Ganztägige Betreuung in Grundschulen

Bremer Umland zwischen Zuversicht und Skepsis

Ab 2025 soll laut Bundesregierung jedes Grundschulkind einen Anspruch auf ganztägige Betreuung haben. Im Bremer Umland fühlen sich einige Gemeinden bereits gut aufgestellt. Andere sind eher skeptisch.
14.11.2019, 21:34
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Von unseren Reportern und Regionalredaktionen
Bremer Umland zwischen Zuversicht und Skepsis

Einige Gemeinden fühlen sich bereits gut aufgestellt. Es gibt aber auch Sorgen um die Finanzierung.

Hauke-Christian Dittrich /dpa

Kristian Tangermann hat eine klare Meinung: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen. Lilienthals Bürgermeister spielt damit auf den ab 2025 gültigen Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung in Grundschulen an. Das wird die Kommunen Geld kosten. Tangermann warnt angesichts der mehr als 80 Millionen Euro Schulden seiner Gemeinde davor, der Kommune noch mehr Pflichten aufzubürden. „Das geht zulasten der freiwilligen Ausgaben wie der Kultur“, sagt er.

Delmenhorst: Die Stadt ist ein Beispiel dafür, wie viele Entscheidungen vielerorts bis 2025 noch getroffen werden müssen. Aktuell sind laut Stadtverwaltung vier Grundschulen im offenen Ganztagsbetrieb. Das ist weniger als ein Drittel. Außerdem gehen die Planer davon aus, dass die vorhandenen räumlichen Kapazitäten nicht ausreichen. Auch über die inhaltliche und pädagogische Ausgestaltung muss entschieden werden. Eine Besonderheit: Delmenhorst wird eine externe Beraterfirma verpflichten, die „wegen der Komplexität der Schwerpunktthemen“, zu denen auch die Umsetzung der Inklusion gehört, diesen Prozess begleiten soll.

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Samtgemeinde Hambergen: In Hambergen glaubt man sich bei der Ganztagsbetreuung bereits gut aufgestellt. „Alle drei Grundschulen sind Ganztagsschulen“, erklärt Kämmerer Marco Ehrichs. Zwei der Grundschulen bieten die Nachmittagsbetreuung montags bis donnerstags an. In einer gibt es sie auch am Freitag. Offen ist für die Verwaltung noch, was genau die Bundesregierung unter einer Ganztagsbetreuung versteht. Will sie ein verpflichtendes Angebot mit Unterricht oder reicht eine Betreuung mit Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und Hobbykursen aus?

Stadt Osterholz-Scharmbeck: In Heilshorn sollen „Kita und Schule unter einem Dach“ 2021/22 realisiert werden. Allein für die Schule sind Baukosten von 1,6 Millionen Euro in den nächsten beiden Haushalten eingeplant. Das pädagogische Konzept sieht dort ganztägige Betreuung wie in der Beethovenschule (freiwillig) und in Buschhausen (verpflichtend) vor. Wenn Heilshorn fertig ist, soll die Menckeschule in der Agenda ganz nach vorn rücken, wo bereits über 50 Kinder Nachmittagsbetreuung genießen. Stadtdezernentin Bettina Preißner erklärt, dass ihre Stadt an Ganztagsbetreuung interessiert sei, besonders an Schulen mit hohem Förderbedarf. Sie sieht aber wie der Deutsche Städtetag Probleme voraus, „was Mensa, Raumbedarf und Personalkosten angeht“. Die Kommune steht schon wegen der Nachfrage nach Krippenplätzen finanziell mit dem Rücken zur Wand.

Gemeinde Ganderkesee: „Bei sämtlichen Planungen haben wir einen möglichen Ganztagsanspruch immer schon mitgedacht“, sagt Hauke Gruhn, Sprecher der Gemeinde. So habe man etwa Gruppenräume und Küchen ausgebaut, aber auch Horte eingerichtet, die später auch als Klassenräume genutzt werden können. Denn laut Gruhn ist damit zu rechnen, dass die meisten Eltern ab 2025 eine kostenlose Ganztagsbetreuung ihrer Kinder in der Grundschule einer kostenpflichtigen Unterbringung im Hort vorziehen würden.

Stadt Achim: Der Achimer Stadtrat hat bereits vor rund zehn Jahren den bedarfsgerechten Ausbau der Achimer Grundschulen zu Ganztagsschulen beschlossen. Nach und nach passiert das auch. Ganz aktuell hat der Schulausschuss in Achim den Antrag der Grundschule Uesen unterstützt, ab dem Schuljahr 2020/21 einen offenen Ganztag einzuführen. Achims neueste Schule, die IGS, hat einen verpflichtenden Ganztag und liebäugelt nun aktuell mit einem Mensa-Neubau.

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Gemeinde Weyhe: Alle fünf Grundschulen in Trägerschaft der Gemeinde verfügen bereits über ein Nachmittagsangebot, deshalb sei das Thema für Weyhe „eigentlich keine große Sache“, wie Sprecher Sebastian Kelm schildert. Die räumlichen Strukturen, Mensen und Nachmittagsbereiche seien vorhanden.

Gemeinde Stuhr: Ebenfalls gut aufgestellt fühlt sich die Gemeinde Stuhr. Dort sind alle fünf Grundschulen seit 2012 offene Ganztagsschulen. Die Gemeinde warte nun auf konkretere Aussagen, wie genau der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz umgesetzt werden soll, sagt Fachdienstleiterin Kerstin Frohburg. Da gebe es noch wenig Konkretes.

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