Massentierhaltung: Einwohner kritisieren Samtgemeinde Thedinghausen / „Nicht nur die Hand heben“

Bürgerprotest entlädt sich im Rat

Der Samtgemeindeausschuss hatte die mögliche Erweiterung eines Milchviehbetriebes in Felde bereits auf den Weg gebracht. Während der Sitzung am Mittwochabend haben die Grünen mithilfe eines Heranziehungsantrages gehofft, noch einmal öffentlich über das Thema diskutieren zu können – vergeblich.
24.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Elisabeth Hintze
Bürgerprotest entlädt sich im Rat

Am Kuhdamm in Riede-Felde hat Anfang Juli eine moderne Milchviehstallanlage mit Platz für 800 Tiere eröffnet. Wenn die Erweiterung wie geplant vonstatten geht, könnten dort in Zukunft bis zu 1400 Tiere untergebracht werden.

Focke Strangmann

Der Samtgemeindeausschuss hatte die mögliche Erweiterung eines Milchviehbetriebes in Felde bereits auf den Weg gebracht. Während der Sitzung am Mittwochabend haben die Grünen mithilfe eines Heranziehungsantrages gehofft, noch einmal öffentlich über das Thema diskutieren zu können – vergeblich.

Ob sie soeben Zeugin einer Bankrotterklärung der SPD-Fraktion geworden sei, wollte Karin Weinert-Mensen zum Ende der Sitzung von den Mitgliedern des Samtgemeinderates Thedinghausen wissen. Nicht fassen konnte es die Wulmstorfer Bürgerin, dass sich die Lokalpolitiker ihrer Meinung nach der Diskussion um die geplante Erweiterung eines Kuhstalles in Riede entziehen. „Sie müssen sich dem Thema doch stellen, und nicht nur die Hand heben.“ Ihr Appell kam jedoch zu spät: Kurz zuvor hatten die Ratsmitglieder die Änderung des Flächennutzungsplans „Sondergebiet Rindviehhaltung“ endgültig auf den Weg gebracht.

Zur Vorgeschichte: Anfang Juli ist am Kuhdamm in Riede-Felde eine 400 Hektar große Milchviehanlage mit Platz für 800 Tiere eröffnet worden. Die betreibende Kommanditgesellschaft, Agrarbetriebe GCV KG, hatte zu Jahresbeginn bereits einen Antrag für eine mögliche Erweiterung an die Gemeinde gestellt. Damit wäre ein Ausbau auf bis zu 1400 Kuhplätze möglich. Unter anderem hatte der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) harsche Kritik an dem Vorhaben geübt (wir berichteten).

„Für Zukunft Option offenhalten“

Auch während der Einwohnerfragestunde am Mittwochabend im Thedinghauser Erbhof war der Kuhstall das Top-Thema. Von Bürgerseite kochte verstärkt Kritik an der zunehmenden Massentierhaltung in der Samtgemeinde hoch, egal, ob es sich nun um Kühe oder um Schweine handele. Mehrere Anwohner befürchteten eine Einschränkung der Lebensqualität und verwiesen zum Vergleich auf den geplanten Schweinemaststall in Dibbersen. „Die kleinen bäuerlichen Betriebe werden immer mehr verdrängt, ist dem Rat das überhaupt bewusst?“, hieß es von einer Seite.

Kai Glander von der Kommanditgesellschaft äußerte sich selbst zu den Vorwürfen. Derzeit gehe es lediglich um die Errichtung eines Betriebsleiterwohnhauses, eine Aufstockung der Tieranzahl sei nicht geplant. „Ich bin 26 Jahre alt, natürlich möchte ich mir diese Option für die Zukunft offenhalten.“

Wilfried Richter, Mitglied der Grünen im Rieder Rat, hakte bei der Samtgemeinde nach, wer für die Kosten aufkäme, sollten die schweren Landwirtschaftsfahrzeuge den Gemeindestraßen zusetzen. „Das wäre die Allgemeinheit, somit die Gemeinde Riede“, so Samtgemeindebürgermeister Gerd Schröder. Er verwies darauf, dass die Gemeinde Riede den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan bereits im Februar gefasst hatte, der Samtgemeindeausschuss war nun lediglich für die Änderung des Flächennutzungsplans zuständig. Dieser tagte unmittelbar vor der Ratssitzung nicht öffentlich Um den Tagesordnungspunkt noch einmal in die öffentliche Diskussion zu geben, war ein Heranziehungsantrag vonnöten, den die Grünen um Dieter Mensen im Vorfeld gestellt hatten. „Wir können die Öffentlichkeit nicht außen vor lassen“, begründete Mensen den Antrag und appellierte an die Ratskollegen, das Thema erneut zu diskutieren. Dafür erntete er zwar Applaus vonseiten der Bürger – den Heranziehungsantrag lehnte der Rat jedoch ab: mit zwölf gegen zwölf Stimmen bei zwei Enthaltungen. Viele Gegenstimmen kamen aus den Reihen der SPD.

„Ich bin fassungslos“, ereiferte sich anschließend Margret Koch aus Donnerstedt. „Das grenzt schon an Körperverletzung, was wir jeden Tag aushalten müssen.“ Sie spielte damit auf die Geruchsbelastung durch Massenstallanlagen sowie die Belastung des Grundwassers an. Unter „großem Protest“ verließ sie den Saal – mit ihrer Wut stand sie nicht alleine da.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+