Verden CDU will mehr über Migranten wissen

Verden. Das vieldiskutierte Buch von Thilo Sarrazin hat die Kreisverdener CDU mobilisiert. Das Thema Integration aufnehmend, hat die CDU-Kreistagsfraktion jetzt das Gespräch mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Verden (Ditip) gesucht.
29.09.2010, 06:00
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Von Johannes Heeg

Verden. Das vieldiskutierte Buch des Ex-Bundesbankers und früheren SPD-Politikers Thilo Sarrazin hat die Kreisverdener CDU mobilisiert. Das Thema Integration aufnehmend, hat die CDU-Kreistagsfraktion jetzt das Gespräch mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Verden (Ditip) gesucht.

'Wir wollen nicht übereinander sprechen, sondern miteinander. Darum sind wir hier', sagte Fraktionschef Wilhelm Hogrefe zur Begrüßung. Die Atmosphäre im türkischen Gemeindezentrum an der Grünen Straße war freundlich und unverkrampft. Die Gastgeber reichten frisch gebrühten Tee und luden die Politiker zu einer Besichtigung der Räume ein. Ertan Unlü, der Vorsteher der türkischen Gemeinde, hatte ein Papier vorbereitet, in dem die Ziele des Vereins zusammengefasst sind.

An erster Stelle steht der Hinweis, dass sich die Ditip-Mitglieder in Verden und in ganz Deutschland zum Grundgesetz und zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland bekennen. 'Da gibt es kein Wenn und kein Aber', so Unlü. Die Gemeinde lege Wert auf Freundschaft, Achtung, Nachsicht, Toleranz und Solidarität der Menschen untereinander und gegenüber Andersgläubigen. 'Diese Ziele stimmen mit den Grundsätzen des Islam überein', so Unlü. Jede Art von Gewalt und jeder Aufruf zu Gewalt werde abgelehnt. Allerdings müsse jeder in seiner kulturellen Andersartigkeit respektiert werden. 'Die Einwanderer sind doch eine Bereicherung, finde ich.'

Ralf Vogt, der Integrationsbeauftragte des Landkreises Verden, berichtete, dass die Kreisvolkshochschule Integrationskurse speziell für Mitglieder der Ditip anbiete. Richtig gut besucht gewesen seien die Kurse aber erst, nachdem sie außerhalb der KVHS abgehalten wurden und eine Kinderbetreuung angeboten worden sei. 'Dann waren die Kurse voll', so Vogt. Angespornt durch die Fortschritte der Frauen, hätten dann auch die Männer Deutsch lernen wollen. Auch der Iman, der Prediger, habe einen Sprachkurs absolviert.

Das Bildungssystem nutzen

Gut angenommen worden seien die Alphabetisierungskurse. 'Wer seine Herkunftssprache nicht gut kann, tut sich auch bei der deutschen Sprache schwer', so Vogt. Während die Mitglieder der Ditip-Gemeinde offen seien für die Bildungsangebote des Landkreises, seien die nicht organisierten Migranten nur schwer zu erreichen. Die machten aber mit 90 Prozent die große Mehrheit der hier lebenden Einwanderer und deren Nachkommen aus.

Für den Kreistagsabgeordneten Axel Rott steht fest: 'Wenn alle Migranten fließend deutsch könnten, hätten wir kein Integrationsproblem.' Es sei falsch, die ohne Zweifel bestehenden Probleme am Islam festzumachen. 'Die Muslime haben wie die Christen und die Juden nur einen Gott, den sie eben Allah nennen. Das ist doch etwas Verbindendes.' Der Koran sei 'im Prinzip ein Neues Testament'.

Sein Fraktionskollege Gebhard Rosenthal appellierte eindringlich: 'Nutzen Sie die Möglichkeiten, die das deutsche Bildungssystem bietet. Schicken Sie Ihre Kinder in den Kindergarten und später in die Schule, die ihren Begabung entspricht. Und ganz wichtig: Lassen Sie Ihre Kinder nach der Schule eine Ausbildung machen.' Seine Frau Angelika Rosenthal machte auf einen Widerspruch aufmerksam: 'Bei einem Urlaub in der Türkei sind wir von vielen Türken auf deutsch angesprochen und auch zu ihnen nach Hause eingeladen worden worden. Hier in Verden kennt man seine türkischen Nachbarn kaum. Das ist traurig.'

'Damit sich das ändert, müssen wir den Menschen die Angst vor der fremden Kultur nehmen', sagte Fraktionschef Wilhelm Hogrefe. Die Thesen Sarrazins hätten nur deswegen so viele Anhänger, weil die Menschen völlig falsche Vorstellungen vom Islam hätten. Dem konnte Gülseren Sahin nur zustimmen. Die resolute Frau rief alle Verdener dazu auf, den Integrationsgedanken in der eigenen Nachbarschaft zu leben. 'Als wir in Dauelsen gebaut haben, sind wir zu allen Nachbarn gegangen und haben uns vorgestellt. Wir laden uns gegenseitig ein, wir essen miteinander. Und es spielt keine Rolle, dass wir Muslime keinen Alkohol trinken und kein Schweinefleisch essen. Wir achten ja auch die Wünsche und Bedürfnisse der anderen.'

Ein Beispiel für gelungene Integration sei nicht zuletzt die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan, sagte Hogrefe. Mit Ertan Unlü ist er spontan überein gekommen, die studierte Rechtsanwältin und frühere Managerin der Deutschen Telekom nach Verden einzuladen. Vereinbart wurde auch, dass die CDU den Türkisch-Islamischen Verein zu einem Gegenbesuch einlädt. 'Wir müssen im Gespräch bleiben und das Thema gemeinsam vertiefen', so Hogrefe.

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