Charity-Aktion in Lüssum

Brunnen für Bangladesch

Seit Jahren organisiert die Lüssumer Friseurin Inci Kara Benefizaktionen für Menschen in speziellen Notlagen. 4300 Euro für zwei Projekte sind bei der letzten Aktion zusammengekommen.
23.12.2018, 12:16
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Sylvia Wörmke
Brunnen für Bangladesch

In Bangladesch wurde ein Brunnen mit Spenden aus Bremen-Nord gebaut.

Help Dunya

Lüssum-Bockhorn. In Bangladesch steht nun ein „Bremen Nord Brunnen“. Es gibt ein Video darüber, wie er gebaut und eingeweiht wurde. Als Inci Kara das sah, die einen Friseursalon in Lüssum betreibt, hat sie geweint. Es flossen viele Tränen, sagt sie. Die Friseurin hat mit einer Benefizaktion, die von Kunden, ihrem Team, ihrer Familie, Freunden und Lüssumern unterstützt wurde, diesen Brunnen in einem Dorf ermöglicht. Es war nicht die erste Hilfsaktion für einen Menschen oder einen guten Zweck. Es soll auch nicht die letzte sein. Nun möchte die 48-Jährige einem somalischen Jungen helfen, dessen Gesicht durch einen Tumor entstellt ist.

Genau genommen gibt es in Bangladesch nun zwei Brunnen aus Bremen-Nord. Die Friseurin und ihr 16-jähriger Sohn Ilcan hatten schon dafür gesorgt, dass einer gebaut werden konnte. Er trägt den Namen von Mutter und Sohn. Zufällig war die Lüssumerin im Internet auf die gemeinnützige Hilfsorganisation „Help Dunya“ gestoßen, die sich überall auf der Welt für bedürftige Menschen einsetzt. Das Motto der Organisation: „Hilfe kennt keine Nationalität oder Herkunft, sie kennt kein schwarz oder weiß, sondern nur ein hier und jetzt!“.

Sie wurde von Morteza Eshghparast und anderen Mitstreitern gegründet. Er ist in Bremen-Nord als früherer Vorsitzender des SV Lüssum und aktiver Ringer bekannt. Der Geschäftsmann hat zudem im Haven Höövt ein Café betrieben und ist Inhaber einer Werbeagentur. Inzwischen ist er aus Zeitgründen kaum noch in Nordbremen, sondern arbeitet und betreibt Sport in der Stadt.

Die Informationen und Videos des Vereins haben Inci Kara berührt. Die Menschen in Bangladesch müssen kilometerweit laufen, um Trinkwasser zu holen. Brunnen sind selten. „Ich fühlte mich schlecht. Hier drehen wir einfach einen Hahn auf. Ich musste etwas machen“, erzählt sie. Inci Kara und ihr Sohn spendeten also. „Das haben meine Kolleginnen gesehen und wollten auch etwas machen“, beschreibt sie, wie es weiterging. Ihre Überlegung war dann: „Man müsste mehr machen.“

Inci Kara hat in Lüssum mit einem Charity-Frisieren 4300 Euro eingenommen.

Inci Kara hat in Lüssum mit einem Charity-Frisieren 4300 Euro eingenommen.

Foto: Christian Kosak

Daraus wurde eine große Benefizaktion. Die Friseurin und ihr Team sowie Juljana Peach, eine befreundete Friseurin aus Grohn, schnitten zum Preis von zwölf Euro die Haare von Männern und Frauen im Salon Inci im Neuenkirchener Weg. Die Kunden der Aktion belohnten den Einsatz, indem sie überwiegend weitere Beträge obendrauf legten. Gleichzeitig ermöglichte Pastorin Ulrike Florian in den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde Lüssum einen Flohmarkt und gestaltete passend zum Thema Menschlichkeit einen Gottesdienst, bei dem Inci Kara von der Hilfsorganisation und den Projekten erzählen durfte. Lüssumer Geschäftsleute und Anwohner unterstützten den Benefiztag auf jeweils eigene Weise, indem Lebensmittel oder selbst gekochte Gerichte für ein Buffet gespendet wurden.

Der gesamte Erlös von 3500 Euro wurde gespendet. Da auch die Friseurin noch Geld dazu gab und nachträglich von Kunden und Lüssumern gespendet wurde, kamen letztlich 4300 Euro zusammen. Für den „Bremen Nord Brunnen“ wurden davon 1500 Euro eingesetzt. Die Differenz kam einem Waisenhaus des Vereins in Somalia zugute, wo die Hilfsorganisation, wie auch in anderen Ländern, aktiv ist. Da Mitglieder von „Help Dunya“ die Projekte vor Ort betreuen, wurden sie auf einen fünfjährigen Jungen aufmerksam, der durch einen Tumor entstellt ist. Ein neues Hilfsprojekt für Inci Kara. „Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe braucht“, sagt Inci Kara, „kann ich nicht weggucken“.

