Neue Ausstellung und Buchpremiere

Bruchhausen-Vilsen in Wort und Bild

Das Alte Gaswerk wird für die zwei Wochenenden Ort einer Ausstellung über die Ortsgeschichte. Darüber hinaus wird erstmals ein Blick in ein neues Buch über Haus- und Hofstellen in Bruchhausen und Moor gewährt.
06.12.2018, 16:45
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Dominik Albrecht
Bruchhausen-Vilsen in Wort und Bild

Dieter Borcherding (v. l.), Wilfried Müller, Peter Schmidt-Bormann und Manfred zum Hingst sind in die Vergangenheit abgetaucht.

Jonas Kako

Bruchhausen-Vilsen. In gemeinschaftlicher Arbeit haben der Verschönerungsverein Bruchhausen-Vilsen (VVV), der Bürgerverein Harmonie und der Kultur- und Kunstverein eine Foto-Ausstellung geplant. Diese trägt den Namen „Ortsgeschichte in Bildern aus drei Jahrhunderten“ und kann an den Wochenenden des 8. und 9. sowie 15. und 16. Dezember von 15 bis 18 Uhr im Alten Gaswerk bestaunt werden. Daran gekoppelt wird zudem das neue Buch des VVV „Haus- und Hofstellen der ehemals selbstständigen Flecken Bruchhausen und Moor“ am Sonnabend, 8. Dezember, ab 15 Uhr vorgestellt.

Anfang des Jahres bei der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Harmonie entstand die Idee, ein gemeinsames Projekt mit dem Kulturverein anzugehen. Seit Jahren haben die Mitglieder alte Ansichten von Vilsen gesammelt. Peter Schmidt-Bormann, Vorsitzender des Kulturvereins und Mitglied im Bürgerverein, war sofort Feuer und Flamme, wollte aber noch den VVV ins Boot holen. „Ich bin beim VVV zweiter Vorsitzender und das ist der Verein, der sich schon immer um die Heimatpflege in Bruchhausen-Vilsen gekümmert hat“, erzählt Schmidt-Bormann.

„Das ist unser Sahnestück. Das älteste Foto mit Personen aus dem Jahr 1885“, präsentiert Wilfried Müller dann stolz ein leicht grünstichiges, aber nicht minder magisch wirkendes Foto. Es zeigt diverse Vorfahren Bruchhausen-Vilser Familien – unter anderem drei Töchter der Familie Ehlers – an einem Tisch sitzend und stehend für den Fotografen posieren. Erst auf dem zweiten Blick wird ein interessantes Detail sichtbar: Der Tisch und ein Teppich als Unterlage stehen nicht im heimischen Wohnzimmer, sondern im Innenhof. Weil das Licht da besser gewesen sei, erklärt Peter Schmidt-Bormann. „Das muss ein wahres Ereignis gewesen sein, als der Fotograf kam“, vermutet Wilfried Müller. Rund 60 Bilder soll die Ausstellung umfassen.

Und dann gibt Peter Schmidt-Bormann zu, dass Interessierte eigentlich schon früher in den Genuss der Ausstellung hätten kommen können. Aber: „Den Zeitpunkt haben wir immer weiter nach hinten geschoben, weil parallel dazu die Vorbereitungen für dieses Buch liefen.“ Dieses Buch, das ist das Werk „Haus- und Hofstellen der ehemals selbstständigen Flecken Bruchhausen und Moor“. Der finale 360 Seiten starke, 35 Euro teure und momentan in einer Auflage von 300 Stück beschränkte Blick in die Vergangenheit der Flecken stellt alte Bilder aus Archiven und Privatbesitz mit modernen Ansichten gegenüber und verbindet alles mit informativen Texten.

