Kapitän Hans-Nikolaus Schümann gibt detaillierte Aufzeichnungen als Buch heraus

Chronik über den Walfang an der Weser

Als der Kapitän im Ruhestand, Hans-Nikolaus Schümann, einen Fehler in der Beschreibung eines Schiffstyps entdeckt, fängt er an zu recherchieren. Acht Jahre später hat er die Fakten für ein wissenschaftliches Nachschlagewerk in Sachen Walfang an der Weser zusammen.
14.08.2014, 00:00
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Von Hannelore Johannesdotter
Chronik über den Walfang an der Weser

Hans-Nikolaus Schümanns Chronik des Walfangs von der Weser schließt laut Fachwelt eine Lücke im Schrifttum über dieses Thema. HJO·

Hannelore Johannesdotter

Als der Kapitän im Ruhestand, Hans-Nikolaus Schümann, einen Fehler in der Beschreibung eines Schiffstyps entdeckt, fängt er an zu recherchieren. Acht Jahre später hat er die Fakten für ein wissenschaftliches Nachschlagewerk in Sachen Walfang an der Weser zusammen.

Mit der „Pauline“ von der Stedinger Walfang-Compagnie fing alles an. Im Jahr 2002 stiftete Hans-Nikolaus Schümann das von ihm erbaute Modell des Walfängers der evangelischen Kirchengemeinde Lemwerder. Später entdeckte der Kapitän im Ruhestand, dass die „Pauline“ im Schrifttum irrtümlich als Bark bezeichnet wurde, in Wahrheit jedoch eine Galiot war.

Die Entdeckung dieses und weiterer Fehler löste bei ihm den Wunsch aus, sich intensiver mit der Literatur über den Walfang zu beschäftigen, der ab Mitte des 17. Jahrhunderts an der Weser wirtschaftlich bedeutend war. „Daraus wurde eine fast acht Jahre dauernde Recherche in Bibliotheken und Archiven“, berichtet der 76-Jährige. „Ein ganzes Jahr lang habe ich im Schütting nur Zeitung gelesen – Ausgaben der Bremer Zeitung und der Weser Zeitung von 1807 bis 1874.“

Nach der Forschung gingen weitere zwei Jahre ins Land, in denen Schümann das gesammelte Material ordnete und zu Papier brachte. Das Ergebnis waren 330 DIN-A4-Seiten und mehr als 200 Abbildungen und Fotos. Auf seine Arbeit fand er viel positive Resonanz und Unterstützung, die ihn ermutigten, die Aufzeichnungen zu veröffentlichen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Das Vorhaben benötigte noch einmal zwei Jahre, in denen er über Spenden von Firmen aus Stedingen, Privatpersonen und von der Gemeinde Lemwerder das nötige Kapital für eine Herausgabe als Buch zusammentrug.

In Franz-Herbert Wenz vom „Stedinger Verlag“ in Lemwerder fand er einen versierten Verleger, der ihn umsichtig beriet und das Manuskript innerhalb eines halben Jahres zur Druckreife brachte. Jetzt liegt die 416 Seiten starke „Chronik des Walfangs von der Weser 1653 – 1872“ als gebundenes Buch vor. 230 Fotos und Abbildungen, viele farbig, veranschaulichen die Thematik. „Es hat Spaß gemacht, daran zu arbeiten“, zieht Franz-Herbert Wenz Bilanz und gratuliert Schümann zu diesem „wissenschaftlichen Nachschlagewerk“. Hans-Nikolaus Schümann erklärt, es sei ihm darum gegangen, den historischen Walfang, wie er von der Weser aus betrieben wurde, darzustellen. Der erste Teil des Buches befasst sich mit der Fahrt ins nördliche Eismeer. Hier werden auch die Fahrten der Bark „August“ und der Galiot „Pauline“ der in Berne-Dreisielen beheimateten Stedinger Compagnie ab 1845 dokumentiert. Lückenlos tabellarisch aufgeführt werden die Namen der Reeder, der Kommandeure, die eingesetzten Schiffe und die Fangergebnisse. Der zweite Teil widmet sich dem Walfang unter Bremer Flagge in der Südsee. Hier gibt es im Detail Auskunft über die Bremer Handelshäuser und deren Schiffe.

Hatte Schümann die Tabellen in seinem Manuskript ursprünglich direkt im Text angesiedelt, ließ er sich vom Verleger überzeugen, dass es günstiger sei, sie für sich zusammenzufassen. Das kommt dem Lesefluss des chronologisch angelegten Buches zugute. Wer sein Wissen vertiefen möchte, findet die speziellen Daten und Fakten nun übersichtlich und kompakt als dritten Teil im Buch.

Preis für Heimatforschung

2014

Hans-Nikolaus Schümann erhebt selbst nicht den Anspruch, mit seinem Buch die Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit zu erfüllen. Jedoch zeigen die Unterstützung des Schifffahrtsmuseums der oldenburgischen Unterweser in Brake, das ihm die verwendeten Fotos kostenlos überließ, wie auch die Verleihung des Bremer Preises für Heimatforschung 2014, wie hoch Schümanns umfangreiche Dokumentation des deutschen Walfangs unter Segeln eingeschätzt wird – eine Grundlagenarbeit, die in den Veröffentlichungen über dieses Thema eine Lücke schließt.

Befragt nach eventuellen Plänen für ein zweites Buch, winkt der begeisterte Archivar Hans-Nikolaus Schümann entschieden ab: „Es geht so viel Zeit drauf“, sagt er, die wolle er künftig der Familie widmen. Zwar würde ihn ein Porträt des Bremer Konsuls Hackfeld interessieren, der von Hawaii aus in den Walfang einstieg, seine Schiffe an der Weser bauen und sie von Kapitän Dallmann überführen ließ. „Das wäre ein dankbares Thema“, sagt Schümann, „aber nicht für mich“.

Die „Chronik des Walfangs von der Weser“ ist im Stedinger Verlag Lemwerder erschienen und kostet 32,80 Euro. Das gebundene Buch hat 416 Seiten mit 230 Abbildungen und ist unter ISBN 978-3 927 697-66-9 im Buchhandel erhältlich.

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