Klostermühle Heiligenberg

Cordes' Hilfeschrei

Seit etwa anderthalb Jahren malt die Syker Künstlerin Ruth Cordes Landschaftsbilder. Damit will sie im Kampf um das Klima Menschen berühren. Ihre Ausstellung „Innere Heimat“ eröffnet am 3. November um 14.30 Uhr
30.10.2019, 16:31
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Cordes' Hilfeschrei
Von Micha Bustian
Cordes' Hilfeschrei

Echte Bäume wären ihr Lieber: Ruth Cordes' Ausstellung "Innere Heimat" in der Klostermühle Heiligenberg dreht sich um die Natur.

Vasil Dinev

Heiligenberg. Bäume. Überall Bäume. Welch Wunder, im Naherholungsgebiet Heiligenberg. Dort, wo sich die Natur noch von ihrer besten Seite zeigt. Und das auch rund um die Klostermühle Heiligenberg. Aber darin? Auch Bäume. Lauter Bäume. Die Syker Künstlerin Ruth Cordes stellt dort ab Sonntag, 3. November aus. „Die meisten Bilder kommen aus meinem Umfeld“, sagt die Malerin. Zu sehen sind sie bis zum 26. Januar. Die Eröffnung der Ausstellung „Innere Heimat“ beginnt am Sonntag um 14.30 Uhr.

Seit eineinhalb Jahren folgt Ruth Cordes der Idee, der Landschaft durch die Malerei „den Respekt zu zollen, den sie verdient hat“. Sie habe Landschaftsmalerei als Schwerpunkt gewählt, „weil man dann beim Malen Emotionen aufnimmt“. Emotionen, die durch Protestaktionen wie Fridays For Future geweckt wurden. „Für das Klima zu kämpfen, zu demonstrieren, das ist eine Möglichkeit“, findet sie. Die 54-Jährige hat einen anderen Weg, auf das Dilemma aufmerksam zu machen. Sie malt. „Sie nimmt die Stimmungen auf“, findet Karin Altrogge, Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Art-Projekt. „Wenn man Landschaft fotografiert, kann man das Bild bearbeiten. Das ist bei Ruth Cordes Malerei nicht so.“

Soll auch nicht so sein. Ruth Cordes will mit ihrer Kunst nicht einfach nur ein schönes Gefühl produzieren. „Ach wie schön? Das will ich gar nicht“, sagt sie. Sie will nicht kämpfen, sie will die Menschen berühren. „Das Gefühl muss etwas bewirken“, soll die Besucher der Klostermühle daran erinnern, das es der Natur nichts ausmacht, wenn der Mensch weg ist, aber der Mensch von der Natur abhängig ist. „Ohne die Natur sind wir verloren“, weiß die Mutter dreier Töchter. Mit ihren Bildern will sie die Menschen dazu bewegen, achtsamer mit Gewässern, Flächen, Tieren und Pflanzen umzugehen.

In ihrem Internet-Blog nimmt die Künstlerin Bezug auf den Hamburger Evolutionsbiologen Matthias Glaubrecht. Der mache darauf aufmerksam, dass der Homo Sapiens ein Teil der Natur war. Der Professor „führt uns vor Augen, warum der Mensch heute bestimmte Landschaftsszenen wie einen Flusslauf mit seichter Biegung als wohltuend und schön bezeichnet“. Der fruchtbare Boden und die Nähe zum Wasser erfüllte nämlich überlebenswichtige Kriterien. „Wir haben unsere existentiellen Vorlieben mit durch unsere Evolution gerettet“, schreibt Cordes. „Ebenso verhält es sich mit Waldrändern.“ Mit Bäumen halt, wie in der Klostermühle Heiligenberg.

Dieser Ausflug in die Naturwissenschaften beschreibt gut, was Ruth Cordes zurzeit künstlerisch umtreibt. Vor zwei Jahren hat sie im Bremer Schnoor ein Atelier eröffnet. „Ich liebe die Stadt“, sagt sie. Aber: „Ich muss manchmal auch raus.“ Dann zieht es sie in die Natur, in den Wald, ins Syker Friedeholz oder eben ins Erholungsgebiet Heiligenberg. Digitalisierung und Technik findet die gebürtige Bremerin wichtig, „das hilft uns ja alles auch“. Aber wichtiger sei die Natur. „Wir müssen sie in unsere Entwicklung mit einbeziehen, denn wir sind nur ein Teil von ihr.“

Im Konferenzraum im ersten Obergeschoss der Klostermühle hängen große Bilder von Ruth Cordes. Bäume entlang einer Allee, Bäume im warmen Licht des Sonnenuntergangs, Bäume in allen Spielarten. Auch in der Schänke im Erdgeschoss gibt es Gemälde der Künstlerin zu sehen. Kleine Aquarelle. Ebenfalls Landschaftsmalerei. Doch wer im Gespräch mit Cordes gut hinhört, für den ist es eher ein Hilfeschrei. Erhaltet die Natur. Denn, so steht es in ihrem Blog: Die Natur kann ohne uns – wir können nicht ohne Natur.

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