Hausärzte im Landkreis Diepholz

Ein Piks in der vertrauten Praxis

Seit gut einer Woche sind auch im Landkreis Diepholz Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen möglich. Trotz der Priorisierung klingelt bei der Praxisgemeinschaft Melcherstätte Brinkum das Telefon ununterbrochen.
12.04.2021, 17:30
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Jana-Kristin Barkei
Ein Piks in der vertrauten Praxis

Auch im Landkreis Diepholz sind die Hausärzte nun mit den Impfungen gegen das Coronavirus gestartet.

Vasil Dinev

Stuhr/Landkreis Diepholz. „Für mich war klar, dass unsere Praxis die Impfung durchführt“, sagt Lars Pohlmeier, Arzt aus der Praxisgemeinschaft Melcherstätte in Brinkum. Seit gut einer Woche können im Landkreis Diepholz nun auch Hausarztpraxen gegen das Coronavirus impfen. Pohlmeier ist einer von denjenigen, der diese Möglichkeit anbietet. Die Praxisgemeinschaft Melcherstätte hat auch bereits Erfahrungen mit dem Impfstoff: Ende vergangenen Jahres war die Praxis (wir berichteten) einer von nur sechs Standorten in ganz Deutschland, an denen der Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer bereits in einer Studie erprobt worden ist.

„Das Impfen in der Praxis lässt sich problemlos umsetzen. Das ist ja unser täglich Brot und gehört zu unseren alltäglichen Aufgaben“, erzählt der Brinkumer Arzt, der aber auch einräumt, dass die Situation trotzdem anders als bei anderen Impfungen ist: „Für die Patienten ist das ein besonderes Thema“, sagt er. Deswegen sei das anfangs auch etwas aufregend gewesen. „Der Akt der Impfung an sich ist aber unspektakulär“, erklärt Pohlmeier, der sich zufrieden mit der aktuellen Entwicklung zeigt. „Es ist unverzichtbar, dass die Impfung über die Hausarztpraxen läuft. Wenn wir den Stoff haben, können wir die Leute mit durchziehen“, sagt er.

Auch Piet Lueßen von der Praxis Hausärzte Heiligenrode ist froh darüber, dass nun auch die ortsansässigen Hausärzte die Möglichkeit haben, gegen das Coronavirus zu impfen. Er sieht jedoch auch noch Nachholbedarf, was die Liefermengen angeht. „Wenn man sich die Grippe-Impfung anschaut, haben wir da in einer Woche 600 Leute geimpft. Eine Praxis kann das gut leisten“, sagt Lueßen. „Viele Praxen sind in der Lage nicht 30, sondern 300 Patienten am Tag zu impfen.“ Voraussetzung für ein solches Pensum sei jedoch eine lückenlose Nachlieferung des Impfstoffes, an der es aber noch hakt.

Denn größere Mengen an Impfstoff für die Hausarztpraxen lassen derzeit noch auf sich warten. Aktuell bekommen Praxen je nach Anzahl der Ärzte ein Kontingent von bis zu 30 Impf-Dosen pro Woche. Das reicht auch bei Weitem nicht aus, um alle Patienten in der Gemeinschaftspraxis Melcherstätte, in die rund 100 Patienten täglich kommen, mit dem lang ersehnten Impfstoff zu versorgen. Auch in den Hausarztpraxen gilt entsprechend die vom Bund vorgegebene Priorisierung, nach der zunächst die über 80-Jährigen, danach die über 70-Jährigen und die Risikopatienten an der Reihe sind.

Allerdings entscheidet der Hausarzt nach den entsprechenden Richtlinien selbst, welche seiner Patienten zur letzteren Kategorie gehören. „Ich weiß ja, wer besonders gefährdet ist. Man kennt die Patienten mit chronischen Erkrankungen ja bereits seit Jahren“, sagt Lars Pohlmeier, bei dem trotzdem die Telefonleitungen dauerhaft belegt sind, weil die Menschen wissen wollen, wann sie endlich mit dem Impfen dran sind. „Die Bevölkerung muss sich leider noch ein bisschen gedulden. Es hilft nichts, wenn alle anrufen und dadurch der Tagesablauf blockiert wird“, erklärt der Arzt. Sich selbst bei der Praxis zu melden, sei auch gar nicht nötig. Denn die Ärzte und das medizinische Pflegepersonal melden sich gezielt bei den Impfberechtigten und vereinbaren Termine mit ihnen.

Grundsätzlich impfberechtigt und auch -befähigt ist jeder niedergelassene Arzt, wie die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) mitteilt. Es gibt also keine extra Auflagen, die für den Corona-Impfstoff erfüllt werden müssen. Auch logistisch sei es kein Problem, den Impfstoff zu lagern. Und das, obwohl der Biontech-Impfstoff zunächst als schwierig zu transportieren galt, da er bei -70 Grad ausgeliefert werden muss. Laut KVN kann der Impfstoff aber auf Impf-Temperatur gebracht werden und dann mehrere Tage bei Kühlschrank-Temperatur gelagert werden. Dass der Stoff gerade jetzt ein sehr gefragtes Gut ist, ist auch Lars Pohlmeier bewusst: „Unsere Kühlschränke sind alle abschließbar“, versichert er. Sorgen über einen möglichen Diebstahl des Stoffs macht er sich nicht. „Der wird hoffentlich eh bald Massenware“, sagt er. Dann sei der Impfstoff auch nicht mehr so gefragt wie Gold.

Für die impfberechtigten Patienten ist die Impf-Möglichkeit vor Ort beim Hausarzt jedenfalls eine große Entlastung. „Die sind begeistert und dankbar“, berichtet Pohlmeier. Denn es seien ja gerade die Älteren und Kranken, für die eine Fahrt zum Impfzentrum in Bassum sehr anstrengend wäre. Die vertrauliche Umgebung des Hausarztes würde das Prozedere auch noch angenehmer für die Patienten machen. Pohlmeiers Ziel ist es, die Impfung ins normale Tagesgeschäft einzufügen. „Dann können wir die mal eben mitmachen“, sagt er.

In einer großen Praxis wie der Gemeinschaftspraxis in Brinkum ist auch der vorgegebene Impf-Ablauf kein Problem. Das laufe ganz entspannt ab, sagt Pohlmeier. Schwierig stellt er sich lediglich für kleinere Praxen die Überwachung nach der Impfung vor. Denn 15 Minuten muss jeder Patient nach der Impfung noch unter Beobachtung bleiben und sich ausruhen.

Info

Zur Sache

Bis zu 30 Impf-Dosen pro Woche

Aktuell bekommen Praxen ein Kontingent von bis zu 30 Impf-Dosen pro Woche. Das richtet sich nach der Anzahl der dort niedergelassenen Ärzte. In der Regel meldet sich der Hausarzt bei den Patienten, die aktuell impfberechtigt sind. Termine müssen nicht selbst vereinbart werden. Im Landkreis Diepholz hat sich der Großteil der Arztpraxen nach Auskunft des Ärzteverbunds Nord dazu entschieden, Corona-Impfungen anzubieten. Den Impfstoff erhalten die Praxen über die Apotheken. Laut KVN erfolgt die Lieferung über die üblichen Pharma-Großhandelswege. Die Hausärzte können nicht selbst darüber entscheiden, welchen Impfstoff sie bekommen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+