Wie die Betreiber mit Corona umgehen

Campingplätze ohne Gäste

In Zeiten von Corona sind die Campingplätze verwaist. Die Betreiber leiden unter der Situation. Wir haben in Worpswede und Hepstedt nachgefragt.
28.04.2020, 17:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Irene Niehaus

Worpswede/Hepstedt. Wegen der Corona-Krise ist bei Ralf Soujon alles anders. Sein Campingplatz in Neu Helgoland ist geschlossen, auch sein Bistro und der Kanuverleih am Hammehafen sind zu. Normalerweise beginnt am 1. April die Saison. Doch das Areal ist verwaist. Gäste können nicht kommen. Der Betreiber nutzt notgedrungen die Tage, um zu renovieren und die Außenanlage zu pflegen. Denn bei aller Ungewissheit hofft der 59-Jährige, das Gelände mit seinen gut 80 Plätzen für Wohnmobilisten, Dauercamper und Zelte bald wieder öffnen zu können.

In Zeiten von Corona stellen vor allem die Gemeinschaftseinrichtungen die Campingplatzbetreiber vor ein großes Problem. Gemeinsames Zähneputzen, Duschen oder Abspülen sind nicht erlaubt – zu groß wäre die Gefahr, sich zu infizieren. Soujon schmiedet deshalb Pläne, wie er die Sicherheit in diesem Bereich am besten gewährleisten könnte. Dazu gehört ein begrenzter Zugang zum Sanitärhaus, der über ein Ampelsystem gelenkt werden könnte, so der Betreiber. Für viele Wohnmobil-Besitzer sieht er gar kein Problem, denn ihre Fahrzeuge verfügten über eine eigene Dusche und eine Toilette. „Diese Camper müssten die Waschräume gar nicht aufsuchen“, sagt Soujon.

So eine Situation haben Ralf Soujon und seine Frau Diana Barten-Soujon noch nie erlebt. Er hat Angst um seine wirtschaftliche Existenz. „Bis auf die Pachten der Dauercamper haben wir null Einnahmen.“ Größere Reparaturen hat er deshalb zurückgestellt. „Etwa die Hälfte, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht.“ Dass momentan besondere Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen, versteht Soujon. Wenig Verständnis hat er dafür, seinen Kanuverleih nicht öffnen zu dürfen. „Er birgt keinerlei Risiko. Man könnte überall Abstand halten“, betont der 59-Jährige. Die Einnahmen aus dem Bootsverleih könnten immerhin helfen, so Soujon, die kritische Zeit zu überstehen.

Er geht davon aus, dass viele Deutsche ihren Sommerurlaub in diesem Jahr im Inland verbringen werden. Soujon hofft, dass er seinen Platz im Juli oder August wieder öffnen kann, mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen. Dann könnte sein Betrieb durchhalten, sagt er. Viel Spielraum gebe es aber nicht: Wenn ein Drittel oder ein Viertel der bisherigen Einnahmen wegfielen, werde es schwierig, über den Winter zu kommen, so Soujon.

Auch bei Silvana Zampich in Hepstedt war alles vorbereitet, um in die Saison zu starten. Mit rund 260 Stellplätzen zählt ihr Waldcampingplatz am Hepstedter Ummelbad, den sie von der Samtgemeinde Tarmstedt gepachtet hat, zu einem der größeren in der Region. Doch nun herrscht tote Hose auf dem Gelände neben dem Freibad. Bleiben dürfen nur jene, die ihren Erstwohnsitz hier gemeldet haben. Dauercamper dürfen auf ihrem Stellplatz nach dem Rechten sehen und Reparaturen erledigen, aber nicht übernachten.

Silvana Zampich hofft, dass es bald wieder losgehen kann. Denn jeder Tag, den sie geschlossen hat, kostet sie Geld. Die Dauercamper sind durch Verträge gebunden, diese Einnahmen bleiben ihr. Immerhin habe bislang niemand die Pacht zurückverlangt. „Sie auszusperren stößt aber ein Stück weit auf Unverständnis“, berichtet Silvana Zampich am Telefon. Einige Sanierungs-Vorhaben und den Kauf einer guten Kaffeemaschine hat sie auf Eis gelegt, weil sie nicht weiß, wie lange die Schließung dauert. Um einen neuen Rasenmäher kam sie nicht drumrum. Die Anlage müsse schließlich weiterhin gepflegt werden.

Die Hepstedterin hat viel investiert in den letzten fünf Jahren. Nun hängt sie in der Luft, kann nicht planen. „Ich weiß nicht, wohin die Reise geht.“ Auch habe sie Angst vor einem saftigen Bußgeld, weil sie vielleicht unwissentlich gegen eine Corona-Regel verstoßen könnte. „Ich bin die ganze Zeit dabei, zu recherchieren und mich zu informieren“, berichtet Silvana Zampich.

Sie will den Kopf nicht in den Sand stecken. „Ich werde durchhalten, ich liebe, was ich mache.“ So hat sie sich etwas einfallen lassen. Die Gastronomie in den Räumen des Cafés ist zwar auf null heruntergefahren, und alle Veranstaltungen sind abgesagt. Doch draußen verkauft die 47-Jährige Eis aus der Eistruhe und Kuchen. To go, versteht sich, und mit dem nötigen Sicherheitsabstand. „Das wird von den vielen Wanderern, von Kindern und Hundebesitzern dankbar angenommen.“ Sie könne mit den Einnahmen aus dem Außer-Haus-Verkauf zumindest die laufenden Kosten fürs Café decken. Ihre Teilzeitkraft beschäftigt sie weiter.

Ob und wie die Campingsaison starten kann, ist noch ungewiss. Aber bis dahin richten Betreiber wie Silvana Zampich und Ralf Soujon ihre Plätze so her, dass sie potenzielle Gäste jeden Moment in Empfang nehmen könnten.

+++ Wir haben diesen Text überarbeitet. Eine Angabe über den finanziellen Spielraum des Platzbetreibers war missverständlich formuliert worden. +++

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