Landkreise Osterholz und Rotenburg

Busfahrerstreik sorgt für Lücken im Nahverkehr

Die Busse des Busunternehmens von Ahrentschildt bleiben am 22. und 23. März wegen eines Verdi-Streiks im Depot, nicht betroffen sind die Subunternehmer Schaffert und Wrieden mit deren Schülerverkehr.
23.03.2021, 09:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader
Busfahrerstreik sorgt für Lücken im Nahverkehr

Die Gewerkschaft Verdi hat Busfahrerinnen und Busfahrer im niedersächsischen Nahverkehr zum Streik aufgerufen, bei der Firma OVA bleiben am 22. und 23. März darum die Busse im Depot (Symbolbild).

Robert Michael/dpa

Die Busse sind am Montag im Zevener Depot des Omnibusbetriebs von Ahrentschildt (OVA) GmbH stehen geblieben und sie werden auch an diesem Dienstag, 23. März, bis Betriebsschluss nicht wie gewohnt für den öffentlichen Nahverkehr rollen. Der Grund: Die Gewerkschaft Verdi hat wie berichtet zum Streik aufgerufen. Dem schließen sich auch die Busfahrerinnen und Busfahrer der in den Landkreisen Osterholz und Rotenburg verkehrenden Töchter der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH an. Sie unterstreichen damit ihre Forderung nach einer „deutlich besseren Bezahlung“.

Es seien alle OVA-Busse ausgefallen, sagt EVB-Sprecherin Andrea Stein am ersten Streiktag dieser Zeitung. Im Landkreis Osterholz sind davon die Fahrten der Linien 630, 670 und 640 betroffen. Alternativangebote gebe es nicht im ÖPNV, so Stein. An beiden Streiktagen sei es daher beispielsweise nicht möglich, per Bus von Zeven nach Bremen oder nach Rotenburg zu gelangen.

„Die Streikbeteiligung ist gut“, sagt Franz Hartmann von Verdi auf Nachfrage, „kein Bus fährt raus“. In Niedersachsen legten demnach am ersten Tag rund 2500 Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr die Arbeit nieder, im Landkreis Osterholz etwa 50, der Großteil im Fahrdienst. Bei der OVA seien 60 Busse betroffen, so Hartmann. Der Gewerkschaftssekretär für den Bereich Verkehr im Verdi-Bezirk Bremen-Nordniedersachsen wirbt um Verständnis für diese Entscheidung. Zunächst sei am 13. März gestreikt worden, bewusst habe man sich für einen Sonnabend entschieden, als Zeichen des guten Willens und um den Schülerverkehr und Pendler nicht zu treffen. „Wir wollen nicht unsere Fahrgäste bestrafen“, so Hartmann. Aber das sei von den Arbeitgebern nicht anerkannt worden. Daher nun der Streik am Montag und Dienstag. Am Mittwoch, 24. März, treffen sich die Tarifparteien zur nächsten Verhandlungsrunde.

Anders sieht es bei den von-Ahrentschildt-Subunternehmen aus. „Die sind zum Teil gefahren“, sagt EVB-Sprecherin Stein. Aus diesem Grund betraf der erste Streiktag sowohl im Gymnasium Lilienthal als auch in der IGS Lilienthal nur eine überschaubare Zahl an Schülerinnen und Schülern. Wie viele Fahrgäste insgesamt von dem Streik betroffen seien, lasse sich hingegen nicht sagen. Ähnlich die Auskunft des Landkreises Osterholz hinsichtlich der vom Busstreik betroffenen Schülerinnen und Schüler. Je nach Jahreszeit und ohne coronabedingte Unterrichtseinschränkungen nutzen rund 1600 Kinder das Fahrangebot, so Kreissprecherin Jana Lindemann. Am ersten Streiktag habe die Firma von Ahrentschildt den Landkreis zudem informiert, dass die Linien 610 zur Grundschule Worpswede und die 633 zur Grundschule Trupermoor am Dienstag, 23. März, wie gewohnt verkehren. „Diese Linien werden von den Subunternehmern Wrieden und Schaffert gefahren, die nicht vom Streik betroffen sind“, so Lindemann.

„Wir sind ein anderer Arbeitgeberverband und haben andere Tarife“, begründet der Grasberger Thorsten Schaffert den vertragsgemäßen Einsatz seiner Busse. Weil es aber von vielen Kunden Fragen gegeben habe, finden sich die von der Firma auch an den Streiktagen bedienten Bus- und Taxiangebote auf deren Homepage unter www.schaffert.online/aktuelles.

Jeweils „eine Handvoll“ Schülerinnen und Schüler der IGS Lilienthal seien an den Standorten Lilienthal und Grasberg von dem Busstreik betroffen, sagt der didaktische Leiter der Schule, Thomas Seifert. Am Gymnasium Lilienthal waren acht Schülerinnen und Schüler am ersten Streiktag betroffen, so Schulleiter Denis Ugurcu. „Viele sind mit dem Fahrrad gekommen oder wurden gebracht.“ Besser macht es das für ihn nicht: „Auch wenn sich das in einem überschaubaren Rahmen gehalten hat, es geht um den Einzelfall“, kritisiert er den Busstreik.

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Zur Sache

Arbeitnehmer müssen pünktlich sein

Berufstätige sind trotz des Streiks im öffentlichen Nahverkehr verpflichtet, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen, ist beim Haufe-Verlag nachzulesen. Das sogenannte Wegerisiko liege demnach bei ihnen. Darunter verstehe das Bundesarbeitsgericht das Risiko, wegen absehbarer Verkehrsbehinderungen, wie etwa auch durch Schnee, Glatteis oder umgefallener Bäume, nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz erscheinen zu können. Wurde ein Streik, wie in diesem Falle, angekündigt und damit absehbar, muss alles Zumutbare unternommen werden, um trotzdem den Arbeitsplatz rechtzeitig zu erreichen. Als zumutbar gelten das Ausweichen auf nicht bestreikte Verkehrsmittel, Carsharing oder, in Abwesenheit einer Pandemie, Fahrgemeinschaften. Notfalls müsse der Arbeitsweg auch deutlich früher als sonst angetreten werden.

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