"Statsraad Lehmkuhl" kommt nach Elsfleth Comeback eines Segelschiffs

Elsfleth. Zu ihrem 100. Geburtstag kommt das seit Langem norwegische Segelschiff „Statsraad Lehmkuhl“ am 28. Juni an ihren alten Liegeplatz nach Elsfleth zurück. Und dort wird sie mit der „Sail 100“ von der Stadt und den maritimen Vereinen gefeiert.
01.06.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Volker Kölling

Sie ist eines der schönsten Segelschiffe der Welt. Das liegt am Schönheitsideal ihrer Konstrukteure im Baujahr 1914 und daran, dass sie nicht als Frachtsegler, sondern als Ausbildungsschiff des stolzen Deutschen Schulschiff-Vereins auch zur Repräsentation gebaut worden ist: Zu ihrem 100. Geburtstag kommt die seit Langem norwegische „Statsraad Lehmkuhl“ am 28. Juni an ihren alten Liegeplatz nach Elsfleth zurück. Und dort wird sie mit der „Sail 100“ von der Stadt und den maritimen Vereinen gefeiert.

„Allein der Salon achtern hat noch Skylights mit Bleiverglasung. Das ist alles deutlich weniger spartanisch im Vergleich etwa zur heutigen ,Gorch Fock’“, schwärmt Kapitän Johannes Reifig, der Vorsitzende des Schulschiffvereins „Großherzogin Elisabeth“ von der Urgroßmutter der „Lissi“. Der Elsflether Dreimaster wird die Bark dort abholen, wo sie am 14. Januar 1914 auf der Johann C. Tecklenborg-Werft in der Geeste als „Großherzog Friedrich August“ vom Stapel gelaufen ist – in Bremerhaven. Geplant ist eine Einlaufparade mit dem Nachmittagshochwasser um 16 Uhr am Sonnabend, 28. Juni.

Elsfleths Touristikerin Birgit Krüger weiß, dass neben Schiffen des örtlichen Jachtklubs auch Boote aus Bremen-Vegesack teilnehmen werden. Eine großartige Paradeformation ist allerdings nicht geplant: „Die kriegen wir schon alle so an die Leine. Das hat früher auch immer gut geklappt,“ freut sich Elsfleths Bürgermeisterin Traute von der Kammer schon auf das schöne Bild, das sich den Gästen der Stadt bieten wird. Die Stadt selbst mache sich zum Fest ebenfalls „hübsch“.

Im Hafen geht der Trubel auf der bunten Meile mit Festzelt, Ständen und viel Gastronomie schon am Sonnabend um zwölf Uhr los. Auch ein Kinderprogramm haben die Veranstalter auf die Beine gestellt. Das Fest soll durch eine Reihe von Sponsoren und Eintritte finanziert werden, erläutert die Bürgermeisterin: „Ohne die Sponsoren hätten wir das nicht hingekriegt.“ Was die „Sail 100“ als Etat hat, mag sie nicht sagen. Allerdings: Wer die Gäste aus Norwegen näher kennenlernen will, kann einerseits die Sail unterstützen und andererseits für 65 Euro ab 20 Uhr beim Geburtstagsempfang auf dem Dreimaster dabei sein.

Traute von der Kammer freut sich auf Nachfahren des ersten Namensgebers des Schiffes aus der Oldenburger Herzogsfamilie als Ehrengäste. August II. war der letzte regierende Fürst des Hauses Oldenburg. Der Herzog und ursprüngliche Namensgeber des Schulschiffs erwarb in Elsfleth sein Kapitänspatent und galt als herausragender Seemann und Segler. Der fähige Konstrukteur war im Ersten Weltkrieg als einziger Fürst Admiral der Kaiserlichen Marine. Die Elsflether haben aber auch an ihre norwegischen Gäste gedacht. Traute von der Kammer: „Auch den norwegischen Botschafter haben wir eingeladen, warten da aber noch auf eine Antwort.“

Für die Partynacht im Hafenzelt verlangen die Veranstalter keinen Eintritt: Ab 20 Uhr steht hier die Showband Free Steps Orchestra auf der Bühne, die jedes Jahr auf dem Bremer Freimarkt das Hansezelt zum Feiern bringt. Um 23 Uhr haben die Musiker dann Pause, wenn das Höhenfeuerwerk am Hafen gestartet wird.

