Brandschützer feilen am perfekten Angriff Fünf Feuerwehren üben mit 14 Fahrzeugen und 90 Mann Brandbekämpfung, Tier- und Menschenrettung

Für viele Feuerwehrkameraden in Ritterhude hat der Sonntag mit einer Großübung begonnen. Sirenen alarmierten die Mitglieder der Freiwilligen Ortswehren gegen 6.35 Uhr: In der Ortschaft Stendorf stand eine Scheune in Flammen; es wurden Personen vermisst, so ein erster Lagebericht zur Übung. Der Leiter des Herbsttrainings, Stendorfs Ortsbrandmeister Heinz Blendermann, empfing die Kameraden an der Hofeinfahrt an der Straße Auf der Lieth.
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Für viele Feuerwehrkameraden in Ritterhude hat der Sonntag mit einer Großübung begonnen. Sirenen alarmierten die Mitglieder der Freiwilligen Ortswehren gegen 6.35 Uhr: In der Ortschaft Stendorf stand eine Scheune in Flammen; es wurden Personen vermisst, so ein erster Lagebericht zur Übung. Der Leiter des Herbsttrainings, Stendorfs Ortsbrandmeister Heinz Blendermann, empfing die Kameraden an der Hofeinfahrt an der Straße Auf der Lieth.

Von Christian Valek

Ritterhude. Dichter Qualm quillt aus dem Dach der Scheune. Eine Nebelmaschine hat im Inneren für fast reale Einsatzbedingungen gesorgt. Kurz darauf gibt Einsatzleiter Blendermann per Funk die Order an die Einsatzleitstelle in Pennigbüttel. "Bitte den Alarm auslösen."

Gemeindebrandmeister Jochem Pieper schaut auf die Uhr und rückt Papier und Bleistift zurecht. Er beobachtet die Arbeit der Kollegen und notiert sich Stichpunkte. Dann ist etwas Zeit, einige Details zum Einsatz zu geben. Die eintreffenden Kräfte sollen starke Rauchentwicklung im Stallgebäude vorfinden, erklärt er. "Ein Teilbereich des Gebäudes brennt. Zwei Ponys sollen im Stall stehen. Dazu wird eine Person vermisst, so die Kurzform der Lage vor Ort". Kurz darauf nähert sich das erste Signalhorn. Die Kameraden der Stendorfer Feuerwehr brausen über das Kopfsteinpflaster der Hofauffahrt. Laub wirbelt umher. Die Bremse zischt beim Halten. Als feststeht, dass es sich um eine Übung handelt, löst der Fahrer des Wagens den Kinnriemen am Helm. Glück gehabt. Pieper guckt auf die Uhr. "Sechs Minuten, das ist richtig gut."

Kameraden mit angelegtem Atemschutz steigen aus. Rolltore am Fahrzeug rauschen ins obere Schloss. Schlauchkästen werden herausgezogen; die Wasserpumpe läuft auf Anhieb. Alles scheint zu klappen. Kollegen besprechen sich. Erstmal sich über die Lage informieren. Wie geht man am besten vor? Ortsbrandmeister Blendermann erklärt die Situation. Augenblicke später haben die Einsatzkräfte die Tiere "gerettet" und eine "vermisste" Person geborgen. Die Löscharbeiten beginnen. Zwischenzeitlich wurden weitere Fahrzeuge aus den Nachbarorten angefordert. Die Sirenen hallen aus der Ferne zum Hof auf der Anhöhe. Minuten später: Die Fahrzeuge aus den Nachbarorten treffen ein. Aufheulende Dieselmotoren rauschen erneut durch die Hofeinfahrt und bauen sich hintereinander im Kreis auf. Andere haben im unteren Teil des Weges gehalten. Die Brandschützer rollen Schläuche aus, regeln den Straßenverkehr, legen die Schlauchbrücken auf die Fahrbahn. "Der nächste Hydrant liegt etwa 300 Meter entfernt, eine

Zisterne ist 600 Meter weit weg", erklärt Einsatzleiter Blendermann.

Jetzt bewährt sich der kürzlich selbstgebaute Anhänger der Stendorfer Ortswehr. Von seiner Ladefläche werden bei langsamer Fahrt Schlauchpakete direkt abgerollt. Metallverschlüsse klacken. Kurz danach ist der Anschluss perfekt. "Die Wasserleitung steht. Wasser marsch." Mittlerweile sind Kräfte aus allen fünf Ortschaften der Gemeinde eingetroffen. 90 Feuerwehrkameraden aus Ihlpohl, Platjenwerbe, Ritterhude, Lesumstotel/Werschenrege und Stendorf arbeiten Hand in Hand. 14 Fahrzeuge sind beteiligt.

Einsatzzentrale im Minibus

Blaue Lichter zucken durch den Morgennebel entlang der alten Bundesstraße 6. Einsatzkräfte haben den Teilbereich der Straße kurz gesperrt. Dann läuft alles, wie gewohnt. Ein tiefergelegter Kleinwagen bleibt beim Überfahren der hölzernen Schlauchbrücke mit dem Unterboden hängen. "Halt, zurück, dann nochmal", heißt es. Der zweite Versuch gelingt. "Auch das gehört zu einer Übung dazu", sagt Gemeindebrandmeister Pieper.

In einem Minibus haben Kollegen eine mobile Einsatzzentrale eingerichtet. Dort laufen die Informationen zusammen. Blendermann lehnt an der offenen Schiebetür und lauscht dem quäkenden Sprechfunk. "Gruppenleiter an Einsatzleiter, bitte kommen." "Einsatzleiter hört", antwortet der Ortsbrandmeister. Blendermann kann sich auf seine Kameraden verlassen.

Gemeinsam mit Stellvertreter Markus Hake hat er an der anspruchvollen Übung etwa drei Monate gefeilt. Beobachter wie Gudrun Laub vom Ordnungsamt Ritterhude sind beeindruckt. Laub ist unter anderem für Personal und Materialbeschaffung der Ritterhuder Feuerwehren zuständig. "Es ist wichtig, Menschen und Gerät im Einsatz zu sehen", sagt sie.

Nach gut einer Stunde ist die Großübung beendet. Vor der Nachbesprechung mit den Teilnehmern im Stendorfer Feuerwehrhaus zeigt sich Gemeindebrandmeister Jochem Pieper zufrieden. "Da gibt es eigentlich nichts zu meckern. Alles andere wird besprochen."

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