Busse in Achim Kritik an Route der neuen Buslinie

Seit Montag fährt in Achim die neue Buslinie 705. Obwohl viele die Einrichtung der neuen Linie begrüßen, gibt es auch Kritik an der Streckenführung. Derweil haben alle Bürgerbusse den Betrieb eingestellt.
14.12.2020, 17:20
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Kritik an Route der neuen Buslinie
Von Elina Hoepken

Seit diesem Montag fährt in Achim die neue Buslinie 705. Sie schafft erstmals eine Anbindung der Gewerbegebiete in Uesen, Baden und Achim-Ost an den ÖPNV und verbindet diese mit den beiden Bahnhöfen in Achim (wir berichteten). Dies war insbesondere von der Wirtschaft schon länger gefordert worden und rückte mit der Neuansiedlung von Amazon wieder etwas mehr in den Fokus. Die neue Linie verkehrt nun ab sofort zwischen den Bahnhöfen Achim und Baden und fährt auf ihrem Weg durch sämtliche Gewerbegebiete nördlich der Bahnstrecke.

Doch, auch wenn der Start der neuen Buslinie von vielen Pendlern sicherlich begrüßt wird, sorgt die in einem Arbeitskreis aus Vertretern vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN), der Stadt Achim, dem zuständigen Verkehrsunternehmen Weser-Ems-Bus (WEB) und dem Landkreis Verden gemeinsam erarbeitete Streckenführung bereits jetzt bei manchen für Stirnrunzeln. Beispielsweise bei der Achimerin Renate Bless, die sich deshalb an die Redaktion des ACHIMER KURIER gewandt hat. „Ich finde es sehr begrüßenswert, dass dieses Gebiet mit dem öffentlichen Nahverkehr erreicht werden kann. Was ich jedoch nicht verstehe, ist die Trassenführung vom Bahnhof Achim-Nord aus“, schreibt sie. Diese verläuft nämlich über die Straße „An der Eisenbahn“ und von dort aus dann auf die Borsteler Landstraße.

Straße ist sehr schmal

Während die Straße An der Eisenbahn aus Sicht von Renate Bless für einen Bus doch sehr schmal ist, sieht sie auch an der breiteren Borsteler Landstraße Probleme. Denn diese sei werktags auf der rechten Seite, also in Fahrtrichtung Borstel, immer ziemlich dicht zugeparkt und zwinge die Autofahrer bei Gegenverkehr meistens zum „Lückenhüpfen“ in die Grundstückseinfahrten. „Ich stelle mir das schon bei normalem Werktagsverkehr für einen großen Bus schwierig vor und mag gar nicht daran denken, wie sich das gestaltet, wenn auf der Autobahn mal wieder ein Stau ist und sich der dann zusätzliche Verkehr auch noch über diese Landstraße wälzt“, zeigt sich Renate Bless besorgt. „Außerdem muss der Bus noch die 30er-Zone am Kindergarten passieren und erreicht dann die erste Haltestelle nach der Leipziger Straße.“ Eine alternative Streckenführung hält sie indes für viel besser geeignet. „Warum fährt der Bus nicht vom Bahnhof auf die breite Embser Landstraße, über den Kreisel auf die Straße Am Freibad, biegt am Ende links ab auf die Borsteler Landstraße und erreicht dann sogleich die erste Haltestelle nach der Leipziger Straße?“, fragt sie – zumal sowohl die Embser Landstraße als auch die Straße Am Freibad einem Halte- beziehungsweise Parkverbot unterlägen.

Stefan Schuster, Verkehrsplaner der Stadt Achim, sieht die jetzige Streckenführung für die Linie 705 indes als Ergebnis eines intensiven Diskussionsprozesses, den alle Beteiligten durchlaufen hätten. „Natürlich gibt es hier nicht richtig oder falsch“, sagt er. Alles sei immer eine Frage der Abwägung. „An der Embser Landstraße stockt insbesondere am Nachmittag auch öfter mal der Verkehr. Wenn der Bus dort dann immer im Stau steht, bringt uns das auch nichts“, gibt er mit Blick auf den Alternativvorschlag von Renate Bless zu bedenken. Man habe sich daher gemeinsam mit dem Landkreis auf die jetzige Streckenführung geeinigt. Doch Schuster sagt auch, dass sich die neue Buslinie insbesondere zu Anfang noch in einer Testphase befindet. „Wir lassen sie jetzt erst einmal auf der Route fahren und schauen, wie die einzelnen Haltestellen angenommen werden.“ Wenn sich letztlich bessere Alternativen ergeben würden, sei man durchaus auch bereit, Anpassungen vorzunehmen. „Falls wir merken sollten, dass das eine oder andere nicht richtig funktioniert, dann müssen wir da noch einmal nachjustieren.“

Auswertung im Frühjahr

Im Frühjahr wolle man sich dann mit allen Beteiligten noch einmal zusammensetzen und eine erste Analyse machen. „Sicherlich werden wir auch die Abfahrtszeiten an die Schichtzeiten bei Amazon anpassen, sobald diese feststehen, damit die Mitarbeiter dann auch pünktlich zum Schichtbeginn da sind, wenn sie mit dem Bus kommen“, kündigt Schuster an.

Die Streckenführung der Buslinie werde aller Voraussicht nach auch noch einmal angepasst, wenn der geplante Radschnellweg umgesetzt wird.

Info

Zur Sache

Bürgerbusse stellen Betrieb ein

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Gespräche der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten der Länder haben sich die umliegenden Bürgerbus-Vereine aus Achim, Ottersberg, Oyten und Sottrum entschieden, den Busbetrieb in der Zeit von Mittwoch, 16. Dezember, bis einschließlich Sonnabend, 9. Januar, einzustellen. Das haben die Vereine in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärt. Diese Maßnahme sei auch vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) empfohlen worden. „Um die beschlossenen Corona-Regeln zu unterstützen und damit dafür zu sorgen, dass die aktuell steigenden Infektionszahlen wieder gesenkt werden, haben sich die Vereine schweren Herzens für diese Maßnahme ausgesprochen“, heißt es. Die Fahrerinnen und Fahrer seien überwiegend Teil der älteren Bevölkerungsgruppe und zählten damit, ebenso wie viele der Fahrgäste, zu den besonderen Risikogruppen. „Daher leisten die Vereine mit der nun folgenden Betriebsruhe den dringenden Appellen der Regierung und der Virologen Folge, Kontakte soweit wie möglich einzuschränken.“ Ob ab 10. Januar tatsächlich eine Wiederaufnahme des Fahrbetriebs erfolgt, hänge indes von der Entwicklung der Pandemie und den weiteren Beschlüssen des Bundes und der Länder ab. „Die Vereine werden sich dazu mit den zuständigen Stellen und auch untereinander abstimmen“, kündigen sie an.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+