Atommüll-Endlager Bürgerinitiative soll fachlich arbeiten

Die Bürger des kleinen Ortes Taaken haben sich über die Möglichkeiten des Widerstands, ein Atommüll-Endlager zu werden, ausgetauscht. In naher Zukunft soll daher eine Bürgerinitiative gegründet werden.
08.03.2020, 15:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Lukas Warnecke

Der kleine Ort Taaken in der Gemeinde Reeßum ist, wenn es um das Thema Atommüll geht, mittlerweile längst zu einem Gesprächsthema geworden. Denn nach wie vor gilt Taaken als möglicher Standort für ein Atommüll-Endlager. Nachdem es in den vergangenen Monaten ruhig um dieses Thema geworden ist, hat die Debatte vor Ort am Freitag wieder richtig Fahrt aufgenommen. Angedacht ist die Gründung einer Bürgerinitiative, die nicht nur aktiven Widerstand leisten und ein Zeichen gegen das geplante Atommüll-Endlager setzen, sondern vor allem Informationen auf fachlicher Ebene liefern soll. Das hat die Informationsversammlung ergeben, die am Freitagabend vor großer Kulisse im Reeßumer Mehrzweckgebäude stattgefunden hat.

Die Entsorgung von Atommüll ist ohne Frage ein schwieriges und emotionales Reizthema. Atommüll-Endlager sollen hier die Lösung sein. Dass Taaken auf der Liste für mögliche Standorte steht, wollen sich die Bürger nicht unbedingt bieten lassen. Dies hatte sich schon vor einem Jahr, als die Debatte erstmals aufkeimte, deutlich abgezeichnet (wir berichteten). Reeßums Gemeindebürgermeister Marco Körner, Ortsvorsteher Dieter Precht und Rolf Wedemeyer tun seitdem alles, um ausreichend über die Situation informiert zu sein und gegensteuern zu können. Informationen zu liefern, war daher auch das große Ziel der Bürgerversammlung am Freitagabend. Auf Einladung der Organisatoren war auch das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit mit seiner Ausstellung über die Endlager anwesend.

Vertreter des Bundesamts vor Ort

Dort konnten die Besucher alles über die Geschichte der nuklearen Energie bis hin zu den exakten Details des Endlager-Planes erfahren. Ingo Bautz, Leiter der Abteilung „Öffentlichkeit und Beteiligung“ des Bundesamtes stand den Bürgern an diesem Abend Rede und Antwort. „Wir sind jetzt noch ganz am Anfang“, erklärte Bautz den aktuellen Stand der Dinge. Bis jetzt liege die Auswahl eines Standortes erst in Phase eins von drei geplanten Phasen. Das Bundesamt wolle vor allem den Menschen die Angst vor den Endlagern nehmen. „Das Ziel ist am Ende die Nachvollziehbarkeit“, sagte Bautz. Diese Nachvollziehbarkeit ist auch Rolf Wedemeyer und Marco Körner wichtig. Im dritten Quartal dieses Jahres werden die Teilgebiete bekannt gegeben, in denen ein mögliches Endlager liegen könnte.

Ab dann sind es nur noch wenige Monate, bis ein Widerspruch eingelegt werden kann. Damit dieser vielleicht schon bald notwendige Widerspruch kompetent und fachlich richtig erstellt wird, darum soll sich die Bürgerinitiative kümmern. „Wir müssen aktiv werden, um uns zu informieren“, erklärte Körner. Die Initiative soll Informationen und Fachwissen sammeln, um so ein besseres Verständnis für ein Endlager zu liefern. Dabei gehe es grundsätzlich nicht nur darum, sich gegen ein Endlager in Taaken auszusprechen. „Wir haben diesen Müll nun einmal produziert und müssen ihn jetzt auch irgendwie wieder loswerden“, gab Rolf Wedemeyer zu bedenken. Die Reaktionen des Publikums fielen derweil sehr unterschiedlich aus. Einige Bürger hatten einfache Verständnisfragen über die Funktionen des Endlagers. „Wir haben den Müll nicht produziert, wir wurden nicht gefragt“, widersprach zudem ein Taakener.

Wut gegen Energiekonzerne

Die Wut einiger Bürger richtete sich aber auch gegen die großen Energiekonzerne, die sich nach Meinung einiger Anwesender zu wenig an einer Lösung beteiligen würden. Doch gerade diese Emotionalität soll nach Möglichkeit aus der Bürgerinitiative herausgehalten werden. „Das Wichtigste für mich ist, wirklich informiert zu sein“, sagte Rolf Wedemeyer. Die Bürgerinitiative soll vor allem fachlich arbeiten. Emotionale Reaktionen auf das Thema haben Wedemeyer und Körner jedoch im Vorfeld schon vermutet.

Wie die Zukunft für die Initiative aussieht, ist derweil noch ungewiss. An diesem Abend wurde sie noch nicht gegründet, auch wenn es bereits eine vorläufige von Rolf Wedemeyer geschriebene Satzung gibt. Mithilfe einer E-Mail-Liste soll erst einmal bestimmt werden, wer Interesse an der Arbeit in der Initiative hat. Rolf Wedemeyer und Marco Körner sehen jedoch der Zukunft positiv entgegen und hoffen, an diesem Abend einen ersten wichtigen Schritt gemacht zu haben.

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