Artenschutz Gemeinsam für mehr Insektenvielfalt

In dem Projekt „Finka“ verzichten Landwirte fünf Jahre lang auf den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden.
03.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Brundorf. Die Anzahl und Vielfalt von Insekten nimmt weltweit dramatisch ab: So ist nach einer Studie des Biodiversitätszentrums in Leipzig die Menge der Insekten in mehreren Kontinenten in den letzten 30 Jahren um 24 Prozent zurückgegangen. Besonders drastisch ist der Verlust an Arten und Biomasse in Nordamerika und Europa. Vor allem für die Bestäubung vieler Nutzpflanzen hat dies verheerende Folgen, aber auch für die Vielfalt zum Beispiel von Vögeln, die sich von Insekten ernähren. Die intensive Landwirtschaft hat durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden nachweislich einen großen Anteil an diesem Rückgang.

Im Projekt „Finka“ - die Abkürzung für „Förderung von Insekten im Ackerbau“ - soll eine mechanische Bekämpfung von landwirtschaftlichen Schädlingen den Einsatz von Chemie ersetzen. Das Vorhaben bildet einen Teil des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ und wurde in diesem Jahr mit Betrieben in Niedersachsen, darunter auch im Landkreis Osterholz, gestartet.

Landwirt Jan-Henrik Schöne aus Brundorf ist mit dabei und kooperiert mit Teje Meyerdierks, der in Lilienthal biologische Landwirtschaft betreibt. „Wir bauen Getreide, Mais und Gras im Wechsel an und setzen weder Düngung noch Mittel gegen Insekten, Pilze oder Unkräuter ein“, sagt Tetje Meyerdierks, „dabei haben wir allerdings durchaus Probleme, zum Beispiel, wenn Pilzkrankheiten im Getreide auftreten – da sind wir weitgehend machtlos.“ Für Schöne hingegen ist der Verzicht auf Chemie ein Experiment. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird er auf einem Weizenfeld das Unkraut nur noch mechanisch durch Striegeln bekämpfen und auch auf den Einsatz von Insektiziden verzichten. „Allerdings setze ich Insektizide beim Getreide selten ein, und gegen Unkraut verwende ich ein spezielles Herbizid, keineswegs Glyphosat“, sagt Jan-Henrik Schöne.

Im Projekt „Finka“ bleiben Mineraldünger und Mittel gegen Pilzkrankheiten weiterhin erlaubt, sollen aber möglichst eingeschränkt eingesetzt werden.

Auf jeweils drei Hektar werden die beiden Landwirte Versuchsflächen nach den genauen Vorgaben bewirtschaften. Zum Vergleich wird im Betrieb von Jan-Henrik Schöne eine andere Fläche weiterhin konventionell bewirtschaftet. Auch der Biobetrieb legt eine Vergleichsfläche ähnlicher Größe mit ähnlichen Standorbedingungen an – mit seiner Striegeltechnik leistet er dabei Jan-Henrik Schöne Unterstützung. „Insgesamt wird ermittelt, wie groß die Unterschiede in den Erträgen einerseits und in der Insektenvielfalt andererseits sind“, sagt Biolandwirt Meyerdierks.

Jan-Henrik Schöne hat den Ackerstriegel vom Kollegen bereits ausprobiert: „Er reißt Unkraut aus dem Boden, das dann bei Sonnenschein an der Oberfläche vertrocknet. Kleine Unkräuter werden verschüttet und haben keine Chance mehr zu wachsen, da sie keine Sonne und keinen Sauerstoff mehr zur Verfügung haben“, sagt Jan-Henrik Schöne. „Zugleich regt der Striegel das Wachstum der Ackerfrucht an und belüftet die Wurzeln“, sagt Tetje Meyerdierks, der auf seinen Flächen schon seit Jahren gute Erfahrungen mit dem Gerät gemacht hat.

Kleine Insektenhotels stehen mitten in den Flächen und weisen Wildbienen nach, mit weiteren Methoden wird die Insektenbesiedlung insgesamt erfasst. Im Rahmen des „Finka“-Projekts sind zukünftig Feldtage auf der Brundorfer Fläche geplant, um Landwirten und Interessierten die Ergebnisse des Vorhabens vorzustellen. Das Landvolk Osterholz wird dazu öffentlich einladen. „Die Bereitschaft, die Insektenvielfalt zu fördern, ist insbesondere unter jüngeren Landwirten groß“, sagt Tetje Meyerdierks.

Info

Zur Sache

Das Projekt „Finka“ will Insekten im Ackerbau“ fördern

Im Rahmen des Projekts „Finka“ sind in Niedersachsen 30 konventionell wirtschaftende Betriebe Partnerschaften mit 30 ökologisch arbeitenden Betrieben eingegangen. Sie liegen überwiegend im östlichen und mittleren Niedersachsen und sind maximal 15 Kilometer voneinander entfernt. Den Erfolg der Maßnahmen sollen Biologen aus der Projektgruppe durch spezielle Insektenfallen, Nisthilfen und Kameras dokumentieren, indem sie Veränderungen im Artenspektrum und in der Anzahl der Insekten bestimmen. Auch die sich verändernde Ackerbegleitflora wird erfasst. (jöh)

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