Sie hat erfahren, dass der fünfjährige Fouad in Istanbul operiert wurde. „Eine Operation reicht aber nicht.“ Er muss jetzt mit Medikamenten behandelt werden, vermutlich wochenlang, ehe weitere Eingriffe möglich sind. Der Tumor sei nicht bösartig, könne sich aber weiter vergrößern, ergänzt Eshghparast. Der Junge habe auch schon ein Auge verloren, er werde von einem Ärzteteam eines privaten Krankenhauses behandelt. Er sei zudem in der Obhut von Vereinsmitgliedern.

Die Lüssumer Geschäftsfrau hat bereits mithilfe ihres großen Bekannten- und Familienkreises dafür gesorgt, dass die Unterkunft des kleinen Somaliers in einem preisgünstigen Hotel bezahlt wird. Geschäftsleute aus Istanbul, die sich in einem gemeinnützigen Verein engagieren, „werden nun auch für den Jungen sammeln“. Die Operationen kosten sehr viel Geld. Darum steht auch im Friseursalon eine Spendendose. Zudem wird noch Schmuck, Reste vom Flohmarkt, gegen eine Spende für „Help Dunya“ verkauft.

Inzwischen hat die engagierte Geschäftsinhaberin, die seit 23 Jahren ihren Salon in Lüssum führt, mehrfach Gutes getan. Sie unterstützte vor Jahren die Familie eines an Krebs erkrankten Kindes und organisierte 2005 Benefiztage für Tsunamiopfer. Nachdem eine Kollegin an Leukämie erkrankte und sie 2009 auch von zwei Bremer Kindern mit Blutkrebs erfuhr, sammelte sie mit ihren Aktionen 5220 Euro und weitere Spenden zugunsten von Typisierungsaktionen an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei.

Auch sonst ist sie aktiv, wenn es um Hilfe für andere geht. „Das macht mich glücklich“, sagt sie. Das Engagement sei eine Herzenssache für sie. Dabei denkt die in der Türkei in einem „ärmlichen anatolische Dorf“ geborene Frau auch daran, dass ihr Leben ganz anders verlaufen wäre, wenn ihr Vater, er arbeitete auf dem Vulkan, seine Familie 1978 nicht nach Deutschland nachgeholt hätte. Inci Kara war damals sieben Jahre alt.

„Ich bin meinem Vater sehr dankbar, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, hier zu leben.“ Außerdem ist sie ein hilfsbereiter Mensch. „Ich kann die Welt nicht retten“, kennt sie die Grenzen ihres eigenen Engagements genau, aber sie weißt: „Ich kann auch nicht weggucken“. Darum ist sie jetzt auch Mitglied bei „Help Dunya“ geworden und wird mit der Organisation in wenigen Tagen, Ende Januar 2019, für eine Woche nach Bangladesch reisen. Nicht nur, um die Brunnen aus Spendengeldern zu begutachten. Sie bietet auch ihre Unterstützung bei den Projekten an.

Info

Zur Sache

Help Dunya

Die Hilfsorganisation „Help Dunya“, gegründet von den Bremer Geschäftsleuten Morteza Eshghparast und Bünyamin Serefliogluon sowie Mitstreitern, ist in sieben Ländern mit Hilfsprojekten vertreten. Das Wort Dunya steht in vielen Sprachen für den Begriff Welt. Auf der Website www.help-dunya.com gibt es dazu weitere Informationen. Die Mitglieder setzen sich für die Bedürftigen der Naturkatastrophen von Dürre oder Erdbeben ein und unterstützen Kriegsflüchtlinge. Zu den Projekten zählt die Verteilung von Lebensmittelpaketen, aber auch Schulen, ein Waisenhaus, ein Ärztehaus und Brunnen wurden und werden gebaut. Zudem wird pädagogische Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten geleistet. Beispielsweise soll mit dem Projekt „ Spiel und Spaß“ dazu beigetragen werden, die Fähigkeiten der Kinder zu fördern und dass sie das Erlebte durch Spaß und Spiel verarbeiten. „Wir grenzen niemanden aus, machen uns stark für die Schwachen, Armen und Waisen, egal welcher Religion oder Herkunft sie angehören“, heißt es auf der Internetseite.

Die Organisation mit Sitz in der Flughafenallee 25 in der Neustadt ist erreichbar unter der Mobilnummer 0171 3788202. Spendenkonto: Sparkasse Bremen, Help Dunya e.V., IBAN: DE46 2905 0101 0082 316514; BIC:SBREDE22XXX

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+