Ab zehn Uhr öffnet am Sonntag, 29. Juni, wieder die bunte Hafenmeile. Ab Mittag ist im Museumsgarten des Schifffahrtmuseums Unterweser ein Shanty-Frühschoppen unter anderem mit der Gruppe Cross-

check geplant. Auch der Elsflether Visurgen Shanty-Chor, der Rekumer Schifferchor und der Shanty-Chor Loxstedt haben sich angesagt. Neben einer Dampfbarkasse soll auch das Dielenschiff „Hanni“ den Besuchern kleine Hafenrundfahrten zwischen Huntesperrwerk und Elsflether Werft anbieten. In ganz Elsfleth haben die Geschäfte am Sonntag offen.

Um elf Uhr startet auf der „Statsraad Lehmkuhl“ das Programm mit einem Gottesdienst unter den drei Masten mit einer Pastorin der Deutschen Seemannsmission und einem norwegischen Seemannspastor aus Hamburg. Ab zwölf Uhr heißt es „Open Ship“ auf den beiden Dreimastern im Hafen. Auf der „Statsraad Lehmkuhl“ erzählen die 25 Stammcrewmitglieder gerne aus der Geschichte des Schiffes.

Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und auf einigen wenigen Reisen zwischen 1919 und 1920 konnte die Bark unter deutscher Flagge nur ganz kurze Zeit ihre Qualitäten als Starkwindsegler unter Beweis stellen. Auf sagenhafte 17 Knoten Fahrt soll es das über 2000 Quadratmeter Segelfläche tragende Schiff bringen. Mehr als 200 Menschen sind mit der Bedienung beschäftigt und müssen zum Ein- und Auspacken der Segel regelmäßig in die bis zu 53 Meter hohen Masten aufentern.

Im Juni 1920 mussten die Deutschen die Bark als Reparationsleistung an England übergeben, von dort wurde sie als Schulschiff nach Norwegen verkauft. Nach einer Zeit im Zweiten Weltkrieg erneut unter deutscher Flagge wurde die „Statsraad“ bald wieder Ausbildungsschiff und gehört seit 1979 einer Stiftung im Heimathafen Bergen, die es als schwimmendes Wahrzeichen des Landes in Fahrt hält. Das alte Ausbildungsschiff der Deutschen Handelsflotte fährt heutzutage auch in Charter für die Königliche Marine Norwegens, die darauf ebenfalls ausbildet.

Die Jubiläumskreuzfahrt vom 21. Juni ab Bergen bis zum 26. Juni nach Bremerhaven verläuft unmilitärisch und steht für 5500 Norwegische Kronen (umgerechnet etwa 680 Euro) auch zahlenden Mitseglern offen. Auch der Törn von Elsfleth zu den diesjährigen Tall Ships Races, der weltgrößten Windjammerregatta, nach Harlingen, ist wie in einem Reisebüro für 3300 Norwegische Kronen auf der Internetseite des Schiffes buchbar (www.lehmkuhl.no).

Am Montag, 30. Juni, soll die „Statsraad Lehmkuhl“ um 16 Uhr mit dem Nachmittagshochwasser ihre 5,20 Meter Tiefgang über den Drempel des Huntesperrwerks schieben und den fast hundert Meter langen Rumpf auf die Nordsee ausrichten.

Wer auf der „Statsraad Lehmkuhl“ von Bremerhaven nach Elsfleth mitfahren möchte, kann bei „Erlebnis Bremerhaven“ unter 04 71 / 80 93 61 46 Plätze buchen. Mitsegelmöglichkeiten auf der „Großherzogin Elisabeth“ gibt es beim Schulschiffverein unter der Rufnummer 0 44 04 / 98 86 72.

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