Der Verein Pinkstinks setzt sich seit 2012 gegen Klischees hinsichtlich der Rollenverteilung ein. Bei einem Vortrag in der Gudewill-Schule möchte Geschlechterforscherin Schmiedel Eltern aufklären.
Glitzernde Kleider tragen, den Applaus des Publikums genießen, in ferne Länder reisen: Nicht wenige Mädchen stellen sich den Alltag eines Topmodels spannend, aufregend und als den Traumberuf schlechthin vor. Diese Vorstellung wird genährt von Fernsehformaten, in denen ihnen das Model-Dasein wie ein modernes Märchen vorgelebt wird; von der Webung, die ihnen vorlebt, schlank und schön sein zu müssen. Gegen diese klischeehaften Rollenbilder setzt sich der Verein Pinkstinks ein. Pressesprecherin Dr. Stevie Meriel Schmiedel wird am Sonnabend, 8. März, um 16 Uhr einen Vortrag zu dem Thema in der Gudewill-Schule in Thedinghausen halten. Sie kommt auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde Thedinghausen, Bianca Belouanas.
Als sie im Jahr 2012 die omnipräsente Leuchtreklame für eine neue Staffel von Heidi Klums Fernsehshow „Germany’s Next Topmodel“ gesehen habe, sei ihr der Kragen geplatzt, erzählt Schmiedel. „Da habe ich nur gedacht, es reicht. Jemand muss endlich einmal Verantwortung übernehmen.“ Zahlreiche Studien hätten schließlich ergeben, dass derartige Fernsehformate das Körperbild von Kindern und Jugendlichen störten. Schmiedel: „Und trotzdem war ganz Hamburg mit dieser Werbung zugepflastert.“ Nicht nur Jugendliche, selbst erwachsene Frauen ließen sich davon in ihrer Selbstwahrnehmung beeinflussen, „sogar wenn wir genau wissen, dass die Poster retuschiert und bearbeitet sind“.
Deshalb hat die 42-Jährige im Sommer 2012 mit Mitstreitern den gemeinnützigen Verein Pinkstinks gegründet. Zuletzt als Dozentin für Genderforschung an der Universität Hamburg tätig, engagiert sie sich nun 60 Stunden in der Woche ehrenamtlich für den Verein. Pinkstinks bedeutet übersetzt Pink stinkt. „Pink stinkt uns natürlich nicht“, erklärt Schmiedel. „Im Gegenteil, es ist eine sehr schöne Farbe.“ Was stört sei die Tatsache, dass sie nur mit Mädchen suggeriert werde. „Selbst wenn Jungs Pink mögen – spätestens ab vier Jahre ist die Farbe für sie verboten.“
Pink und Blau stehen seit jeher für Mädchen und Jungs. Action, Mut, Geschwindigkeit, Kraft: Diese Attribute werden dem männlichen Geschlecht zugeordnet. Frauen haben sanft, schlank und schön zu sein. „Diese Rollenklischees, die schon im Kinderzimmer oder an der Spielzeugtheke festgelegt werden, dem möchten wir entgegenwirken“, bekräftigt Schmiedel.
Bei den Kampagnen, die der Verein bestreitet, geht es nicht um Verbote. Schmiedel: „Eltern sollten mit den Kindern zusammen Sendungen wie ,Topmodel’ schauen. Gemeinsam mit der Chipstüte vor dem Fernseher.“ Anschließend sollte das Gesehene besprochen werden. „Wie würde sich die Tochter fühlen, wenn sie einen fremden Mann küssen sollte? Wie, wenn sie sich halb nackt vor dem Kamerateam rekeln müsste? Das sind Dinge, die Eltern offen ansprechen müssen.“
Wer sich für den Vortrag interessiert, kann sich bis Dienstag, 25. Februar, anmelden und zwar telefonisch unter 04204/8824 oder per E-Mail an gleichstellungsbuero@samtgemeinde-thedinghausen.de.