Halloween-Feiern Monster sollen zu Hause bleiben

Behörden in den Landkreisen Osterholz und Rotenburg raten zum Verzicht auf Halloween-Feiern. Die Gefahr einer Verbreitung des Coronavirus sei allgegenwärtig. Auch die Polizei hat das Fest auf dem Zettel.
28.10.2020, 22:00
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Monster sollen zu Hause bleiben
Von André Fesser

Landkreise Osterholz/Rotenburg. Eltern stehen am Sonnabend vor einem Problem. Denn an diesem Tag ist Halloween. Und auch in Deutschland ist es längst üblich, dass jugendliche Halloween-Läuferinnen und -Läufer am Abend vor Allerheiligen als Gespenst, Vampir oder Zombie an den Haustüren ihrer Nachbarschaft klingeln und darauf hoffen, mit einer Handvoll Süßigkeiten versorgt zu werden. Angesichts der Corona-Pandemie und der Notwendigkeit zur Kontaktbeschränkung mehren sich nun aber die Forderungen, auf derlei Aktivitäten zu verzichten.

So hat sich Bundesfamilienministerin Franziska Giffey vor ein paar Tagen in der "Welt" einem Aufruf von Kinderärzten angeschlossen, das Halloween-Laufen in diesem Jahr ausfallen zu lassen: "In Gruppen von Tür zu Tür zu laufen und Süßigkeiten zu sammeln – dafür ist aktuell nicht die Zeit“, sagte die SPD-Politikerin. Und auch Giffeys Parteikollegin, Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann, hält Zurückhaltung für angemessen: „Wir sind alle aufgerufen, unsere Kontakte so weit wie möglich zu beschränken, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“, sagte Reimann dem Radiosender „Antenne Niedersachsen“.

Verfolgt man aber die Diskussionen in Sozialen Medien oder auch in Chatgruppen in der Region, dann wird klar: Der Verzicht fällt vielen Familien schwer. Und so werden am Sonnabend vielerorts wohl doch Kinder in Gruselkostümen um die Häuser ziehen und Süßigkeiten fordern. Die Gefahr, sich zu infizieren oder das Coronavirus zu verbreiten, ist dabei gegenwärtig, heißt es übereinstimmend aus den regionalen Gesundheitsämtern: „Bei einem Halloween-Umzug finden unweigerlich Kontakte statt, die die Verbreitung des Coronavirus fördern können“, teilt Jana Lindemann, Sprecherin des Landkreises Osterholz, auf Nachfrage mit. Und sie appelliert an das Verantwortungsbewusstsein: „Insbesondere ältere Menschen freuen sich über den spontanen Besuch gruselig verkleideter Kinder. Doch gerade diese sogenannte Risikogruppe gilt es jetzt zu schützen. Sie sollte nicht in Bedrängnis gebracht werden, aus guter Tradition auch in diesem Jahr die Tür zu öffnen und Süßigkeiten zu verteilen.“

Einen ähnlichen Appell sendet Carmen Menzel, Leiterin des Rotenburger Gesundheitsamtes, aus: „Auch im Landkreis beobachten wir weiter steigende Fallzahlen und sollten uns deshalb alle verantwortlich verhalten und beim Feiern zurückhalten, um einen neuen Lockdown zu verhindern, gefährdete Personengruppen zu schützen und Ärzte, Krankenhäuser und den öffentlichen Gesundheitsdienst nicht zu überlasten.“

Wer dennoch nicht verzichten will, wird sich an die geltenden Regeln halten müssen. Laut Menzel müssen beim Halloween-Laufen oder bei entsprechenden Feiern Abstandsregeln beachtet und gegebenenfalls ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Der Landkreis Osterholz weist darauf hin, dass Zusammenkünfte gemäß der niedersächsischen Corona-Verordnung derzeit auf maximal zehn Personen aus zwei Haushalten oder zehn enge Angehörige beschränkt sind.

Die Einhaltung dieser Regeln zu überwachen, wird am Sonnabend vor allem Aufgabe der Polizei sein. Laut Polizeisprecher Helge Cassens sind zwar keine gesonderten Kontrollen geplant. Das Ereignis an sich werde aber im Rahmen von Dienstbesprechungen thematisiert, um die Einsatzkräfte für die ungewohnte Lage zu sensibilisieren. Werde man auf „schwierige Situationen“ aufmerksam, werde man die beteiligten Personen ansprechen und im Rahmen eines Ermessensspielraums schauen, ob die Ermahnung ausreicht oder es gar zu einer Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit kommt. Klar sei, so Cassens, dass es sich bei Halloween in erster Linie um eine Veranstaltung für Kinder handele. „Und es ist ausdrücklich nicht unser Ziel, Kinder zu belangen.“ Die Adressaten seien vielmehr die Eltern.

Für jene, die trotzdem einen gruseligen Sonnabend begehen wollen, empfiehlt Landkreissprecherin Lindemann, das Fest im kleinen Kreis in der Familie zu feiern. Wer es noch nicht gemacht hat, könnte einen Kürbiskopf schnitzen, Motto-Kekse backen oder einen gruseligen Film anstellen. Aber auch Anwohner, die womöglich Besuch bekommen, könnten sich vorbereiten: So sollten sie auf das Anbieten von Süßigkeitenschalen verzichten, in denen Kinderhände herumrühren könnten, sondern den Besuchern abgepackte Süßigkeiten übergeben. Es sei aber auch legitim, sich ganz gegen einen Besuch zu entscheiden: Vorherige Absprachen in der Nachbarschaft oder ein nettes Schild an der Tür könnten auf die Nicht-Teilnahme am Halloween-Fest hinweisen.

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Zur Sache

Ursprung in Europa

Halloween steht für „All Hallows' Eve“ und findet am Abend vor Allerheiligen statt, also am 31. Oktober. Die Halloween-Wurzeln liegen in Irland und Schottland, wo schon vor 200 Jahren arme Kinder an die Haustüren kamen, um Spenden zu erbitten. Auswanderer brachten die Tradition dann in die USA, wo sie einen hohen Stellenwert genießt. Verkleidete Kinder und Jugendliche ziehen an diesem Tag von Tür zu Tür. Mit dem Schlachtruf „Süßes oder Saures“ fordern die Besucher Süßigkeiten ein und sagen dafür ein Gedicht auf oder geben eine Darbietung zum Besten. Steht der Hausbesitzer mit leeren Händen da, muss er mit einem Streich rechnen. Dann fliegen Eier gegen Hauswände, Türklinken werden mit Ketchup eingeschmiert oder Briefkästen mit Klopapier umwickelt.

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