Beirat Borgfeld

Schulterschluss mit Borgfelder Geschäftsleuten

Soll das Bummeln in Borgfelder Geschäften auch künftig möglich sein, müssen die Kaufleute dringend unterstützt werden. Da sind sich die Mitglieder im Beirat einig. Erste Ideen dafür liegen auf dem Tisch.
17.03.2021, 18:29
Lesedauer: 4 Min
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Schulterschluss mit Borgfelder Geschäftsleuten
Von Antje Stürmann
Schulterschluss mit Borgfelder Geschäftsleuten

Wer shoppen gehen möchte, muss zurzeit mit Einschränkungen leben.

Felix Kästle/dpa

Borgfeld. Der Beirat will den Inhabern von Geschäften in Borgfeld möglichst schnell unter die Arme greifen. Mitglieder aller Fraktionen und Bürger haben am Dienstag in der Videokonferenz des Beirats Ideen gesammelt, um das Überleben der meist kleinen Läden zu sichern und damit den Charme des Borgfelder Zentrums zu erhalten. „Unsere Geschäftsleute sollten ein gutes Umfeld haben, um uns auch nach der Pandemie mit ihren hervorragenden Angeboten und ihrem tollen Service zu versorgen“, erklärte CDU-Fraktionssprecher Jörn Broeksmid. Auch der Beirat müsse mit ihm zur Verfügung stehenden Mitteln einen Beitrag leisten, damit die Geschäftsleute diese schwere Zeit durchhalten.

Wie berichtet, hatte sich der Borgfelder Beirat in einem Eilantrag dafür stark gemacht, dass die Stadt Bremen nicht nur Stadtteilzentren finanziell dabei unterstützt, nach Ende des Lockdowns die Kauflust der Menschen zu wecken, sondern dass auch die Geschäftsleute in kleineren Nahversorgungszentren wie Borgfeld profitieren. Mit Erfolg. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) hatte in der vergangenen Woche zugesagt, dass ihr Ressort auch wirksame und gut begründete Projekte in Borgfeld unterstützen will.

SPD-Fraktionsführer Alexander Keil drückt nun auf die Tube: „Es gilt, gemeinsam mit den Borgfelder Geschäftsleuten Vorschläge zu erarbeiten.“ Der Beirat hatte in seinem gemeinsamen Antrag bereits vorgeschlagen, die Organisation des Sommerfestes durch den Bürgerverein fördern zu lassen. Das Vorhaben müsse nun konkretisiert werden.

Ein Fest könnte helfen, sagte Brigitte Kuhnke von der Interessengemeinschaft In-Borgfeld, aber es müsse viel schneller etwas passieren. Die Inhaberin zweier Modegeschäfte in Borgfeld schilderte die Lage der örtlichen Gewerbetreibenden so: Viele versuchten, irgendwie digital zu verkaufen und so den Kontakt zu den Kunden zu halten. „Aber in Borgfeld gibt es keine gemeinsame digitale Plattform, die wir nutzen könnten“, so Kuhnke. Zum größten Problem würden vielfach die Rechnungen für Waren, die die Kaufleute vor einem halben Jahr bestellt haben und jetzt geliefert bekommen. „Die müssen wir abnehmen, egal, ob wir Umsatz machen oder nicht.“ Parallel dazu müssten Mieten bezahlt und die Mitarbeiter entlohnt werden. Kuhnke befürchtet: „Wenn wir noch einmal schließen müssen, weiß ich nicht, wie ich das schaffen soll.“ Staatliche Unterstützung habe sie noch nicht in Anspruch genommen, weil das Beantragen sehr langwierig und schwierig sei. Die Anforderungen seien teilweise diffus. In diesem zweiten Lockdown dürften die Anträge nur noch von Steuerberatern gestellt werden. Das Verfahren sei nicht so unbürokratisch, wie vielfach betont, kritisierte Kuhnke. Wie viele Geschäftsleute in Borgfeld bereits finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten haben, konnte Kuhnke nicht sagen.

Freidemokrat Gernot Erik Burghardt bat den Ortsamtsleiter, die genauen Modalitäten einer Förderung auszuloten. Zurzeit sei nicht klar, wer das Geld zur Verfügung stelle und wie es beantragt werden könne. „Momentan befinden wir uns im luftleeren Raum“, kritisierte er. Die Anträge aber müssten bis 15. April abgegeben sein, das sei vor der nächsten regulären Beiratssitzung, so Burghardt.

Abgesehen von einer geldwerten Hilfe, stellte Jörn Broeksmid (CDU) die Frage nach anderen Formen der Unterstützung. Das löste im Beirat eine kreative Welle der Solidarität aus. Birgit Wellhausen (CDU) schlug eine gemeinsame Internetseite der Borgfelder Geschäftsleute vor, auf der sich diese darstellen könnten. Die Borgfelder CDU-Vorsitzende Gabriela Piontkowski erklärte, es werde Anfang Juni zwar kein Sommerfest geben, aber der Bürgerverein könnte stattdessen Anfang Oktober ein Weinfest mit Bierausschank organisieren. „Auf diese Weise könnte man das Zentrum beleben“ und die Inhaber von Geschäften könnten sich an Ständen präsentieren. Jürgen Klaes (Grüne) schlug vor, bei den Ortseingangsschildern Tafeln mit den Webadressen der Kaufleute anzubringen. CDU-Politiker Wolfgang Klüver kann sich vorstellen, dass der Beirat eine Zeitungsanzeige bezuschusst, mit der die Geschäftsleute die Borgfelder animieren, in Borgfeld einzukaufen. Jürgen Linke (Grüne) möchte per Flyer über die Situation der Geschäftsleute aufklären und Jannis Fricke schlug eine Karte vor, mit der Kunden in Borgfelder Geschäften Stempel sammeln und diese beim Weinfest einlösen könnten.

Brigitte Kuhnke und Susannah Biesterfeldt (In-Borgfeld) lobten die Idee. Peter Schipkowski schrieb im Chat: „Werbung für Borgfelder Geschäftsleute ist ja wohl sinnvoll. Aber so etwas kann doch nicht aus Steuertöpfen bezahlt werden.“ Der Beirat will nun die Umsetzbarkeit prüfen.

Info

Zur Sache

So ist Einkaufen in Borgfeld möglich

Date & collect: Die Kunden buchen für ihren zeitlich begrenzten Einkaufsbummel telefonisch oder im Internet einen Termin. „Bei uns kann innerhalb der Öffnungszeiten pro Person eine halbe Stunde reserviert werden“, sagt Geschäftsfrau Brigitte Kuhnke. Zwei Personen aus zwei Haushalten dürften auch eine Stunde stöbern. Pro Haushalt sind jeweils 40 Quadratmeter reserviert. Die Kunden müssen ihre Kontaktdaten hinterlegen.

Click & collect: Sehen Kunden im Schaufenster ein T-Shirt, das ihnen gefällt, rufen sie im Laden an oder schreiben eine E-Mail: „Wir geben die Ware mit einer Art Lieferschein zur Anprobe mit nach Hause“, so Kuhnke. Bezahlt werde später im Geschäft oder per Überweisung.

Einkaufsservice: Gabriela Piontkowski bietet an, den kostenlosen Einkaufsservice für ältere, geschwächte und gefährdete Menschen aus der Umgebung auszuweiten: „Wenn jemand Kleidung aus einem Borgfelder Geschäft haben möchte, können wir auch die mal bringen.“ Piontkowski ist erreichbar unter Telefon: 0171/ 36 159 85 oder per E-Mail: gpio@gmx.de.

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