Die Vorbereitungen haben laut Schmidt-Bormann schon vor Jahren begonnen und gehen auf den geschichtlichen Arbeitskreis der Volkshochschule zurück. Als Hauptautoren zeichnen sich Wilfried Müller und Dieter Borcherding vom VVV verantwortlich, der Verein ist auch Herausgeber. Der wichtigste Mann, so sagt es Wilfried Müller, ist vor drei Jahren gestorben: Heinrich Schlake. „Er war früher Kirchenvorstand in Bruchhausen, und Heimatforschung war sein Hobby. Er kannte die Kirchenbücher auswendig und war daher eine wichtige Quelle für diese Arbeit“, kann Peter Schmidt-Bormann berichten. Darüber hinaus hatte Schlake auch Kontakte zu Historikern. Darunter Wilhelm Messwerdt. „Dieser hat schon in den 1970er-Jahren im Stadtarchiv Hannover Material über Bruchhausen gesammelt und Heinrich Schlake die ersten Daten übergeben. Das war der Anfang der Häuserliste“, skizziert Wilfried Müller. Schlake werde das Buch auch gewidmet. „Heinrich Schlakes Tod hat mich lange Zeit heruntergerissen – aber auch wieder motiviert, weil ich ihm versprochen habe, dass wir das Buch zu Ende machen.“

Für weitere Recherchen trat Dieter Borcherding, Mitglied beim VVV und ehrenamtlich Tätiger im Bruchhausen-Vilser Archiv, mehrmals den Weg zum Grundbuchamt an. „Da haben ja eigentlich nur die Menschen Einsicht, die ein berechtigtes Interesse haben. Wir hatten zum Glück ein Empfehlungsschreiben vom ehemaligen Gemeindedirektor Horst Wiesch. Das hat uns die Tür geöffnet“, sagt Borcherding. „Und geholfen, Lücken zu schließen“, ergänzt Wilfried Müller. Das nun lückenlose Werk ist sortiert nach den historischen alten Hausnummern – 1 bis 232 für Bruchhausen, 1 bis 62 für Moor. Wie es dazu kommt? Weil die Hausnummern früher nicht nach Straßen sortiert, sondern nach ihrer Erbauung von der Landschaftlichen Brandkasse (heute VGH-Versicherung, Anm. d. Red.) fortlaufend nummeriert wurden. „Wenn ein Haus abbrannte, nahmen die Eigentümer ihre Hausnummer mit und diese tauchte an anderer Stelle im Ort wieder auf“. Dieter Borcherding setzt die damalige Bedeutung der Hausnummern mit einer Steuernummer gleich: „Die nahm man einfach mit.“

Ab den 1960er-Jahren wurden die Hausnummern nach Straßennamen von der Ortsmitte nach außen sortiert. Peter Schmidt-Bormann freut sich, dass das Buch auch auf die Entstehung der Straßennamen eingeht. Wilfried Müller gibt ein Beispiel: „Die Schlossweide hieß kurze Zeit Postweg, weil 1910 das kaiserliche Postamt gebaut wurde.“ Oder wussten Sie, dass die Straße Schöne Reihe lange Zeit Kirchstraße hieß? „Die jetzige Kirche an der Straße ist 1901 als Kapelle gebaut worden“, erklärt Müller. Die Schöne Reihe sei auch ein Beispiel dafür, wie sich die Landschaft verändert hat. Früher hätten dort auf rund 200 Metern 15 Hausstellen gestanden. „Heute sind es noch elf. Da kann man sehen, wie dicht die zusammengestanden haben“, findet Wilfried Müller. Der damalige Flecken Vilsen findet in dem Buch übrigens keine Erwähnung. Eine bewusste Entscheidung, wie Dieter Borcherding erklärt: „Das ist eine gesonderte Arbeit, die auch ein paar Jahre dauern würde und wir dafür besondere Spezialisten bräuchten.“

Am 8. Dezember werden Auszüge des Buches mit einem Beamer auf eine Leinwand geworfen. Wer dann schon angefixt ist, darf es vor Ort für 35 Euro erwerben. Wer noch einmal eine Nacht darüber schlafen möchte, kann später aber auch in der Buchhandlung Böhnert oder dem Tourismus-Service zuschlagen. Oder sich einfach eine Ausgabe direkt bei Dieter Borcherding sichern. Dieser ist dafür per E-Mail an dieter.borcherding@ewetel.net erreichbar.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+