Stadtteile im Ungewissen

Warum es für Bremen-Nord keine regionalen Corona-Zahlen gibt

Im Gegensatz zu den Landkreisen Osterholz und Wesermarsch informiert Bremen nicht über die regionale Verteilung der Infektionszahlen in den Stadtteilen. Warum die Behörde die Zahlen nicht veröffentlicht.
08.10.2020, 12:03
Lesedauer: 4 Min
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Warum es für Bremen-Nord keine regionalen Corona-Zahlen gibt
Von Julia Ladebeck

Die Corona-Fälle in der Stadt Bremen steigen von Tag zu Tag an. Täglich veröffentlicht das Gesundheitsressort den aktuellen Stand. Wie viele Fälle in den einzelnen Stadtteilen registriert werden, gibt die Behörde jedoch nicht bekannt. Wie das Infektionsgeschehen in Vegesack, Blumenthal und Burglesum aussieht, bleibt offen. Anders als die Landkreise Wesermarsch und Osterholz, die tagesaktuell über die regionale Verteilung der positiven Testergebnisse informieren, veröffentlicht das Bremer Ressort lediglich die Daten für das gesamte Stadtgebiet und für Bremerhaven. Dabei spräche aus Sicht von Imke Sommer, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, nichts gegen eine Veröffentlichung auf Stadtteilebene, solange bestimmte Kriterien berücksichtigt werden.

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Lukas Fuhrmann, Pressesprecher des Gesundheitsressorts, hat als Begründung dafür, dass die Daten nicht auf Stadtteilebene veröffentlicht werden, in den vergangenen Monaten immer wieder auf Datenschutzbestimmungen verwiesen. Einmalig gab die Behörde auf Anfrage der NORDDEUTSCHEN im März tagesaktuelle Zahlen für Blumenthal, Vegesack und Burglesum bekannt. Im August veröffentlichte die Behörde schließlich eine statistische Auswertung, die sich auf die einzelnen Bremer Postleitzahlengebiete bezog. Allerdings wurden in der Erhebung Infektionen zwischen dem 29. Februar und dem 27. August erfasst. Wie viele Menschen in den Stadtteilen zu dem Zeitpunkt infiziert waren, erfuhren die Bremer nicht.

Datenschützerin zeigt Weg auf

In einer Stellungnahme hat die Landesbeauftragte für Datenschutz die Gesundheitsbehörde über die Bedingungen informiert, die erfüllt sein müssen, damit Gesundheitsdaten verarbeitet und übermittelt werden können. Imke Sommer betont, dass die Daten keinerlei Bezug auf Betroffene zulassen dürfen. Diese Voraussetzung werde erfüllt, wenn zum einen die Bezugsgröße – das heißt die Einwohnerzahl, auf die sich die Infektionszahl bezieht – nicht zu klein gewählt wird. Zum anderen durch eine weitere Datenabstraktion, durch die Bildung von Kategorien für eine bestimmte Zahl von Infizierten. So könnte beispielsweise Kategorie 1 für einen bis fünf Infizierte, Kategorie 2 für fünf bis zehn Infizierte stehen und so weiter.

Als Anhaltspunkt für eine akzeptable Bezugsgröße weist die Landesbeauftragte für Datenschutz in ihrer Stellungnahme auf die durchschnittliche Einwohnerzahl pro Postleitzahlen-Bereich in Bremen hin, die bei circa 16.780 liege. Die Einwohnerzahl in allen drei Nordbremer Stadtteilen ist wesentlich größer: Burglesum hat etwa 33.000 Einwohner, Vegesack circa 35.000 und in Blumenthal leben etwa 32 500 Menschen. Würde die Behörde die Zahlen aus den Postleitzahlen-Bereichen der einzelnen Stadtteile addieren – für Burglesum wären das beispielsweise vier – und die Infektionszahlen in Kategorien einteilen, dann würden die Datenschutzbestimmungen eine Veröffentlichung also zulassen. „Solange die Zahlen abstrakt genug sind, ist eine Veröffentlichung okay“, betont Imke Sommer.

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Um diese Arbeit täglich zu leisten, das sagt Lukas Fuhrmann, reichen die Kapazitäten in der Gesundheitsbehörde jedoch nicht aus. Der Pressesprecher betont, dass geplant sei, eine Auswertung der Infektionszahlen nach Postleitzahlen für die gesamte Stadt Bremen „in größeren Abständen“ zu veröffentlichen. Die Zahlen werden für eine bessere Vergleichbarkeit dann pro 1000 Einwohner gerechnet. Dass eine tägliche Veröffentlichung auf Stadtteilebene nicht erfolgt, hänge letztlich mit der Arbeit zusammen, die das zusätzlich verursachen würde.

Die Landkreise Wesermarsch und Osterholz gehen seit Beginn der Pandemie anders mit den Infektionszahlen um und informieren die Bevölkerung täglich. Veröffentlicht werden die Zahlen auch für kleinere Kommunen wie Berne (weniger als 7000 Einwohner) und Lemwerder (ebenfalls weniger als 7000 Einwohner) im Landkreis Wesermarsch oder die Gemeinde Schwanewede im Landkreis Osterholz mit etwa 20.000 Einwohnern.

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Martin Bolte, Pressesprecher des Landkreises Wesermarsch, verschickt zur Veröffentlichung täglich eine Grafik, aus der die Zahlen der aktuell Erkrankten, der bereits wieder Genesenen, der Verstorbenen und der Gesamterkrankungen in den Kommunen Berne, Brake, Butjadingen, Elsfleth, Jade, Nordenham, Stadland, Lemwerder und Ovelgönne hervorgehen. Zusätzliche Informationen, beispielsweise zu Ausbrüchen in bestimmten Einrichtungen wie Seniorenheimen, Schulen und Kindertagesstätten, gibt der Landkreis in detaillierten Pressemitteilungen und verhält sich auch damit anders als die Behörde in Bremen, die sich mit diesen detaillierten Angaben sehr zurückhält.

Werte für alle Gemeinden

Ähnlich transparent verhält sich der Landkreis Osterholz und informiert täglich unter anderem auf seiner Internetseite über die regionale Verteilung von Corona-Infektionen im Landkreis Osterholz. Die Zahlen werden für die Gemeinden Grasberg, Hambergen, Lilienthal, Ritterhude, Schwanewede, Worpswede sowie die Stadt Osterholz-Scharmbeck bekannt gegeben.

Sprecherin Jana Lindemann betont, dass dem Landkreis Osterholz der Schutz personenbezogener Daten „ein wichtiges Anliegen“ sei. Deshalb werde bei der Veröffentlichung der Corona-Fallzahlen stets darauf geachtet, dass kein Rückschluss auf die jeweiligen Personen möglich ist. „Beispielsweise wird bewusst darauf verzichtet, Corona-Fallzahlen auf Ortsteilebene darzustellen.“

Insgesamt, das betont die Sprecherin der Verwaltung, müsse „ein ausgewogenes Verhältnis zwischen öffentlichem Interesse an den Fallzahlen und dem Datenschutz“ hergestellt werden. „Diesem trägt der Landkreis Osterholz mit der Darstellung der Corona-Fallzahlen auf der Internetseite entsprechend Rechnung.“ Der Datenschutzbeauftragte des Landkreises habe diesem Vorgehen nicht widersprochen.

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