Ergebnis der Mitgliederbefragung

„Schulschiff Deutschland“ verlässt Vegesack

Die Mitglieder des Deutschen Schulschiff-Vereins haben sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den Traditionssegler nach Bremerhaven zu verlegen. Darüber informierte der Vorstand des Vereins am Montagmittag.
12.04.2021, 19:25
Lesedauer: 3 Min
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„Schulschiff Deutschland“ verlässt Vegesack
Von Aljoscha-Marcello Dohme
„Schulschiff Deutschland“ verlässt Vegesack
CARMEN JASPERSEN

Die Mehrheit der Mitglieder des Deutschen Schulschiff-Vereins hat sich für eine Verlegung des Traditionsseglers von Vegesack nach Bremerhaven ausgesprochen. Das ist das Ergebnis einer Mitgliederbefragung, die der Verein zum zukünftigen Liegeplatz der „Schulschiff Deutschland“ durchgeführt hat.

Die Auszählung des Mitgliederentscheides habe der Rechtsanwalt und Notar Christoph Bardua übernommen, informierte Claus Jäger, Vorsitzender des Deutschen Schulschiff-Vereins am Montagmittag. „Für den Standort Vegesack stimmten insgesamt 38 Mitglieder, für den Standort Bremerhaven 133 Mitglieder“, sagte Bardua. Insgesamt habe der Verein derzeit 261 Mitglieder, so Jäger.

Der Verein habe eine hohe emotionale Bindung zum Standort Vegesack, betonte er. „Von unserem Vorstand sind zwei Mitglieder in Bremen-Nord beheimatet, Ansgar Höffe in Vegesack und ich in Lesum“, sagte Jäger. Nicht nur der halbe Vorstand käme aus der Region, sondern auch gut 60 weitere Mitglieder. „Für diese Mitglieder war das sicherlich, wie auch für uns im Vorstand, eine schwierige Entscheidung“, berichtete Jäger. „Manche sagten zu mir 'Mein Herz ist für Vegesack, aber mein Verstand sagt Bremerhaven'“.

Im Gegensatz zu den Mitgliedern sei der Vorstand aber in der Verantwortung. „Wir sind in der Verantwortung, dieses Schiff zu erhalten“, sagte Jäger. „Wenn es irgendwie geht, wollen wir uns nicht in die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen begeben.“ Der Vorstand könne es sich aber auch nicht vorstellen, vom Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven abhängig zu sein. „Wir wollen die Verantwortung für dieses Schiff behalten und auch dazu beitragen, dass die dafür nötigen Mittel aus eigener Kraft erwirtschaftet werden können“, sagte Jäger.

Dass das am Standort Vegesack nicht möglich sei, habe der Vorstand der Wirtschaftssenatorin bereits vor eineinhalb Jahren mitgeteilt. „Wir werden seit Jahren von einem Wirtschaftsprüfer geprüft. Die Ergebnisse haben wir auch nach Bremen weitergegeben“, sagte Jäger. „Bis heute haben wir aber keine konkreten Zusagen vom Senat erhalten.“

Das Ergebnis der Mitgliederbefragung bezeichnete Jäger als „Auftrag an den Vorstand, die Verhandlungen mit Bremerhaven zu intensivieren.“ Das würde jedoch Zeit in Anspruch nehmen. Zudem müsste der Umzug mit den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen an Bord abgestimmt werden. „Wenn es irgendwie möglich ist, wollen wir unsere Mitarbeiter mitnehmen“, sagte Jäger. Bremerhaven habe den Wunsch geäußert, den Umzug schnell zu vollziehen. Dafür habe der Vorstand Verständnis. „Aber hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, so Jäger.

Darüber hinaus müsse geklärt werden, was mit dem Schulschiff-Haus in Vegesack passiert. Die Immobilie ist in Besitz des Vereins.

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Im Vorfeld gab es von einigen Mitglieder Kritik am Vorgehen des Vorstandes, die Zukunft des Schulschiffes durch eine Mitgliederbefragung zu klären. Stattdessen forderten sie eine Mitgliederversammlung. Doch auf die habe der Vorstand nicht nur wegen der Corona-Pandemie verzichtet. „Eine Mitgliederversammlung wird im wesentlichen von Mitgliedern wahrgenommen, die in der Nähe wohnen“, sagte Jäger. Der Schulschiff-Verein habe aber seit seiner Gründung den Anspruch, eine Aufgabe zu erfüllen, die in einem gesamtdeutschen Interesse stehe. „Dieses Denkmal ist das letzte deutsche Vollschiff“, so Jäger. Deshalb müssten alle Mitglieder an dem Entscheidungsprozess beteiligt werden. „Auch ohne die Corona-Pandemie wäre der Entscheidungsprozess so verlaufen, wie er jetzt verlaufen ist“, machte Jäger deutlich.

+++ Dieser Artikel wurde am 13. April aktualisiert +++

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Zur Sache

Grantz appelliert an Mitglieder

Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) begrüßt das Ergebnis der Mitgliederbefragung. "Das ist eine gute Entscheidung für Bremerhaven, aber auch für das Land Bremen. Die ‚Deutschland‘ kann damit in die Stadt zurückkommen, in der sie gebaut wurde“, wird er in einer Mitteilung zitiert. Grantz wolle nun mit dem Vorstand in Verhandlungen treten, um etwa den genauen Liegeplatz festzulegen und wie das Schiff in das Tourismuskonzept Bremerhavens integriert werden könne. „Wenn der entsprechende Vertrag geschlossen ist, kann das Schiff bereits in diesem Sommer nach Bremerhaven kommen“, hofft Grantz. „Der Ball liegt jetzt beim Verein.“ Der Oberbürgermeister appellierte an Vereinsmitglieder, die für den Verbleib des Schulschiffes in Vegesack gestimmt haben, auf weitere Maßnahmen zu verzichten und das Votum zu respektieren.

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