Bestattungen in Bremen-Nord Im kleinen Kreis

Auch nach den jüngsten Lockerungen bleibt es bei den Beschränkungen für Bestattungen. Wir haben uns umgehört, wie Bestatter und Pastoren mit den Regelungen umgehen.
21.04.2020, 06:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Iris Messerschmidt

Bremen-Nord. „Wir begleiten die Familien in diesen Ausnahmezeiten ganz besonders intensiv und versuchen, die außergewöhnlichen Umstände durch einen höheren seelsorgerischen Anteil etwas abzumildern“, schildert Herwig Gründel vom Bestattungsunterunternehmen „Ge-Be-In“. Denn bei den derzeitigen Kontakt-Einschränkungen gestalten sich auch Bestattungen schwierig.

Zwar ist unter freiem Himmel in Bremen auch zu Zeiten des Corona-Virus noch vieles möglich. Doch für manche Angehörige ist eine reduzierte Trauerfeier im engsten Familienkreis mit maximal 20 Personen nicht im Sinn des Verstorbenen, so werden Urnen auch bis zur Bestattung aufbewahrt, beispielsweise im Tresor des Familienunternehmens Stühmer. Immer in der Hoffnung, dass es bald Lockerungen gibt und somit wieder „eine ganz normale Trauerfeier“, erzählt Henrik Stühmer.

Doch welche Möglichkeiten der Bestattung gibt es in Zeiten der Corona-Krise? „Beerdigungen von Särgen und Urnen gibt es uneingeschränkt“, sagt Herwig Gründel, allerdings habe das Bremer Unternehmen einen eigenen Krisenstab eingerichtet, mit eigenen Vorgaben. Denn: „Die Vorgaben seitens der Politik, der städtischen Friedhöfe und mancher Kirchengemeinde sind für unseren Sicherheitsanspruch nicht hoch genug. Wir haben Angebote entwickelt, wie die Angehörigen auch ohne Trauerfeier die Beisetzungen unter freiem Himmel mit einer kleinen aber sehr schönen Dekoration als eine würdevolle Zeremonie erleben können.“

Von einer möglichen Trauerfeier in der Trauerhalle des Unternehmens spricht darüber hinaus auch noch Henrik Stühmer, aber grundsätzlich, „nur im engsten Familienkreis“. Und es müsse auf jeden Fall eine Liste von den Teilnehmern mit Vor-, Zuname und Telefonnummer geben, so Henrik Stühmer. Denn sollte es anschließend den Verdacht auf eine Virusinfektion geben, müssen alle Kontaktpersonen untersucht werden können.

Henrik Stühmer spricht auch von unterschiedlichen Möglichkeiten auf den Friedhöfen in Bremen-Nord. So seien zum Beispiel die Kapellen auf den städtischen Friedhöfen in Neu-Aumund und am Waldfriedhof, Turnerstraße, definitiv geschlossen. „Da gibt es die Möglichkeit der Trauerfeier nur draußen, vor der Kapelle oder an der Grabstelle.“

Pastor Dittmar Schütt von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Rönnebeck-Farge gestattet noch eine Trauerfeier in der Kapelle, aber mit einer angepassten Sitzordnung. „Ja, tatsächlich dürfen laut Allgemeinverfügung bis zu 20 Personen zur Trauerfeier. Und wir wollten niemanden im Regen stehen lassen“, sagt Pastor Schütt. So habe er kurzerhand die „relativ große“ Kapelle mit rund 100 Stühlen umgebaut. Nun stünden dort 20 Stühle in entsprechenden Sicherheitsabständen. Trauerfeiern – selbst mit musikalischer Begleitung – seien so noch in der Kapelle möglich. „Wobei ich allerdings festgestellt habe, dass derzeit vonseiten der Angehörigen kaum noch große Trauerfeiern gewünscht sind.“

In Blumenthal gestattet Pastor Ulrich Klein dem engsten Familienkreis die Trauerfeier in der Kirche der reformierten Gemeinde. Selbstverständlich halte sich auch die Kirchengemeinde an die Allgemeinverfügung, also werde eine Trauerfeier nur mit 15 bis 20 Personen erlaubt. „Wir haben in Bremen-Nord das größte Gotteshaus, also ist Abstandhalten während einer Trauerfeier bei uns kaum ein Problem“, sagt Ulrich Klein. Desinfektionsmöglichkeiten an den Eingängen von Kirche und Kapelle seien vorhanden, Schilder gäben Hinweise, dass auch in den Kirchenbänken entsprechende Abstände einzuhalten seien.

