Urlaub in der Natur

Camping-Branche erwartet mehr Gäste

Die Betreiber von Camping-Plätzen bereiten sich auf den Saison-Start vor. Dabei steht wegen der Pandemielage noch nicht fest, wann genau es wieder losgehen kann.
11.03.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Irene Niehaus
Camping-Branche erwartet mehr Gäste

Bald ist wieder Saison: Ralf Soujon, Betreiber des Campingsplatzes in Neu Helgoland, bringt die Anlage auf Vordermann.

CARMEN JASPERSEN

Campingplätze waren im vergangenen Sommer gefragt wie selten zuvor. Wegen der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Einschränkungen wollten viele lieber Urlaub in Deutschland machen. Das könnte auch in diesem Jahr so sein. Mit dem Frühjahr startet in diesen Tagen die neue Camping-Saison – sollten die Betreiber wieder öffnen dürfen.

Die Bereitschaft jedenfalls ist da: Bei Ralf und Diana Barten-Soujon in Neu Helgoland in Worpswede gibt es derzeit so viele Anfragen wie noch nie – dabei steht noch nicht mal fest, wann die Saison losgehen kann. Es seien bereits mehr Buchungen als im Frühjahr vergangenen Jahres per Mail eingetrudelt, berichtet Diana Barten-Soujon. Ausgebucht sei der Platz auch für den Sommer aber noch nicht.

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Normalerweise beginnt die Saison auf dem Campingplatz an der Hamme am 1. April. Doch ob das klappt, ist wegen der Pandemie-Beschränkungen noch ungewiss. Allerdings zeigt sich bei einem schwierigen Start ein erster Hoffnungsschimmer. Nach Signalen aus Berlin hält Ralf Soujon erste Corona-Lockerungen bei der Außengastronomie für möglich. Dann kann er vielleicht Ostern zumindest seinen Biergarten wieder öffnen.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen auf dem Worpsweder Campingplatz wie gewohnt. Das Ehepaar und seine Helfer renovieren, bauen um und gestalten die Plätze neu. Soujon berichtet, dass die Stromversorgung verbessert wurde und es mehr Steckdosen gibt. Wegen der Unmengen an Maulwurfshaufen ließen die Betreiber zuvor das Gelände von Fachleuten umpflügen und einebnen, damit die Wohnwagen wieder auf gerader Fläche stehen können. Sie legten zudem einen neuen Wasseranschluss auf dem von der Gemeinde gepachteten Areal. Weil das Gelände wegen seiner Flusslage stark der Witterung ausgesetzt sei, hätten Holz und Stein wieder Moos angesetzt, das nach jeder Winterpause entfernt wird, erzählt Soujon.

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Auf den Saisonstart freut sich der 60-Jährige. Er vermutet, dass die Camper auch in diesem Jahr verstärkt in Deutschland bleiben werden. Im vergangenen Sommer hatte er nach eigenen Angaben 20 bis 25 Prozent mehr Übernachtungen. Grundsätzlich erlebe Camping aber schon seit einiger Zeit einen Boom, Corona habe ihn nur verstärkt. „Solange die Corona-Krise besteht, werden die Zahlen höher sein als in durchschnittlichen Jahren, danach werden sie wieder runtergehen, dann aber höher bleiben als vor Corona“, mutmaßt Soujon.

Bereits für den Sommer komplett ausgebucht sind die Mietwohnwagen und Hütten auf dem großen Campingplatz, den Silvana Zampich in Hepstedt betreibt. Zeltplätze und Stellplätze für Wohnmobilisten sind dagegen noch zu haben. Buchungen nimmt Zampich allerdings angesichts der Corona-Beschränkungen derzeit nicht an, für Himmelfahrt hat sie einen Stellplatz nur unter Vorbehalt vermietet.

ROW: Silvana Zampich, Betreiberin des Platzes in Hepstedt

Es gibt viel zu tun: Silvana Zampich empfängt in Hepstedt Gäste.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Den Trend zum Campingurlaub kann sie bestätigen, die Zahl ihrer Übernachtungsgäste sei sowohl bei den Dauercampern als auch den Urlaubern von Jahr zu Jahr gestiegen. Besonders viele Touristen, fast alles Deutsche, wollten im vergangenen Jahr bei ihr die Sommerferien verbringen, „viele aus Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, NRW und auch Niedersachsen“, erzählt Silvana Zampich. Bremer kämen auch gerne mal fürs Wochenende, um auf dem Nordpfad zu wandern oder eine Radtour zu unternehmen.

Jetzt ist sie dabei, das Gelände auf Vordermann zu bringen, das Waschhaus ist neu gestrichen, alle Lampen sind ausgetauscht, mit dem Hochdruckreiniger säubert sie Duschen und Toiletten, in den Herren-WCs werden demnächst die Urinale ausgetauscht, auf dem Spielplatz stehen eine neue Schaukel und Kleinkind-Rutsche.

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Einen kurzfristigen Boom an Übernachtungen von Touristen erlebte im vergangenen Jahr der Campingplatz am Rethbergsee in Tarmstedt, der vor allem für Dauercamper ausgelegt ist. „Das ging über vier bis sechs Wochen, da mussten wir einigen Leuten absagen“, erzählt Simon Pfleging. Für die nächste Feriensaison seien bislang nur sehr wenige Buchungen eingegangen. Aber das könnte sich schnell ändern.

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Zur Sache

Drei starke Jahre

Deutschlands Campingplätze profitieren seit Jahren von der großen Nachfrage nach Urlaub in der Natur. Nach den jüngsten Schätzungen des Bundesverbandes der Campingwirtschaft wird die Zahl der Übernachtungen auf Campingplätzen etwa fünf Prozent hinter dem Rekordjahr 2019 liegen, während die gesamte Tourismusbranche mit Einbußen von rund 40 Prozent rechnet. Das Jahresergebnis 2020 nehme mit über 34 Millionen Übernachtungen nach den zwei Rekordjahren 2019 und 2018 den dritten Platz der Campinggeschichte ein. Unter deutschen Gästen sei Campingurlaub im eigenen Land dazu so beliebt wie noch nie zuvor.

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