horn und Borgfeld Formate entwickeln, „bis dahin können wir reden und ausprobieren“, so Greve. „Dann kommt der große Umbau.“ Dafür werde das Haupthaus vorübergehend schließen, das Außengelände soll aber weiter bespielbar sein. In Borgfeld bleibt Hermann Vinke dabei: „Wir werden mit allem Nachdruck versuchen, ein Bürgerhaus zu realisieren.“

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Neues Konzept fürs Focke-Museum

„Wir wollen das Haus noch radikaler öffnen für alle Bremerinnen und Bremer, und wir wollen eine neuartige Kultureinrichtung schaffen“, kündigte die Leiterin des Bremer Focke-Museums, Anna Greve, im Borgfelder Beirat an. Die Bremerinnen und Bremer sollen das Focke-Museum und seine Gastronomie künftig stärker für private und öffentliche Veranstaltungen nutzen. „Das Museum kann dabei mit seinem Know-how unterstützen“, so Greve. Ziel sei es, so viele Bremer Themen wie möglich aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen sichtbar zu machen. „Wir wollen das gesamte Gelände mit seinen 4,5 Hektar als Kulturcampus entwickeln“, so Greve. Zurzeit werde es nicht so stark genutzt, wie das der Fall sein könnte. „Wir haben ein Bauernhaus, das demnächst wieder zur Verfügung steht.“ Das Museumsteam habe die Corona-Zeit genutzt, um dieses Haus technisch besser auszustatten. Jetzt gebe es WLAN, neue Lichttechnik, und es sei Platz für Veranstaltungen mit bis zu 140 Besuchern. „Hier sind zum Beispiel Tagungen möglich, Tanzproben und private Feiern.“

Vor dem Museum soll zusätzlich ein eigenständiger Gebäudeteil entstehen, in dem auf 400 Quadratmetern ein Café und ein Multifunktionsraum mit noch einmal 120 Plätzen geplant sind - dieser könnte auch als Restaurant genutzt werden. „Wir wollen eine Mischnutzung aus kommerziell und ehrenamtlich“, wünscht sich Greve. Vereine sollen die Räume kostenfrei nutzen dürfen. Für private Nutzer erarbeite das Museum gerade eine Honorarordnung. Der Ortsteil Borgfeld, so Greve, sei eingeladen, die Umsetzung des neuen Konzepts mitzudenken. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Park für die Bürger ohne den üblichen Eintritt zu bezahlen nutzbar sein wird.“

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