Weyher will sich im Literatur-Geschäft durchsetzen Buchautor, Verleger, Jugendlicher

Wie gern würde der 17-jährige Florian Krüger richtig Geld verdienen mit seinem Erstlingswerk. Erst belächelt und von markenrechtlichem Zwist geplagt, ist "Einfach.Familie" nun gedruckt, der eigene Verlag gegründet.
04.10.2014, 15:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Buchautor, Verleger, Jugendlicher
Von Sebastian Kelm

Wie gern würde Florian Krüger richtig Geld verdienen mit seinem Erstlingswerk „Einfach.Familie“, vielleicht sogar reich damit werden. Reich an Erfahrungen ist der Nachwuchsautor bereits: Erst belächelt und von markenrechtlichem Zwist geplagt, ist sein Buch nun gedruckt, der eigene Verlag gegründet. Was an sich nicht so außergewöhnlich wäre – wäre er nicht erst 17 Jahre alt.

Auf die Frage, ob er die Geschehnisse der vergangenen eineinhalb Jahre noch einmal würde durchleben wollen, scheint Florian Krüger nur gewartet zu haben. „Zum Glück wusste ich nicht, was da alles auf mich zukommt“, gibt der angehende Abiturient aus Weyhe im Landkreis Diepholz lächelnd zu Protokoll. Nun aber hält er endlich das in Händen, worauf er so lange hingearbeitet hat, weshalb er so viele Rückschläge in Kauf genommen hat: ein Exemplar der ersten 1000er-Auflage seines gesellschaftskritischen Unterhaltungsromans „Einfach.Familie“.

Während der 17-Jährige zumindest keinen Hehl aus zwischenzeitlichen Selbstzweifeln macht, zeigen sich seine Geschäftspartner Siard Schulz und Joshua Brauns ungebrochen überzeugt vom literarischen Talent ihres besten Freundes. Sie waren von Beginn an begeistert von seiner Geschichte über einen viel beschäftigten Arzt, Ehemann und Vater von zwei Kindern, der immer mehr in der „Tretmühle des modernen Lebens“ festhängt. Auch seine Eltern glauben offenbar so sehr an das Erfolgspotenzial dieses Stoffes, dass sie ihrem Filius einen nach dessen Angaben „knapp fünfstelligen Betrag“ als Startkapital zur Verfügung stellten.

Das Geld brauchte er, um einen eigenen Verlag zu gründen, denn mit anderen Verlagen wurde er – trotz Interessensbekundungen – nicht einig. Gerade einmal drei Prozent Anteil an den Verkaufserlösen, dazu noch eingeschränktes Mitspracherecht bei der Gestaltung, das sei für ihn schlichtweg inakzeptabel gewesen. Zur Finanzspritze stellt er klar: „Ich will nichts geschenkt haben, werde alles zurückzahlen, wenn sich das Buch verkauft.“

Doch mit der Entscheidung, den Roman in Eigenregie zu veröffentlichen, waren mitnichten sämtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt. Im Gegenteil: Der zunächst auserkorene Firmenname „The Change“ war bereits belegt, wie Florian Krüger und seine Mitstreiter feststellen mussten. „Es hätte markenrechtliche Probleme geben können“, erzählt er. „Gezwungenermaßen“ habe man sich in „Jung & geistreich“ umbenannt. „Da geriet ganz kurz unser ganzes Projekt ins Wanken. Schließlich gab es schon Website und Imagefilm, die mussten dann noch mal geändert werden“, so Florian Krüger.

Mittlerweile finde man diese Wahl sogar passender. Dass dieser Verlagsname unbedenklich ist, hat sich das Trio von Fachanwälten bescheinigen lassen. Nun sei „Jung & geistreich“ gemäß Nizza-Klasse 16 beim Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet. „Ich wusste doch vorher auch nicht, dass so etwas existiert“, räumt er ein. Im Handelsregister, so Florian Krüger, ist man seit Kurzem offiziell eingetragen – aufgrund seiner Minderjährigkeit aber unter dem Namen seiner Mutter. Nicht zuletzt als ein Dank dafür ist „Einfach.Familie“ seinen Eltern gewidmet.

Dann aber die nächsten Ernüchterungen bei dem Versuch, das Buch bei den einschlägigen Großhändlern zu platzieren. Florian Krüger: „Die erste Frage bei den Gesprächen war, ob unser Verlag mehr oder weniger als 500 Titel hat. Als sie hörten, dass es ein einziger ist, wollten die meisten am liebsten gleich wieder auflegen, glaube ich.“ Das siebenseitige Marketingkonzept habe aber dazu geführt, ernst genommen und letztlich gelistet zu werden. Prinzipiell, das vermeldet der Autor/Verleger stolz, ist sein knapp 300 Seiten umfassendes Buch seit Anfang des Monats bundesweit im Buchhandel erhältlich – zumindest per Bestellung. Ganz gezielt setzt man auch auf Kooperationen mit regionalen Handlungen und den eigenen Online-Shop auf www.jungundgeistreich.de.

Und so sind Florian Krüger und seine beiden Schulfreunde, die sich für ihn um Werbung und Öffentlichkeitsarbeit kümmern, heilfroh, trotz aller Unwägbarkeiten nicht aufgegeben zu haben. Joshua Brauns hofft darauf, dass die Zeit den Klinkenputzens vorbei ist: „Nun kommen die glamourösen Aufgaben auf uns zu. Wir dürfen raus aus dem stillen Kämmerlein und der Welt zeigen, was wir gemacht haben.“

Siard Schulz beleuchtet noch eine andere Dimension: „Jetzt wollen wir Geld einnehmen, um anderen Autoren etwas bieten zu können.“ Denn der Plan lautete von Anfang an, mit dem Verlag nicht nur sich selbst zu vermarkten, sondern auch für andere Jungautoren eine Plattform zu sein. Den inzwischen schon recht ansehnlichen Erfahrungsschatz der drei Köpfe hinter „Jung & geistreich“ soll es gratis dazu geben. Florian Krüger: „Spezialisten sind wir noch lange nicht, aber wir können den Leuten einiges von dem ersparen, was wir mitgemacht haben.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+