Fachausschuss beschäftigt sich am Donnerstag mit geplantem Windpark an der Sannauer Helmer

„Bürgerbeteiligung erhöht die Akzeptanz“

Wenn der Windpark an der Sannauer Helmer mit seinen geplanten 33 Anlagen erst einmal steht, sollen nicht nur große Firmen an dem gewonnen Strom verdienen. Auch Bürger sollen sich beteiligen können. Einige Lemwerderaner haben bereits investiert. Der Bau- und Straßenausschuss der Gemeinde wird sich in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag mit dem Windpark beschäftigen.
03.08.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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„Bürgerbeteiligung erhöht die Akzeptanz“
Von Barbara Wenke

Wenn der Windpark an der Sannauer Helmer mit seinen geplanten 33 Anlagen erst einmal steht, sollen nicht nur große Firmen an dem gewonnen Strom verdienen. Auch Bürger sollen sich beteiligen können. Einige Lemwerderaner haben bereits investiert. Der Bau- und Straßenausschuss der Gemeinde wird sich in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag mit dem Windpark beschäftigen.

Lemwerder. "Windpark Sannauer Helmer/mögliche investive Beteiligung von Bürger/innen" lautet der vierte Punkt der Tagesordnung des nächsten Bau- und Straßenausschusses in Lemwerder am kommenden Donnerstag. Viele Informationen werde es zu dem Punkt allerdings nicht geben, räumt Fachbereichsleiter Stephan Dickel im Vorfeld der Versammlung ein. "Der genaue Beteiligungsrahmen, die Konditionen und die Größe der Anteilsscheine, ist noch nicht definiert." Das Thema habe es nur auf die Tagesordnung geschafft, weil ein Ratsmitglied einen entsprechenden Antrag eingereicht hatte.

So verweist Dickel auf bereits Bekanntes: Die Elsflether BFZ-Energie GmbH (Büro für Zukunftsenergie) werde Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Lemwerder Beteiligungen an zwei oder drei der von ihr geplanten sieben Anlagen ermöglichen. "Wie die Beteiligung aussieht, können wir erst während des Bauens sagen", wirbt auch Peter Jelkmann von der BFZ um Geduld.

Einen Schritt weiter sind ein Dutzend Landwirte aus dem Bereich rund um die Sannauer Helmer. "Ich habe alle Landeigentümer angesprochen", blickt Landwirt Henning Woltjen zurück. Sieben hätten sich dafür interessiert, selbst Eigentümer einer Windkraftanlage zu werden. Im Gegenzug dafür, dass sie Nutzungsverträge für ihren Grund und Boden unterschrieben haben, dürfen die Mitglieder des eigens gegründeten Windparks Sannauer Feld eine eigene Anlage errichten. Über das Investitionsvolumen möchte sich Woltjen nicht auslassen. Mit ersten Gewinnen aus der Windenergie rechnen die Sannauer "ab dem dreizehnten Jahr".

Anlage gekauft, Vertrag geschlossen

Auch in Ochtum haben sich Bürger zusammengeschlossen, um eine eigene Anlage in dem Windpark zu betreiben. "Wir haben uns gedacht: Auf unseren Flächen möchten wir selbst bauen", erinnert sich Landwirt Hans-Heinrich Meyer. Acht Parteien (Familie und Nachbarn) werden sich an der Anlage, die als einzige östlich der ehemaligen Bahnlinie stehen wird, beteiligen.

Die 3-Mega-Watt-Anlage mit einer Nabenhöhe von 149 Metern hat die Gemeinschaft, die unter dem Namen Ochtum Wind firmiert, bereits vom Auricher Windkraftanlagenhersteller Enercon gekauft. Der Vertrag mit der EWE ist geschlossen und ein Transformator reserviert. Auf Dauer hoffen die Ochtumer aber, irgendwann ihren eigenen Strom verbrauchen zu können. "Wir werden für den Strom neun bis 9,5 Cent bekommen, zahlen selbst aber mehr als 20 Cent. Da wäre es schön, wenn man was abzwacken könnte", träumt Hans-Heinrich Meyer schon ein wenig von der Zukunft. "Jetzt hoffen wir aber erstmal, dass wir bald bauen können." Lemwerderaner, die weder dem Windpark Sannauer Feld noch der Gemeinschaft Ochtum Wind angehören, können auf die BFZ Energie GmbH hoffen. An ihren Anlagen können sich "wahlberechtigte natürliche Personen, die ihren ersten Wohnsitz in der Gemeinde haben", beteiligen, teilt das Bauamt auf Nachfrage mit. Ein exaktes Investitionsvolumen sei noch nicht vorherzusagen, erzählt Jelkmann. "Es kommt auf die Maschinen an. Aber so eine große Anlage kostet schon fünf Millionen Euro."

Das Büro für Zukunftsenergie betreibt in den Elsflether Windparks in Huntorf und Wehrder bereits Anlagen, an denen sich Bürger beteiligen konnten. Dort seien Anteilsscheine im Wert zwischen 2500 und 20000 Euro ausgegeben worden. "So hoch wird es in Lemwerder vermutlich nicht werden", blickt Jelkmann voraus. Die Größe hänge unter anderem von den Zinsen der Banken ab. Weil die sich jederzeit ändern könnten, würden die Bürger "kurzfristig informiert". Eines steht für Jelkmann aber jetzt schon fest: "Die Bürgerbeteiligung erhöht die Akzeptanz des Windparks." Insgesamt sollen auf der 462 Hektar großen Fläche an der Gemeindegrenze zu Ganderkesee 33 Windenergieanlagen mit einer Leistung von mehr als 100 Megawatt entstehen, 19 davon auf dem Gebiet der Gemeinde Lemwerder, 14 auf Ganderkeseer Gemeindegebiet. Die Nabenhöhen betragen zwischen 100 und 150 Metern.

Zusätzlich zur möglichen investiven Beteiligung für Bürger unterrichtet die Verwaltung im Bau- und Straßenausschuss am Donnerstag, 8. August, ab 18.30 Uhr im Ratssaal über die Anpassung des Einmündungsbereichs der Sannauer Helmer in die Landesstraße 875 (Hauptstraße).

Brücke ist nicht verkehrstauglich

Beschäftigen werden sich die Ausschussmitglieder ferner mit einer Prioritätenänderung hinsichtlich zweier Fußgängerbrücken in der Gemeinde. Zwar sei die Brücke zwischen dem Mullumring und der Depenflether Straße im Jahr 2011 erneuert worden, doch verzichtete man damals "im Sinne einer sparsamen Mittelverwendung auf die Sanierung der Gründung und Sicherung der Grabenböschung mit Flügelwänden". Durch die sogenannte Gründung (Unterbau) werden alle Lasten aus dem Gewicht der Brücke, Verkehr, Wind, Temperatur und weiteres in den Boden geleitet.

Bereits im Zuge des Brückenaustausches hatte sich gezeigt, dass die Gründung nicht mehr "gebrauchstauglich" und die Verkehrssicherheit somit nicht gegeben sei, geht weiterhin aus der Sitzungsvorlage für die Lemwerderaner Ausschussmitglieder hervor.

Die Verwaltung schlägt deshalb vor, die im Haushalt 2013 eingestellten Mittel in Höhe von 16000 Euro für die Sanierung der Holzbrücke im Sport- und Freizeitzentrum umzuwidmen und für die Sanierung der Brücke am Mellumring zu verwenden. Die Arbeiten an der Brücke vor der Tennishalle, die zwar "erneuerungsbedürftig, jedoch noch gebrauchstauglich und verkehrssicher" ist, sollten in das Jahr 2014 verschoben werden.

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