Nomen est Omen? Eva Böller würde ihren Nachnamen nicht tauschen wollen / Aber vor Knallkörpern hat sie Angst Brot und Böller

Weyhe. Zurzeit prangt es wieder an jeder zweiten Litfaßsäule: Brot statt Böller. Fast könnte sich die Weyher Gleichstellungsbeauftragte Eva Böller da etwas gemobbt fühlen. Aber sie weiß mit dem immer zu Silvester wiederkehrenden Slogan umzugehen. Und privat bevorzugt sie tatsächlich das gute alte Pausenbrot gegenüber dem dröhnenden Silvester-Böller. "Vor denen habe ich sogar Angst", gibt die ansonsten so schlagfertige Frau aus dem Weyher Rathaus zu.
31.12.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hauke Gruhn

Weyhe. Zurzeit prangt es wieder an jeder zweiten Litfaßsäule: Brot statt Böller. Fast könnte sich die Weyher Gleichstellungsbeauftragte Eva Böller da etwas gemobbt fühlen. Aber sie weiß mit dem immer zu Silvester wiederkehrenden Slogan umzugehen. Und privat bevorzugt sie tatsächlich das gute alte Pausenbrot gegenüber dem dröhnenden Silvester-Böller. "Vor denen habe ich sogar Angst", gibt die ansonsten so schlagfertige Frau aus dem Weyher Rathaus zu.

"Ich bin mir Böller genug", schildert sie ihr Verhältnis zu Feuerwerk jeder Art. "Eigentlich möchte ich ja nicht dem Einzelhandel das Geschäft vermiesen. Aber wenn man mich schon fragt: Ich würde eindeutig fürs Brot und gegen die Böller plädieren." Mit ihrem Nachnamen hat die geborene Frau Böller längst Frieden geschlossen. So sehr, dass sie ihn um keinen Preis hergeben wollte. "Ich habe auch erst 1991 geheiratet, weil es ab dann erst möglich war, meinen Nachnamen zu behalten", erzählt sie. "Das wäre sonst ein ernsthaftes Problem geworden."

Ihr Mann Ernst behielt hingegen den Namen Busche. "Wenn wir in Weyhe unterwegs sind, wird er oft als Herr Böller angesprochen - und in Bremen bin ich dann die Frau Busche." Hauptsache, im Pass steht alles korrekt vermerkt. Probleme gab es wegen der Namensspaltung höchstens mit der Bahn. "Beim Beantragen der Bahncard musste ich früher immer eine Kopie der Heiratsurkunde mitschicken", erzählt Eva Böller. Woher ihr Name stammt, weiß sie nicht genau. "Mir sind aber keine Vorfahren bekannt, die etwas mit Böllern oder Sprengstoff zu tun hatten."

Mit dem Namen Böller kann sich die gelernte Buchhändlerin dennoch identifizieren. "Ich möchte meinem Namen gerecht werden und auch mal Krach machen. Bei dem Namen erwarten die Leute doch klare Aussagen." Das sei in ihrer Funktion als Gleichstellungsbeauftragte auch nötig. Und was bringt sie so richtig zum Explodieren? Da muss Eva Böller nicht lange nachdenken: "Wenn ich etwas mordsungerecht oder mordsdoof finde - das kann ich einfach nicht ab." An sich könne sie alles, was ein herkömmlicher China-Böller auch kann, sagt die Verwaltungsfrau. "Ich kann knallen, Krach machen und explodieren." Jeder Silvesterknaller hat aber auch eine Anleitung zum richtigen Umgang. Und wie geht man mit Eva Böller um, damit sie eben nicht unkontrolliert explodiert? "Man sollte liebenswürdig, klar und konsequent mit gegenüber sein", sagt sie. "Und nicht zu viel rumzappeln."

Wie ein Böller Silvester in der Regel verbringt, scheint bei dem ganzen Gerummse rund um den Jahreswechsel klar. Aber wie verbringt eine Böller Silvester und Neujahr? "Das Feuerwerk gucke ich mir jedenfalls aus sicherer Entfernung an", erzählt Eva Böller. "Bei uns in der Straße wird schon viel geknallt." Ein Eingreifen kommt ihr da aber nicht in den Sinn: "Ich bin doch keine Missionarin!" Obwohl: "Wenn mich jemand fragt, ob ich bei der ,Brot statt Böller?-Kampagne mitmachen würde, wäre ich dabei." Den neuen Werbespruch hätte sie auch schon: "Eine Böller reicht."

Statt Raketen anzuzünden ("Die schon gar nicht") möchte Eva Böller lieber mit Freunden und Bekannten zusammensitzen, etwas essen und trinken. Mit ein paar Anspielungen auf ihren Namen kann sie zum Jahresende gut leben. An ihrem Arbeitsplatz sind die Anspielungen hingegen längst rückläufig. "Als ich vor über 20 Jahren Gleichstellungsbeauftragte wurde, hieß die erste Schlagzeile gleich: ,Böller im Rathaus?", erinnert sie sich. "Das war am 15. Juli 1989." Später habe ein Kollege ihr mal ein Schild an die Tür gehängt. "Viele glauben heute noch, dass darauf ,Brot statt Böller? stand." Stattdessen sei die Botschaft sehr viel freundlicher gewesen: "Ich stamme aus dem Ruhrgebiet, und da heißt das Butterbrot ,Bütterchen?. Der Spruch hieß deshalb ,Böllerchen statt Bütterchen?." Ein netter Kollege also.

Brot statt Böller - das wertet Eva Böller inzwischen nicht als Kampagne gegen sie, sondern für ihre Anliegen. "Soviel PR könnte ich mir sonst doch gar nicht leisten", sagt die Weyher Gleichstellungsbeauftragte, die auch in der Friedensbewegung aktiv ist. "Vielleicht mag ich ja deshalb schon keine Kanonen und Böller."Ganz anders halte es da ihr Mann, erzählt sie. "Ich glaube, der liebt Böller." Und das nach fast 20 Jahren Ehe...

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