Eine besondere Möglichkeit gibt es darüber hinaus auf dem Friedhof an der Landrat-Christians-Straße 78. „Obwohl da noch keiner an das Corona-Virus und dessen Auswirkungen gedacht hat, haben wir im letzten Jahr den ehemaligen Abendmahltisch aus der Kirche auf dem Friedhof aufgebaut“, erzählt Pastor Klein. Martin Tosonowski, Steinmetz und Bildhauer, habe mitgeholfen. Das Arbeit- und Lernzentrum (ALZ) habe mitgewirkt, um sechs wetterfeste Bänke um den Sandsteintisch herum aufzubauen. Reste von aufgegebenen Grabsteinen seien in den Halterungen, den sogenannten Gabionen, mit verbaut.

„So können wir – bei dem derzeitigen schönen Wetter – eine würdevolle Trauerfeier auch unter freiem Himmel anbieten“, sagt Pastor Klein. Nur das Gedenken des Verstorbenen im ersten Gottesdienst nach der Beerdigung sei derzeit nicht möglich. „Das möchte ich in Zeiten von Podcast-Andachten nicht anbieten“, so Klein. Dafür hat der Pastor allen Angehörigen versichert, dass „im ersten Gottesdienst nach Corona“ die Namen aller in der Zwischenzeit in der Kirchengemeinde Verstorbenen verlesen und ihrer gedacht werde.

Für den Fall, dass sie eine an Covid-19 verstorbene Person beerdigen müssen, sind die Bestattungsunternehmen vorbereitet. „Der Cornonavirus ist auch post mortem noch ansteckend. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise Temperatur oder Luftfeuchtigkeit“, berichtet Henrik Stühmer. Da jeder Bestatter grundsätzlich für den Umgang mit ansteckenden Krankheiten geschult sei, dürfe jetzt auch jeder Bestatter eine mit Covid-19 infizierte Leiche zur letzten Ruhestätte begleiten.

Es gelten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen: „Dazu gehört für die Bestatter das Tragen von Einmalschutzanzügen, Handschuhen und Mundschutz. Für den Verstorbenen gibt es eine verschließbare Leichenhülle mit Reißverschluss. Der Sarg wird von außen desinfiziert und gekennzeichnet. Von außen muss gut zu erkennen sein, dass die Leiche mit Covid-19 infiziert ist. Im Anschluss waschen und desinfizieren wir unsere Hände und Unterarme“, erklärt Henrik Stühmer das Prozedere.

Herwig Gründel ergänzt: „Neben dem Respekt vor dem Verstorbenen gehören ein umsichtiger Arbeitsschutz und Vorsicht grundsätzlich zur Arbeit mit Verstorbenen. Bei Menschen, die zum Zeitpunkt des Todes an einer infektiösen Erkrankung litten, ergreifen auch wir selbstverständlich erhöhte Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel das Tragen von Mundschutzmasken mit der Mindeststufe FFP2, lieber FFP3, das Tragen von Schutzschürzen, Schutzanzügen und Visieren.“

Info

Zur Sache

Regeln für Beerdigungen

Die Bremer Allgemeinverfügung zum Umgang mit der Coronakrise ist in der aktuellen Version vom 17. April beim Thema Bestattungen nicht verändert worden. Darin heißt es wörtlich: „Bei der Durchführung sind die Hinweise des Robert-Koch-Instituts und insbesondere die folgenden Punkte zu berücksichtigen:

Der zeitliche Rahmen ist so eng wie möglich zu fassen

▪ Hinreichende Hygienevorkehrungen wie beispielsweise Waschmöglichkeiten mit Seife oder die Bereitstellung von Desinfektionsmittel sind sicherzustellen

▪ Ein ausreichender Abstand zwischen den Personen ist sicherzustellen

▪ Die Teilnehmerzahl ist auf ein Mindestmaß (nur der engste Kreis; jedenfalls nicht mehr als 20 Personen) zu reduzieren

▪ Auf gefährdete Personen ist besondere Rücksicht zu nehmen; dafür sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Über die Möglichkeiten einer Trauerfeier und die gesetzlichen Vorgaben im Rahmen der Allgemeinverfügung sollten sich Angehörige vorab im Einzelnen genau informieren: Bestatter und Kirchengemeinden können Angaben machen, wie die Bestimmungen im Einzelfall umgesetzt werden.

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