Behinderung "Café im Clüverhaus" will Schwellen abbauen

Achim. Dieter Haase, Geschäftsführer der Waldheim-Werkstätten für behinderte Menschen, zieht nach einem Jahr "Café im Clüverhaus" ein rundum positives Resümee. Er spielt darauf an, dass Integration in zwei Richtungen funktioniert.
03.03.2010, 05:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Ralf Michel

Achim. 'Wir freuen uns auf diese Chance zur Integration.' Überaus optimistisch hatte Dieter Haase, Geschäftsführer der Waldheim-Werkstätten für behinderte Menschen Anfang März 2009 den Startschuss für das 'Café im Clüverhaus' gegeben. Genau ein Jahr später zieht Haase ein rundum positives Resümee. 'Wenn es so bleibt, war dieses Café eine Superentscheidung - Stiftung und Werkstätten haben jetzt eine wirkliche Visitenkarte in Achim.' Was darauf anspielt, dass Integration in zwei Richtungen funktioniert.

Einerseits führt das Projekt behinderte Menschen aus dem geschützten Raum der Waldheim-Werkstätten in Bierden heraus. Andererseits bedeutet das Café aber auch für Menschen ohne Behinderung die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit den Beschäftigten der Werkstätten zu kommen. 'Wo ist das sonst möglich? Bierden ist weit!', stellt Dieter Haase fest. So konnten auf beiden Seiten Schwellenängste abgebaut werden.

Die waren bei den sechs Behinderten, die in dem Café bedienen, am Anfang schon sehr groß, erzählt der Waldheim-Geschäftsführer. 'Sie waren sehr unsicher, hatten auch Angst und waren froh, wenn sie sich in die Küche verkrümeln konnten.' Doch das ist längst Vergangenheit. Mit dem erfolgreichen Betrieb des Cafés wuchs das Selbstwertgefühl. 'Wenn heute mal eine Unsicherheit auftritt, wird sie mit einem Lächeln überdeckt. Das war anfangs nicht denkbar', freut sich Haase, dass das Kalkül, die behinderten Menschen behutsam an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen, aufgegangen ist.

Mittelfristiges Ziel ist es, einen oder mehrere der Beschäftigten in einem 'normalen' Betrieb unterzubringen. Doch dies bleibt trotz aller Erfolge im Clüver-Café ein schwieriges Unterfangen. 'Wenn ein Arbeitgeber nicht nur unternehmerisch denkt, wenn er nicht 100 Prozent Leistung erwartet, sondern den sozialen Gedanken berücksichtigt und sich ein wenig Zeit nimmt, dann könnte es klappen', hat Haase die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Denn dass die Beschäftigten des Cafés inzwischen fit sind in ihrem Arbeitsfeld, daran besteht für die Verantwortlichen kein Zweifel. 'Wir haben hier Gesellschaften von bis zu 70 Leuten, da muss jeder Handgriff sitzen', erzählt Angela Brandes-Dede, die Leiterin des Betriebes. Gemeinsam mit Claudia Enkemeier arbeitet Brandes-Dede die Beschäftigten der Waldheim-Werkstätten in dem Café ein. Das beginnt in der Küche mit hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und führt über die Bedienung im Café bis hin zur Abrechnung an der Kasse. Geübt wird dabei immer wieder auch mit Rollenspielen, um die Behinderten auf mögliche Situationen im Cafébetrieb vorzubereiten.

Inzwischen habe das Café zahlreiche Stammgäste, selbst Schüler würden im gemütlichen Ambiente des alten Fachwerkhauses gerne ihre Freistunden verbringen, erzählt Claudia Enkemeier. Was dafür sorgt, dass die Rechnung auch in anderer Hinsicht aufgeht. 'Wir schaffen eine schwarze Null', zieht Dieter Haase für den wirtschaftlichen Bereich ebenfalls ein positives Fazit.

Doch bei diesem Resümee wollen es die Waldheim-Werkstätten nicht bewenden lassen. Stattdessen werden eifrig Zukunftspläne geschmiedet. Noch für diesen Monat ist eine Ausstellungseröffnung geplant, interessierte Künstler können sich unter Telefon 04202/953999 melden. Auch jungen Musikern soll in dem Café ein Forum geboten werden. 'Wer sein Können gerne mal einem Publikum vorstellen möchte, ist herzlich willkommen. Ein Klavier ist im Clüverhaus vorhanden', lautet das Angebot von Dieter Haase. Auch für Vorträge und Lesungen könne das Café genutzt werden. Zudem wird in den nächsten Monaten das Kaminzimmer im Clüverhaus für kleine Veranstaltungen hergerichtet.

Eine weitere Idee ist mit einem Wunsch an die Stadt Achim verbunden: 'Schön wäre es, wenn es der Stadt gelingen würde, den Weser-Radwanderweg an der Achimer Mühle vorbei durch die Innenstadt zum Clüverhaus ins Bauernviertel zu führen.' Schließlich gibt es, sobald die Witterung es zulässt, im Café auch die Möglichkeit, den selbstgebackenen Kuchen und das Bauernhof-Eis aus Intschede in Sitzgruppen im Außenbereich zu genießen.

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