Café Marktblick in Kirchweyhe Chefin plant größeres Projekt

Weyhe. Perplex steht die Frau vor der Eingangstür und liest das gelbe Schild im Fenster, das besagt, dass das Café Marktblick am Kirchweyher Marktplatz die Schotten dicht gemacht hat. Dass so mancher das noch nicht mitbekommen hat, davon zeugen auch die zahlreichen Nachrichten auf Erika Krawczyks Anrufbeantworter.
05.01.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gaby Wolf

Weyhe. Perplex steht die Frau vor der Eingangstür und liest das gelbe Schild im Fenster, das besagt, dass das Café Marktblick am Kirchweyher Marktplatz die Schotten dicht gemacht hat. Dass so mancher das noch nicht mitbekommen hat, davon zeugen auch die zahlreichen Nachrichten auf Erika Krawczyks Anrufbeantworter. 'Sie gehen ja wohl nicht ins Rheinland zurück?', hat einer als Reaktion auf ihre Bandansage hin aufgesprochen, ein anderer: 'Es wird doch wohl keine Ära zu Ende gehen?' Im Gegenteil, sagt die Cafébetreiberin. Es werde ein neues, größeres Projekt im Bereich Kirchweyhe geben.

Wann und wo das Café Marktblick neu eröffnen wird, will die 52 Jahre alte Kölnerin, die 2004 der Liebe wegen herzog, noch nicht verraten. Nur so viel: Es werde ein geräumigeres Objekt sein, in dem all das zu verwirklichen sei, was sie schon am Marktplatz vorgehabt hatte, aber mangels Platz in dem Ein-Raum-Café und angesichts der überbordenden Vorabreservierungen bald wieder reduzieren musste. 'Jeden Monat mindestens eine Kulturveranstaltung, Beteiligung an der Gastro-Nacht, jedes Jahr Weiberfastnacht, aber auch Familien- und Weihnachtsfeiern', zählt sie auf. 'Dazu als Grundprogramm A-la-carte-Frühstück, Frühstückbüfett, Kaffee und Kuchen.'

Dabei hatte der Start am Marktplatz - damals noch als Ich-AG - unter keinem guten Stern gestanden. Bereits ein halbes Jahr nach der Eröffnung im August 2005 rutschte Erika Krawczyk in ihre erste Bewährungsprobe. 'Da erfuhr ich, dass gleich nebenan ein Wohnblock gebaut werden sollte.' Es kam wie befürchtet: Der Standort wurde praktisch zur Baustellenein- und -ausfahrt, viele machten angesichts von Baustaub und -lärm erst einmal einen großen Bogen um das Café. 'Das war ein Bangen und Zittern - im Schnitt kamen zehn bis 15 Leute am Tag', erinnert sich Erika Krawczyk.

Erst ab Juni 2007 habe sich durchstarten können. Zusammen mit dem Syker Kulturverein 'Garten der Künste' bot sie Jung-Künstlern eine Talentbühne. Bald kamen auch Künstler, die sich bereits etabliert hatten. 'Wir haben Lesungen gehabt, Kabarett, Oper, Folk und Salonmusik', beschreibt sie den Ansatz, möglichst viele verschiedene Sparten und Interessen der Gäste zu bedienen. Mit Didi Doktor beehrte auch schon ein Weyher Plattdeutsch-Original das als gute Stube eingerichtete Café. Discjockey Darco wurde zum Haus-DJ bei allen Partys. Erika Krawczyk beteiligte sich an den Draußen-Veranstaltungen des Gewerberings und richtete ihr Café für Weyhe Total als Weinstube ein. Und sie arbeitete mit geschlossenen Gesellschaften und Reservierungen.

Schnell entdeckten auch Auswärtige das Café als Ausflugsoase. Der Bremer Fahrrad-Verein kam oft angeradelt. Auf der Terrasse frühstückten schon Erstliga-Kicker von Werder Bremen, und von den in Weyhe angesiedelten Rheinländern dürfte ein Großteil ebenfalls schon bei Erika Krawczyk getafelt und es genossen haben, mal wieder tüchtig Rheinländisch zu palavern. Eine Kundin, die ihren Partner 'hier oben' wohnen hat, komme sogar ganz aus Köln angereist. 'Sie bringt dann meist ihre ganze Clique mit.'

Aber auch bei den Norddeutschen aus der Gegend kam Erika Krawczyks lockere Art überwiegend gut an. Verbiegen lassen wollte sie sich nämlich nicht. 'Ich will meinen Beruf schließlich leben können.' Allerdings habe sie zuerst schon Fingerspitzengefühl dafür entwickeln müssen, wie man mit den Leuten hier wohl umgehen kann. Inzwischen weiß sie ganz gut, bei wem man sich eher zurückhalten sollte und bei wem sich richtig loslegen darf. Im Großen und Ganzen aber ließen sich die norddeutschen Kunden gerne von ihrem Temperament mitreißen und sich auch - wie es im Rheinland Usus sei - bei anderen mit an den Tisch setzen, wenn es der Platz nicht anders hergebe.

Womit wieder der Grund für den Neustart angesprochen wäre. 'Es fing an, als Meyer-Lankenau und Dörgeloh und damit Säle für Familienfeiern zugemacht wurden', erzählt Erika Krawczyk, bei der sich daraufhin die Anfragen derart häuften, dass sie für Spontangäste kaum noch Platz frei hatte - geschweige denn für Kultur. Als sich dann auch noch das Weyher Theater vergrößerte und seitdem noch mehr Besucher an den Marktplatz spült, sagte sie sich: 'Da muss was passieren.'

Am 31. Dezember endete nun ihr Pächtervertrag für die Adresse Am Marktplatz 6. Dort soll nun eine Bäckerei-Konditorei mit Sitzcafé einziehen. Ihre Festangestellte, mit der sich am 13. Dezember Kehraus gemacht hat, wird dort Anstellung finden. Gutscheine, die noch im Umlauf sind, können entweder dort eingelöst werden - oder eben bei dem neuen Projekt von Erika Krawczyk. Wenn dieses festgezurrt sei, verspricht sie, werde sie sich bei allen melden, die ihr neben vielen Geschenken zum Abschied auch ihre Telefonnummern mitgegeben haben.

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