Steigende Infektionszahlen

Cloppenburger reagieren gelassen auf Corona-bedingte Einschränkungen

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen schränkt der Landkreis Cloppenburg das soziale Leben teilweise wieder ein. Dies könnte nur der Anfang sein für weitere Maßnahmen. Die Menschen vor Ort reagieren aber gelassen.
18.09.2020, 18:03
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Kai Urbansky aus Cloppenburg will an diesem Wochenende eigentlich zusammen mit seinem Bruder nach Italien fahren: Beide kaufen dort regelmäßig Ware für das Geschäft des Bruders ein. Doch im Landkreis Cloppenburg ist am Freitag ein kritischer Grenzwert gerissen worden: 61,5 neue Corona-Infektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen wurden gemeldet. Andere Bundesländer könnten nun Einreisebeschränkungen verhängen - und wenn die Reise nach Italien platzt? „Das muss man akzeptieren“, sagt Urbansky am Freitag gelassen. „Aber es wäre ein Riesenproblem für die Angestellten meines Bruders.“ Der Betrieb könnte nicht so wie bisher aufrecht erhalten bleiben.

Auch Gisela Gembusch sieht an diesem sonnigen Septembertag möglichen weiteren Einschränkungen in ihrem Leben gelassen entgegen. Mit ihren 97 Jahren hat sie schon ganz andere Dinge erlebt. „Ich habe keine Angst davor“, sagt die alte Dame, während sie sich in Cloppenburg auf ihren Rollator stützt und in die Sonne lächelt. Sie habe sich immer an Hygieneregeln gehalten. Aber viele Menschen seien mit diesen zuletzt zu lax umgegangen.

Der Landkreis schränkt wegen der gestiegenen Corona-Infektionen das soziale Leben nun in Teilen ein. In Löningen, Essen, Lastrup und Lindern dürfen sich nur noch maximal sechs Menschen privat treffen, Vereinsversammlungen sind verboten, Restaurants müssen um 22.00 Uhr schließen. Im ganzen Landkreis ist Mannschaftssport verboten, teilweise sind Schulen geschlossen.

Der Anstieg der Zahlen geht vor allem auf Ausbrüche in Löningen zurück. Dort war fast eine ganze Fußballmannschaft positiv getestet worden. Kai Urbansky findet es deshalb gut, dass jetzt keine Fußballspiele mehr im Landkreis stattfinden. „Die Ansteckungsgefahr ist zu groß“, sagt er.

Lesen Sie auch

Menschen wie Liliana Norozi gehen die geltenden Maßnahmen dagegen nicht weit genug. Sie hat zwei schulpflichtige Söhne. „26 Kinder in einer Klasse und ein Lehrer, das finde ich nicht gut“, sagt sie. Sie würde es begrüßen, wenn die Klassen wieder geteilt und nur jede zweite Woche Präsenzunterricht stattfinden würde.

Christian Pedde (24) aus dem Saterland geht in Cloppenburg zur Berufsschule. „Zwei in meiner Klasse sind positiv getestet worden“, sagt er. Nun werde die Klasse im Homeschooling unterrichtet. Dies sei kein Problem für ihn. Seine Frau Jennifer erwartet ein Kind, Geburtstermin ist im Oktober. „Wenn ich dann im Krankenhaus kein Besuch kriegen könnte, fände ich das nicht schlimm“, sagt sie. „Dann habe ich meine Ruhe.“ Sie hoffe aber, dass ihr Mann bei der Geburt dabei sein kann.

Mit einer Kegelgruppe ist Claudia Bonnes aus dem Münsterland für einen Wochenendtrip nach Cloppenburg gekommen. „Eigentlich wollten wir nach Texel“, erzählt sie. Doch wegen der hohen Infektionszahlen in Nordholland buchte die Gruppe kurzfristig um und fuhr nach Cloppenburg. Nun hat sie das Corona-Geschehen im Landkreis überrascht. „Das ist Pech“, sagt sie. Aber die Gruppe halte sich viel im Freien auf, Masken seien selbstverständlich. „Man muss schauen, ob wir uns testen lassen müssen, wenn wir wieder nach Hause kommen.“ (dpa/lni)

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+